FlurdenkmaelerCover15032012 "Traute Stätte, hier im Wald verborgen,
schützet Felsen diesen heilgen Ort!

Tannenriesen wollst für Ruhe sorgen,
dränget alles Böse von hier fort.
Berge, gebt nun sanft das Echo wieder,
Silberbächlein rausche nicht zuviel,
Vöglein singt nur leise Lieder,
wenn hier still ein Pilger beten will."

Es muss wohl eine außerordentlich feierliche Atmosphäre gewesen sein zu jener Zeit, als sich die Bewohner von Limpach (Lipnice) und Kaltenbach (Studený) mitten im Wald an der Kapelle des Heiligen Antonius zu den beliebten Maiandachten trafen und hier diese, von ihrem Dechanten Marschner selbst verfasste Lied sangen.
Flurdenkmaeler Limpacher Kapelle  - 15032012lokal
Aber auch am 13. Juni, dem Namenstag des Schutzpatrons,  versammelten sich die Gläubigen in einer Prozession, um hier im Angesicht der, in einer aus dem Felsen gehauenen Nische stehenden Maria mit dem Jesuskind zu beten und in stiller Andacht zu verweilen.

Flurdenkmaeler  Rabenstein * Künstliche Stufen ermöglichen den Zugang zum Gipfel des Rabensteins, auf dem sich seit 1833 ein Kreuz befindet. Es wurde dereinst von den Eigentümern der Fabrik Schicht und Wiesner errichtet. Nach dem Krieg hatte es wohl irgend wen gestört. Es wurde abgebrochen und in die Tiefe gestürzt. Erst 1978 fanden sich einige Heimatfreunde, die es wieder am ursprünglichen Platz befestigten.Es ist nur einer der zahlreichen stummen Zeugen religiöser Verehrung oder des Gedenkens an Unfälle, Katastrophen und Wunder, von denen der Natur- und Heimatfreund Karl Stein aus Děčín (Tetschen) in seinem Buch "Flurdenkmäler unserer Heimat" Streifzüge durch das nördliche Böhmen, erschienen im Niederland-Verlag, berichtet. Erstmals im Jahre 2003 herausgegeben, entwickelte es sich rasch zu einem der erfolgreichsten und inzwischen erschien eine erweiterte, aktualisierte Neuauflage.

Vorgestellt werden Kleindenkmäler aus dem Lausitzer Gebirge, dem Böhmischen Niederland (Schluckenauer Zipfel) und der Böhmischen Schweiz. Neben Kapellen reicht deren Palette über Denksteine und Walenzeichen bis zu Weg- und anderen Kreuzen. Nicht zufällig erinnern viele von ihnen, an denen man vielleicht achtlos vorüber gegangen wäre, an die frühere deutsche Besiedlung dieser Region. Dabei erweist sich Karl Stein, der ursprünglich in Varnsdorf am Fuße des Hrádec (Burgsberg) aufwuchs, als einer der besten Kenner dieser Gegend.

Woher er dieses Wissen bekam, schildert er im Vorwort selbst: "Auf die ersten Ausflüge nahm mich mein Vater mit. Auch er liebte die Berge, aber auf eine andere Art." Während der Vater mit Vorliebe die deutschen Klassiker gelesen habe, faszinierte ihn als jungen Burschen immer nur das Lausitzer Gebirge, auch der damals noch unzugängliche Grenzstreifen, bekennt er. Gerade dieses Verbotene war es, das ihn anzog. Es packte ihn derart, dass er die ganze Woche über in der Schule nur von den Ausflügen am Wochenende träumte und diese schon gründlich vorbereitete. Dazu besorgte er sich alte deutsche Wanderkarten, die tschechischen seien viel zu ungenau gewesen.


