Stuttgart 21: Lenka mittendrin...
Seit gestern herrscht Ruhe auf der illegalen Baustelle S 21 im Bereich des Stuttgarter Schlossgartens und des Grundwassermanagements. Das oberste Verwaltungsgericht Ba-Wü hat einer Klage des BUND stattgegeben und vorläufigen Baustopp verhängt. Uff sind wir glücklich, auch wenn es nur ein vorläufiger Baustopp ist. Heute früh gab es in Stuttgart am Bauzaun das erste Sektfrühstück statt der fast täglichen Frühstücksblockaden die über Cams21 auch im Internet zu sehen sind. Eine vom 07.06.2011 sieht man z. B. >Hier.
Während der Vegetationsperiode die bis 30.09. dauert, konnte die DB keine Bäume fällen aber bereits in der Nacht vom 30.09. auf den 01.10.waren die Stuttgarter in erhöhter Allarmbereitschaft, denn ab da hätte es wieder an ihre Bäume und den Park gehen können. Am Dienstag war es dann so weit, ein Areal das die Stuttgarter den Feldherrenhügel nennen, wurde unter Protesten und Baumbesetzungen eingezäunt.
Wie mir von Augenzeugen berichtet wurde, gab es tagsüber Ärger über das Verhalten der Polizei. Sei es, weil sie die Versorgung mit Wasser und Essen von drei Demonstranten, die 7 Stunden lang auf den zu schützenden Bäumen saßen, nicht zugelassen hat, sei es, weil ein Beamter über einen Demonstranten, der ungesichert im Baum saß, sagte „wenn der vom Baum fällt brauchen wir ihn schon nicht herunter holen“, sei es, weil Beamte eingesetzt wurden, die am Schwarzen Donnerstag (30.09.10) eine unrühmliche Rolle gespielt haben und – das wundert in Stuttgart keinen mehr – frei gesprochen oder das Verfahren gegen sie eingestellt wurde.
Das Einsetzten dieser Beamten im Park am Dienstag empfinden die Demonstranten als reine Provokation und Machtdemonstration. Ich habe gehört, dass die Demonstranten gehörig am Zaun gerüttelt haben, als sich ein Beamter den man als „die Prügelglatze“ kennt gezeigt hat und habe so eine heftige Zaunrüttlerei auch selbst erlebt.
Es hat nicht viel gefeht und der wackelige Zaun wäre gefallen, aber genau das wollten die Demonstranten nicht. Hätten sie den Zaun umlegen wollen hätten sie nur ein paar Meter weiter gehen müssen. Zu den Zaunelementen die gar nicht fest gemacht waren und nur von 2 – 3 Beamten beobachten wurden.
Auch das Auftauchen von Beamten auf Pferden, aus heiterem Himmel und ohne sichtbaren Anlass, bringt Unruhe und wird mit Pfiffen, Rufen und Ärger quittiert. Wenn die Berittenen wieder abziehen und sich die Lage beruhig hat, wird weiter diskutiert und beobachtet. Zum Diskutieren gibt es immer etwas denn das „bestgeplante Projekt aller Zeiten“, wie es angepriesen wurde, sorgt immer wieder für Überraschungen, wenn unter Verschluss gehaltene Dokumente ans Tageslicht kommen und sichtbar wird welche Mängel und Risiken durch S 21 drohen, und natürlich ist auch „unser Bahnhof, der modernisierter Kopfbahnhof, der K 21, immer ein Thema.
Die ca. 200 Demonstranten, die abends noch als Wache im Park geblieben sind, saßen oder standen vor dem errichteten Zaun, manche spielten auf ihren Instrumenten, Kopfbahnhoflieder wurden gesungen, Transparente hochgehalten und um Punkt 19:00 h hätte man meinen können es sind tausende Demonstranten da – so laut fiel der obligatorische Schwabenstreich aus. Danach war wieder wachsame Ruhe.
Die entspannte Situation kann sich aber wieder ganz schnell ändern, wenn die ersten Beamten mit Helmen im Gebüsch gesichtet werden, denn jeder fragt sich : wieso tragen die jetzt Helme, was wollten die tun, was haben die vor? So ging es immer hin und her, aber die meiste Zeit war die Stimmung sehr gut und es hat, wenn der Anlass nicht so ernst wäre, Spaß gemacht.
Die Menge hat sich erst gegen 22:30 h zerstreut, als die Polizei bekannt gab, dass bis 6:00 h am nächsten Morgen keine Bauarbeiten statt finden. Am Mittwoch sicherte die Polizei den Bauzaun zusätzlich mit Hamburgern Gittern ab und die Bagger pflügten eine breite Schneise durch den Rasen am Feldherrenhügel für einen Bau weg.
Die Stuttgarter bemühen sich sehr darum ihre legale Möglichkeiten des Protestes und des zivilen Ungehorsams auszuschöpfen aber sie sind auch entschlossen ihren Park weiterhin zu verteidigen und den S21-Murks dorthin zu schicken wo der bayerische Transrapid gelandet ist – im Papierkorb.
Und wenn wir S 21 in die Wüste geschickt haben und mit der „blöden Blockiererei“ (O-Ton MdL Hr. Schmiedel von der SPD) aufhören dann wenden wir uns dem BGE zu. Denn die Frage, warum die eine illegale Baustelle schützen und die Zerstörung ermöglichen, tauscht immer wider auf und die Antwort weiß auch jeder : weil sie das Geld brauchen, weil sie um ihren Job fürchten. Darum schlagen sie zu wenn es heißt „haut drauf“
Aber es tut gut ein „oben bleiben, durchhalten“ zu hören obwohl um einen herum nur Polizisten stehen, wie ein Parkschützer im Parkschützerforum berichtet hat. Und man sieht auch an so manchem Polizeigesich,t auch wenn er nichts sagt, dass er am liebsten wo anders seinen Dienst tun würde...
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