„Klangfarben“
„Klangfarben“ ist der Titel eines kürzlich erschienenen Buches, in dem der 79jährige aus Varnsdorf (damals noch Warnsdorf) stammende Journalist und Schriftsteller Gerhard Riedel Erinnerungen an seine Kindheit im Schluckenauer Zipfel wieder aufleben lässt. Dabei handelt es sich um eine Auswahl von Erzählungen, Gedichten und sonstigen Texten, die einen Querschnitt aus 60 Jahren literarischen Schaffens des seit Kriegsende in Augsburg lebenden, noch immer aber der nordböhmischen Heimat verbundenen Autors darstellen.
Die Münchner Germanistin Susanne Habel formulierte es einmal so: „Die Heimat blieb immer in seinem Herzen erhalten. Sie findet sich bis heute auch immer in seinen Werken wieder.“ Anderseits sei es für Gerhard Riedel, der als knapp Dreizehnjähriger die Vertreibung der Sudetendeutschen miterleben musste, auch längst völlig selbstverständlich, sich in der „Schwabenmonopole“ heimisch zu fühlen. Auch das spiegelt sich im vorliegenden Band anhand mehrerer Geschichten deutlich wieder.
Die ständige Erinnerung an die Geburtsstadt, besonders die starke Bindung zum Großvater väterlicherseits, und das Leben heute prägen die beiden Seiten in Riedels schriftstellerischer Tätigkeit. Das entspricht folgerichtig auch der Gliederung der „Klangfarben“. So geht es im ersten Teil vorrangig um die direkten Erinnerungen an die Kindheit im nördlichsten Sudetenland, die Besuche auf dem „Wornsdurfer Schißn“ gemeinsam mit dem Großvater, den batteriebetriebenen Elektrisierapparat des Vaters und die Dampfmaschine im „Oberdorf“.
Wenn auch der zweite Teil erneut mit einer Erzählung über den , diesmal „anderen“ Warnsdorfer Großvater beginnt, so finden sich im weiteren doch vorrangig Texte, die Riedels Jugenderinnerungen nach der Ankunft in Augsburg beinhalten. Unter dem Titel „Persönliche Grenzöffnung“ folgen Gedichte, die im Jahre 2007 und danach entstanden. Den Abschluss bilden Anekdoten über den Verfasser, teilweise von ihm selbst wiedergegeben sowie ein Anhang mit biografischen daten und einer Übersicht seiner bisherigen Veröffentlichungen. Übrigens sind Riedels Erzählungen, Anekdoten und Gedichte längst nicht nur für die Vertreter seiner, ebenfalls aus dem Schluckenauer Zipfel stammenden Generation und deren Nachkommen interessant.
Immer öfter gehören sie in Augsburg und Umgebung auch zum Deutschunterricht. Das sei für ihn als Dichter ein besonders schönes „Geschenk“ bekennt er. So bringe er mit Gedichten wie dem „Abzählreim für Kinder von heute“ und Prosatexten wie der „Sagenkarawane“, einem Märchen für Erwachsene, als sudetendeutscher Autor auch jungen Lesern seine „alte“ und „neue“ Heimat näher. Und das hoffentlich noch recht lange. Übrigens hat er inzwischen längst die Arbeit am nächsten Band, der voraussichtlich „Sommerferien – Erinnerungen“ heißen wird, aufgenommen.
„Klangfarben“ * Gerhard Riedel
Niederlandverlag Johannes Liessel
ISBN-Nr.: 978-3-923947-42-3
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