Fußball-WM: Deutschland scheidet im Viertelfinale aus * Japan und Frankreich im Halbfinale

Die Weltmeisterschaft im eigenen Land fand für die deutsche Mannschaft ein jähes und irgendwie unvorhergesehenes Ende. Im Viertelfinale unterlag die DFB-Auswahl dem Weltranglistenvierten Japan mit 0:1 nach Verlängerung.
Über mehr als 120 Minuten ging auch die vorherige Partie, die aber erst im Elfmeterschießen entschieden wurde. England und Frankreich trugen das erste Viertelfinalspiel bei dieser WM aus. Es war zugleich die letzte WM-Partie, die in Leverkusen stattfand. Den englischen „Fluch", im Elfmeterschießen zu verlieren, konnte (oder wollte) die BayArena nicht brechen.
Später am Abend war das deutsche Team in Wolfsburg gefordert. Vor über 26.067 Zuschauern traf der Titelverteidiger auf die Japanerinnen mit den Bundesligaspielerinnen Yuki Nagasato und Kozue Ando.
Deutschland begann gewohnt offensiv, während Japan zunächst kaum ins Spiel fand. Erst im Laufe der Halbzeit wurde Japan stärker, während die deutschen Angriffsbemühungen zusehends ins Stocken gerieten. Durch zu viele Ballverluste blieb aber auch das japanische Offensivspiel zumeist harmlos. Die DFB-Elf konnte aber kein Kapital daraus schlagen. Sie beherrschte überwiegend das Spiel, aber die Defensive der Japanerinnen stand sicher.
Ein großer Wermutstropfen für das deutsche Team war allerdings die frühe Verletzung von Kim Kulig. Sie war für Lena Goeßling in die Startformation zurück gekehrt, zog sich aber bereits nach drei Minuten bei einem Zweikampf im Strafraum eine Verletzung am Knie zu. Mit Verdacht auf einen Kreuzbandriss verließ Kulig unter Tränen das Spielfeld und wurde später zur genauen Untersuchung ins Krankenhaus gebracht.
Für die Mittelfeldspielerin kam Bianca Schmidt in die Partie, während Linda Bresonik, die ebenfalls wieder von Beginn an spielte, aus der Viererkette ins Mittelfeld neben Simone Laudehr rückte. Die erste Halbzeit endete torlos. Im zweiten Durchgang wurden die Japanerinnen immer stärker. Phasenweise waren sie die tonangebende Mannschaft mit deutlich mehr Ballbesitz.
Weiterhin gelang es den Asiatinnen aber kaum, Gefahr auf das Tor von Nadine Angerer auszuüben. In der 65. Minute kam Goeßling für Bresonik ins Spiel. Die deutsche Mannschaft strahlte besonders in den Schlussminuten mehr Torgefahr aus, als sie mit einem kleinen Sturmlauf versuchte, die Entscheidung vor Ablauf der regulären Spielzeit zu erzwingen. Die japanische Defensive war an diesem Abend aber nicht zu überwinden.
* Entscheidung in der Verlängerung
Auch das zweite Viertelfinalspiel an diesem Tag ging in die Verlängerung. Ein abwechslungsreiches und immer spannender werdendes Spiel entfaltete sich. In der 102. Minute kam Alexandra Popp für Inka Grings ins Spiel. In der 108. Minute dann aber der Schock für die deutsche Mannschaft, als es den Japanerinnen schließlich doch noch gelang, die Verteidigung der DFB-Elf zu überwinden.
Einen langen Ball erreichte Karina Maruyama vor Babett Peter und Nadine Angerer, und traf aus spitzem Winkel ins lange Eck. Die restlichen zwölf Minuten geriet das japanische Tor in einen regelrechten Belagerungszustand. Mit viel Kampf und Willen versuchte die deutsche Mannschaft das frühzeitige und von kaum jemanden für möglich gehaltene Ausscheiden aus der WM im eigenen Land zu verhindern.
Doch im Abschluss blieben die DFB-Frauen zu unpräzise und glücklos. Die japanische Abwehr blieb unüberwunden. Nach 120 Minuten plus Nachspielzeit endete das selbsternannte Sommermärchen des DFB. Die körperlich unterlegenen, aber spielerisch und kämpferisch starken Japanerinnen schafften dagegen eine kleine Überraschung und ziehen ins Halbfinale der WM ein.
