Fußball-WM: Japan ist Weltmeister
In einem spannenden und am Ende auch dramatischen WM-Finale konnte sich Japan am Sonntag Abend gegen die USA durchsetzen und erstmals Weltmeister werden. Die Entscheidung fiel allerdings erst im Elfmeterschießen. Geleitet wurde das Spiel souverän von der deutschen Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus. Vor 48.817 Zuschauern begann in der damit ausverkauften WM-Arena in Frankfurt am Main das letzte Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland.
Die US-Amerikanerinnen begannen mit einer kleinen Überraschung in der Startelf: Lauren Cheney spielte diesmal nicht auf der linken Außenbahn, sondern als hängende Spitze für Amy Rodriguez, die erstmals im Turnier nicht von Beginn an spielte. Für sie rückte Megan Rapinoe im linken Mittelfeld wieder in die Startformation.
Die Japanerinnen starteten dagegen mit derselben Elf wie bereits im Halbfinale gegen Schweden. Angeführt wurde das Team wie gewohnt von Homare Sawa. Im Sturm begann erneut die in der Bundesliga beim FCR Duisburg spielende Kozue Ando neben Nahomi Kawasumi. Andos Ligakollegin Yuki Nagasato von Turbine Potsdam musste dafür erneut auf der Bank Platz nehmen.
Das US-Team begann sehr offensiv und erspielte sich nach einer kurzen Abtastphase zu Beginn der Partie zahlreiche Möglichkeiten. Die Japanerinnen versuchten im Gegenzug das Spiel langsam zu machen und über Ballsicherheit in die Partie zu finden. Nach zwanzig Minuten ebbten die amerikanischen Angriffsbemühungen ein wenig ab, während das japanische Team ein wenig mehr Druck aufbauen konnte.
Die erste richtig gute Torchance für Japan ergab sich allerdings erst nach einer halben Stunde durch Kozue Ando. Kurz zuvor waren die Amerikanerinnen mit Abby Wambach noch an der Latte gescheitert. Zum Ende der ersten Halbzeit gelang es den Japanerinnen immer besser, ihr berüchtigtes Kurzpassspiel aufzuziehen. Die gefährlichere Mannschaft blieb aber das US-Team, dessen Tormöglichkeiten jedoch seltener wurden.
Der erste Durchgang endete torlos. Zur zweiten Halbzeit versuchte US-Trainerin Pia Sundhage ihr Team noch offensiver einzustellen. Für Cheney spielte jetzt Alex Morgan im Sturm. Der japanische Trainer Norio Sasaki ließ sein Team unverändert. Unverändert blieb zunächst auch das Spielgeschehen.
Die US-Amerikanerinnen blieben das kampfstärkere und torgefährlichere Team, und kamen bereits in der 49. Minute zu ihrer nächsten große Torgelegenheit durch Morgan, die jedoch nur den Pfosten traf. Das japanische Team spielte dagegen sehr ruhig und scheinbar unbeeindruckt seinen Stiefel runter und suchte in gelegentlichen Vorstößen immer wieder den Weg nach vorne, blieb insgesamt aber zu harmlos.
In der 66. Minute dann ein Doppelwechsel bei Japan. Für Ando kam Nagasoto, für Shinobu Ohno die Viertelfinaltorschützin gegen Deutschland, Karina Maruyama in die Partie. Kurz darauf, in der 69. Minute, fiel dann das amerikanische Führungstor, ausgerechnet nach einem Konter, und mit zwei Einwechselspielerinnen im Mittelpunkt.
Nachdem Nagasato bei einem japanischen Angriff am amerikanischen Strafraum den Ball verloren hatte, schickte Rapinoe die zur Halbzeit gekommene Morgan in den gegnerischen Strafraum, wo sie mit einem Schuss ins lange Eck die japanische Torfrau Ayumi Kaihori überwinden konnte. Angesichts der Feldüberlegenheit und deutlich mehr Torchancen auf Seiten der Amerikanerinnen war die Führung durchaus verdient.
Japan gleicht zweimal aus
Die Japanerinnen verstärkten jetzt ihre Offensivbemühungen, während das US-Team durch schnelle Gegenzüge gefährlich blieb. In der 81. Minute fiel dann aber der Ausgleich nach einem Abwehrfehler in der amerikanischen Hintermannschaft. Ein Pass in die Spitze auf Nagasato führte zur Konfusion im amerikanischen Fünf-Meter-Raum.
Bei dem Versuch zu klären schoss Innenverteidigerin Rachel Buehler ihre Landsfrau Alexandra Krieger an, von welcher der Ball zu Aya Miyama prallte, die daraufhin ohne große Probleme einnetzen konnte. Die Partie war jetzt völlig offen. Beide Mannschaften spielten mit offenem Visier und es ging hoch und runter mit Tormöglichkeiten auf beiden Seiten.
