Libyen: Das Volk spricht mit dem Herzen

Seit zwei Wochen bin ich in den Grenzgebieten Libyens von Musaaid, Bardiyah, Qasr-al-Jady, Kambut und bis Tobruk unterwegs. Tobruk war die erste Stadt, die während dieser Revolution gefallen ist. Auf meinem Weg durch Libyen bin ich ausschließlich Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft begegnet. Die libysche Bevölkerung war mir gegenüber immer sehr aufgeschlossen. Gastfreundschaft wurde und wird hier großgeschrieben. 
Als Journalist bin ich sowohl willkommen, als auch gut angesehen. Nicht einmal habe ich in einem Hotel übernachtet. Stets wurde ich von den libyschen Familien eingeladen. Übernachtete in ihren Häusern, und habe bei den Mahlzeiten an ihren Tischen gesessen. Anders, als dies in anderen Medien geschildert wird.
Die Offenheit der Menschen ist faszinierend. Sie lassen "das Herz sprechen", wie man das hier nennt. Im Tischgespräch erzählen sie, was sie bewegt: Gaddafi sagt "ich bin der größte Kämpfer und werde meine Waffen nicht fallen lassen". Was ist er für ein Kämpfer? Der gegen sein eigenes Volk kämpft? Seiner Meinung nach würden die Menschen ihn lieben. Rückhaltlos.
Meine Gastgeber sind überzeugt davon, dass Gaddafi Tabletten und Drogen nimmt, daher träume er dass die Menschen ihn lieben würden: Er hat Mubarak unterstützt und bat ihn gegen seinen Volk zu kämpfen, so etwas kann nur ein kranker Mann sagen. Er hätte angeblich für sein Volk neun Billionen Dollar in den Banken liegen, wir sind doch nicht " Dumm". Uns interessiert nicht das Geld, sondern dass er einfach von hier verschwindet.
"Wer ist Gaddafi überhaupt?", fragt ein Mitglied unserer "Tafelrunde", um dann selbst die Antwort zu liefern: Im Jahr 1966 verbrachte Gaddafi vier Monate in Großbritannien. Für was? Denken Sie, dass man in vier Monaten Englisch lernen kann?
Die Engländer haben Gaddafi einige Gesetze für Libyen vorgeschlagen. Weshalb die Engländer? Weil damals die amerikanische Botschaft die Revolution 1952 in Kairo hautnah mitbekommen hatte. Die Amerikaner und Engländer haben sich zusammen geschlossen und im Jahr 1966 ein Gesetz für Libyen gebracht. Damals war Gaddafi der richtige Mann für die. Davor war die Name "Muammar al-Gaddafi" in gesamt Libyen nicht bekannt.
Die Engländer und Amerikaner haben ihn allein für eigene Interessen aufgebaut. Bis heute profitieren sie davon. Keiner weiß bis heute, wann und wo Gaddafi geboren wurde und ob er überhaupt einen Schulabschluss hat. 1969 plante er eine Revolution, bis er im April eine berühmte Schauspielerin aus Ägypten kennenlernte. Damals hat er einige Monate mit diese bezaubernde Frau verbracht. Ab diesem Zeitpunkt hat Gaddafi sich vollkommen geändert. Es war ein erfolgreicher "Schachzug" der Amerikaner, diese Frau in sein Leben einzubringen.
Bis dahin war Libyen ein sehr friedliches Land. Die Menschen ließen ihre Türen auf, während sie nachts geschlafen haben. Nachbarschaft und Anstand wurden nicht nur groß geschrieben, sondern ehrenhaft gelebt. Niemand musste verhungern.
Inzwischen hat Gaddafi unzählige Menschen nach Libyen geholt und in seinen Firmen beschäftigt. In all seinen Firmen sind Hunderttausende Menschen aus Afrika, Asien und viele andere Ländern und Regionen beschäftigt. Für das eigene Volk gab keine Arbeit in diesen Firmen.
Der Ansatz eines Bedingungslosen Grundeinkommens ist allerdings Standard gewesen. Es ist noch immer vom Staat festgelegt, dass jedes Familienoberhaupt umgerechnet 500 Euro bekommen wird, um seine Familie zu unterstützen. Mittlerweile ist das nicht der Fall. Ein Resultat der überall wuchernden Korruption. Nur wer für Gaddafi jubelt, kommt zu seinem zugesicherten Bedingungslosen Grundeinkommen. Soviel zum Thema Bedingungslos.