Deutschland verlor zum ersten Mal nach 15 Spielen wieder bei einer Weltmeisterschaft. Nach dem ersten Viertelfinalspieltag wird noch einmal deutlich, wie sehr die fußballerische Qualität der Teams in der Spitze zugenommen hat und eine Weltmeisterschaft, auch im eigenen Land und auch mit zweimonatiger Vorbereitungszeit, kein Selbstläufer ist. Mit den Ergebnissen aus den ersten beiden Viertelfinalspielen hat das Turnier einen durchaus etwas verrückten Verlauf genommen.
Die Japanerinnen, die im letzten Gruppenspiel noch England unterlegen waren, schlugen heute den großen Titelfavoriten aus Deutschland, während die vormals siegreichen Engländerinnen am Samstag wiederum nun den Französinnen, wenn auch erst im Elfmeterschießen unterlagen. Frankreich seinerseits hatte zuvor im letzten Gruppenspiel gegen das deutsche Team noch recht deutlich verloren.
* England und das Elfmeterschießen
Gegen die Engländerinnen war die Equipe Tricolore die tonangebende und spielstärkere Mannschaft. Vor 26.395 Zuschauern in Leverkusen überließ die englische Mannschaft den Französinnen weitestgehend das Spiel und versuchte zumeist mit langen Bällen offensive Akzente zu setzen. Die Rechnung wäre fast aufgegangen. Die Partie endete zur Pause ebenfalls torlos, im zweiten Durchgang ging England aber in Führung.
In der 59. Minute hebt Jill Scott den Ball über die vorgerückte französische Schlussfrau Celine Deville ins Tor. Die englische Führung hatte bis zwei Minuten vor regulärem Spielende Bestand. Auch Frankreich spielte nur noch auf ein Tor, während die englische Mannschaft den Vorsprung über die Zeit zu retten versuchte. Doch ihr schwanden mit zunehmenden Spielverlauf die Kräfte und in der 88. Minute gelang Elise Bussaglia der Ausgleich für Frankreich.
Somit ging auch dieses Spiel in die Verlängerung. Frankreich versuchte die Entscheidung gegen ein englisches Team zu erzwingen, das stehend KO war. Kelly Smith humpelte mehr, als dass sie lief, Abwehrspielerin und Kapitänin Faye White wurde in den letzten Minuten der Extrazeit von Krämpfen geplagt. Beide Spielerinnen spielten eine Rolle im zwangsläufig folgenden Elfmeterschießen.
Denn weder Frankreich, noch England, das kurz vor Spielende auch noch einmal zu einer großen Gelegenheit kam, gelang der spielentscheidende Treffer. Mit 1:1 Unentschieden endete das Spiel nach Verlängerung. Ins anschließende Elfmeterschießen startete Frankreich schlecht. Die englische Torhüterin Karen Bardsley hielt den ersten Elfmeter von Camille Abily. Anschließend brachte die angeschlagene Smith die Engländerinnen in Führung.
Danach trafen alle Schützinnen bis zum vierten englischen Elfmeter. Claire Rafferty setzte den Ball neben das Tor. Nachdem die Französin Le Sommer sicher verwandelt hatte, waren die Engländerinnen unter Zugzwang. White hätte treffen müssen, um ihr Team im Spiel zu halten, doch sie traf nur die Latte. Somit gewannen die Französinnen das Elfmeterschießen mit 4:3. England scheitert erneut in einem Elfmeterschießen, diesmal mit den Frauen.
Im Halbfinale trifft Frankreich auf den Sieger aus der Begegnung zwischen Brasilien und den USA. Die Japanerinnen treffen auf den Gewinner des Spiels Schweden gegen Australien. Die beiden Viertelfinalpartien finden am Sonntag statt. Bereits um 13 Uhr treffen in Augsburg Schweden und Australien aufeinander, ehe um 17:30 Uhr in Dresden die Brasilianerinnen und die US-Amerikanerinnen die Runde der letzten Acht komplettieren.
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