Vor Ende der regulären Spielzeit gelang aber keinem Team das entscheidende Tor. Das WM-Finale ging in die Verlängerung. Weiterhin bot sich das gewohnte Bild auf dem Platz. Die US-Amerikanerinnen spielten mit Kraft und Robustheit und drängten auf das japanische Tor mit mehr und klareren Torchancen.
Die Japanerinnen agierten dagegen mit spielerischer Ruhe und Präzision, brauchten aber wieder ihre Zeit, bis sie auch ihrerseits gelegentlichen Druck auf das amerikanische Tor ausüben konnten. Offensivstärker blieb aber das US-Team und fast folgerichtig ging es erneut in Führung. Kurz vor Ende der ersten Halbzeit der Verlängerung traf in der 104. Minute Abby Wambach per Kopf nach Flanke von Morgan. Es war ihr vierter Turniertreffer.
Nach dem Seitenwechsel dann fast ein wenig verkehrte Welt auf dem Platz: Die Japanerinnen waren jetzt am Drücker und kamen zu ihren besten Tormöglichkeiten im ganzen Spiel. In der 117. Minute wurde das Team belohnt. Zum zweiten Mal in der Partie gelang Japan der Ausgleich. Nach einer Ecke von Miyama beförderte Sawa mit ihrem fünften WM-Treffer den Ball ins Tor. Anschließend kam es zu dramatischen Schlussminuten in Frankfurt.
Knapp vor dem japanischen Strafraum wurde die steil geschickte Morgan von Azusa Iwashimizu zu Fall gebracht. Schiedsrichterin Steinhaus blieb keine Wahl: Sie zeigte der japanischen Verteidigerin in der 120. Minute die Rote Karte wegen einer Notbremse. Der anschließende Freistoß der Amerikanerinnen blieb die letzte Tormöglichkeit im Spiel. Danach war Schluss, die Entscheidung musste im Elfmeterschießen fallen. Zum dritten Mal im Turnier.
Diesmal ging es jedoch um den Titel, wobei den Amerikanerinnen schließlich die Nerven zu versagen schienen. Gleich drei Schützinnen von Beginn an konnten den Ball nicht im Tor unterbringen, während die Japanerinnen ihre Elfmeter sicher verwandelten. Ausnahme war lediglich Nagasato, die verschoss, sowie umgekehrt Wambach, die als einzige Amerikanerin vom Punkt treffen konnte.
Sieg im Elfmeterschießen
Zur Heldin des Spiels wurde die japanische Torhüterin Kaihori, die zwei Schüsse direkt abwehren konnte. Als letzte japanische Schützin verwandelte Saki Kumagai, in der kommenden Saison in der Bundesliga für den 1. FFC Frankfurt spielend, ihren Elfmeter sicher und machte Japan damit zum Weltmeister. Mit 3:1 entschieden die Japanerinnen das Elfmeterschießen für sich und sind zum ersten Mal überhaupt Weltmeister geworden.
Nach dem Spiel fanden die obligatorischen Siegerehrungen statt. Neben der Auszeichnung für das japanische Team als Turniersieger wurden auch die besten Spielerinnen, Torschützinnen und die beste Torhüterin der WM ausgezeichnet. Gleich drei Trophäen konnte die japanische Spielführerin Homare Sawa entgegen nehmen.
Sie wurde mit dem Goldenen Ball als beste Spielerin und mit dem Goldenen Schuh als beste Torschützin geehrt. Außerdem bekam sie für ihr Team den Fairplay-Award überreicht. Zur besten WM-Torschützin verhalfen ihr fünf Treffer beim Turnier. Damit lag sie vor der Brasilianerin Marta und der US-Stürmerin Wambach mit jeweils vier Toren.
Wambach, wie ihre Teamkollegin Solo, konnten jeweils zwei Auszeichnungen ergattern, Abby Wambach als drittbeste Torschützin und zweitbeste Spielerin des Turniers, Hope Solo als beste Torhüterin und drittbeste Spielerin bei der WM. Den silbernen Ball als zweitbeste Torschützin erhält die abwesende Marta.
Als weitere Auszeichnung war bereits zuvor die 16jährige Australierin Caitlin Foord als beste Nachwuchsspielerin des Turniers geehrt worden. Damit enden drei Wochen Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland, mit vielen knappen Ergebnissen und schönen Toren, sowie mit einem spannenden und ansehnlichen Finale. Das Turnier hat mit Japan einen am Ende glücklichen, aber auch würdigen, neuen Weltmeister gefunden.
| < Zurück | Weiter > |
|---|




FAKTuell2006.jpg)











![faktor-L * Neue Medizin * Bioblatt 1 * Basiswissen (faktor-L * Bioblatt) [Kindle Edition] Neue Medizin 07.06.2011](/images/stories/CoverRezi/bioblatt1CoverfaktorLBasiswissen07062011.jpg)







1. Halten Sie sich an die Gesetze.
2. Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.