 

Flurdenkmaeler Schillerdenkmal    15032012lokal

Das am 25. Juni 1905 zu Ehren Friedrich Schillers auf dem Gipfel des Tannenberges erinnerte Denkmal erinnert an den hundertsten Todestag des Dichterfürsten. Auf einem großen Steinblock, der aus Schluckenau (Šluknov) stammte, wurde eine Bronzetafel mit Schillers Porträt und einer Widmung des Gebirgsvereins angebracht.
Nach dem Krieg wurden nicht nur der Turm und die Gaststätte zu Ruinen, sondern um 1950 entfernte man das Schillerporträt und verwüstete die ganze Steingruppe. Erst nach der Wende nahm die Gemeinde Jiřetín pod Jedlovou (St. Georgenthal) die Restaurierung in Angriff. Neben einem Medaillon mit Schillers Bildnis befindet sich heute eine neue Gedenktafel mit der tschechischen Widmung: "Friedrich Schiller - (1759-1805) - gewidmet vom Gebirgsverein f. d. Nördlichste Böhmen. Die feierliche Einweihung fand am 21. September 1996 statt.

Gern habe er auch den alten Leuten zugehört, die packende Geschichten aus der Vergangenheit zu erzählen wussten. Darunter auch einige dagebliebene  Deutsche, mit denen er sich anfreundete, von denen aber längst niemand mehr lebe.Einst wollte er in jugendlichem Drang alles erforschen und ergründen. Nun steht wohl mehr im Mittelpunkt, das zu bewahren, was "neben uns still in Vergessenheit geriet, was jeden Moment unwiderruflich entgleiten konnte."    

Flurdenkmaeler Kaltenberg   - 15032012lokal

Zur Kapelle am Fuße des Kaltenberg (Studenec) wäre noch zu sagen, dass sie, wie aus der Inschrift auf dem von zwei schwebenden Engeln gehaltenen Schild zu ersehen ist, 1733 vom ehemaligen Richter Christof Austen gestiftet wurde. Die Grotte mit ihrer barocken Marienstatue wurden einige Male renoviert, so 1933, als man feierlich den 200. Jahrestag - ihren Gedenkmal beging. Danach überließ man sie ihrem Schicksal.
Mit der Vertreibung der Deutschen verschwanden auch deren Traditionen. Viele Heiligenbilder wurden geraubt oder ausgeplündert. Das war bei einer in Fels gehauenen Madonna natürlich nicht möglich. Doch da war der Zahn der Zeit tätig.
Erst am Sonnabend, dem 7. September 2002, erlebten einige Dutzend Menschen das Wunder ihrer Wiedereinweihung, darunter viele Heimatvertriebene aus ganz Deutschland. Besonderen Anteil an der Restaurierung hatte die Forstverwaltung. Sie übernahm als Grundeigentümer nicht nur die Kosten dafür, sondern sie ließ auch nach alten Plänen und Fotos eine neue Schutzhütte bauen.

Bei allem, was es an Positivem über dieses Buch zu sagen gibt, ist es aber für den mit dem deutsch-böhmischen Grenzgebiet nicht so vertrauten Leser etwas schwierig, die Orientierung zu behalten. Da der Niederland-Verlag bei seinen Veröffentlichungen immer vorrangig die ehemaligen Heimatvertriebenen aus dem Raume Groß-Schönau-Warnsdorf-Rumburk-Schluckenau als Zielgruppe sieht, setzt man im Buch generell die Kenntnis der deutschen Ortsnamen voraus.

Hier wird wohl in den nächsten Jahren ein Umdenken einsetzen müssen. Wer von der jüngeren Generation, egal, ob es sich dabei um die Kinder und Enkel der vertriebenen Sudetendeutschen oder die heutigen Bewohner der Oberlausitz handelt, weiß denn, dass der damalige Ort Hoffnung heute „Naděje“ heißt während der auch von Jonsdorf aus schnell zu erreichende Rabenstein den Namen „Křížová věž“ trägt. Einfacher ist es da schon mit dem Schillerdenkmal auf dem Tannenberg - jetzt Jedlová. Eine zweisprachige Karte oder Tabelle im Anhang wäre da wohl für alle hilfreich gewesen.

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Titel: "Flurdenkmäler unserer Heimat" -
Streifzüge durch das nördlichste Böhmen
Autor: Karl Stein
Herausgeber: Bund der Niederländer e. V.
Verlag: Niederland-Verlag, Johannes Liessel, München
ISBN: 978-3-923947-33-1

 

 

 

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