Nachdem Gaddafi an die Macht kam, kündigte er als aller erstes in Radio undd Fernsehen die Libysch-Arabische Republik an. Anfangs möchte er nur, wie Nasser in Ägypten, dem arabischen Volk zeigen, dass er die neue Führungspersönlichkeit ist. Gaddafi deckt die Korruption von König Idriss I. auf und machte ihn für die schlechte Wirtschaft verantwortlich. Der restlichen Welt zeigte sich Gaddafi als unbestechlich und an persönlichem Reichtum nicht interessiert. So ist er damals in Libyen bekannt geworden.
Er hat sich wie ein "Wolf" mit Unterstützung der Engländer und Amerikaner langsam hochgearbeitet. Da der Vater und Großvater von Gaddafi in diesen Land begraben sind, wollte er dem Volk zeigen, wie anständig und heimatverbunden er ist. Immer wieder betont er: "Ich werde unser Land niemals verlassen." Aber wir als Libyer möchten ihn nur zwei Möglichkeiten anbieten, entweder werden wir ihn zwischen den Gräbern von seinem Vater und Großvater vergraben, oder er sucht sich sein Grab selber aus und lässt uns in Frieden leben.
Zur Zeit hat er mehr als 75% des Landes verloren, die Menschen mögen Ihn überhaupt nicht mehr. Mehr als 90% der Bevölkerung in Libyen haben die "Nase voll" von Gaddafi. Sogar seine eigenen Verwandten unterstützen momentan in Libyen die Rebellen.
Die Menschen aus Ost- und Westlibyen werden nicht mehr lange nur hinnehmen, sie werden ihn selbst aus dem Land jagen. Hoffentlich benötigen wir vom Ausland, wie zum Beispiel Amerika oder Deutschland, keine Hilfe. Wir Libyer haben die Revolution selbst gestartet, daher sind wir bereit Gaddafi auch selbst zu stürzen.
Gaddafi sagt immer wieder, dass er bis zum letzten Tropfen seines Blutes kämpfen wird. Wir werden in ganz Libyen von Benghazi, Tobruk, Darna bis Tripolis kämpfen und werden den letzten Tropfen des Blutes für die Revolution unseres Landes opfern. Wir empfehlen denen, die ihn 1969 aus London nach Libyen gebracht haben, ihn ganz schnell zurückzuholen. Ihm wird es nicht gelingen den Monat März in Libyen durchzuhalten.
Die Menschen denken, dass nach Libyen der Jemen eine große Revolution plant und danach Algerien an der Reihe ist. Wir und Ägypten werden alle Diktatoren aus den arabischen Ländern verjagen. Die Revolution im Ägypten und Tunesien hat uns die Augen und das Herz geöffnet. Wir wissen wie wunderschön unsere Länder sind. 
Über Amerika denken die Menschen hier auch nicht besonders gut. Ich meine damit nicht die Bevölkerung, sondern die Politiker von Amerika. Ein Beispiel wird vorgetragen: Als am 15. Februar die erste Demonstration gegen Gaddafi stattgefunden hatte. Gaddafi hat unschuldigen Menschen umgebracht, die Amerikaner haben nur zugeschaut. White House unternimmt bis zum heutigen Tag nichts dagegen. Sie sind nur an unserem Öl interessiert, welches sie weiterhin von Gaddafi bekommen werden. Da sie der Meinung sind, dass es eine interne Angelegenheit des Libyschen Volks ist, wollen sie sich nicht einmischen.
Wir fragen uns: Warum haben die Amerikaner sich in Afghanistan, Irak und Kuwait eingemischt? Wenn Gaddafi fällt, werden die Amerikaner an unserem Öl interessiert sein. Dann werden sie sicher mit Unterstützung zu uns kommen wollen. Wir möchten unser Öl an Leute verkaufen, die dafür ehrlicher bezahlen.
Ich fragte nochmals zum Abschluss einige Einheimische: " Wie sehen sie die Zukunft von Libyen nach den Gaddafi, die Politiker die danach in der Macht kommen, werden die genauso korrupt sein wie in den anderen Ländern der Welt?"
Sie antworten entschlossen und einheitlich: "Wir haben aus der 42jährigen Diktatur viele gelernt. Jeder Politiker der versuchen wird Korrupt zu sein, muss sich das zehnmal überlegen, da wir unser Land nicht untergehen lassen werden. Wir behalten die Augen offen."
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