Ingrid Seltmann: Berühmte Persönlichkeiten der Oberlausitz
Bereits zum zweiten Mal stellt die Zittauer Heimatforscherin Ingrid Seltmann in diesen Tagen 44 Oberlausitzer, die Wesentliches für die Entwicklung unserer Region geleistet haben, von denen aber einige inzwischen fast in Vergessenheit gerieten, ihren Lesern vor. Zwei Jahre nach der Premiere ihres ersten, im Oberlausitzer Verlag Frank Nürnberger erschienenen Buches "Berühmte Persönlichkeiten der Oberlausitz" erschien nun pünktlich zur Leipziger Buchmesse dessen zweiter Teil.
"Neu daran ist, dass ich erstmals auch zwei Frauen mit vorstelle", erzählt die 60jährige Autorin. "Das mag zwar wenig erscheinen, aber zu früheren Zeiten waren Wissenschaft, Politik und öffentliche Ämter eben ganz einfach eine Männerdomäne."
Zu den Ausnahmen gehöre für sie in erster Linie Erdmuthe Dorothea von Zinzendorf, die erste Gattin des Reichsgrafen Nikolaus von Zinzendorf. "Sie führten eine sehr stürmische, liebevolle Ehe, die vor allem von gegenseitiger Achtung geprägt war", sagt Ingrid Seltmann. Zinzendorf habe in Erdmuthe Dorothea eine absolut zuverlässige Partnerin gefunden, ohne die letztendlich auch viele Dinge in der Brüdergemeine nicht so gelaufen wären, wie er es sich vorgestellt hatte. Auch nach ihrem Tode vergaß er sie nie.
Die zweite dieser Ausnahmen ist die 1883 in Görlitz geborene Dr. Hildegard Burjan. Sie gilt als offizielle Gründerin der Sozialhilfe bzw. der "Caritas Socialis". Auf ihre Spuren war Ingrid Seltmann eigentlich erst während einer ihrer Fahrten als Reiseleiterin in Wien gestoßen. Dort hatte sich die 1909 zum katholischen Glauben übergetretene Jüdin mit ihrem ungarischen Ehemann Alexander angesiedelt.
Gerade in der Donau-Metropole begegnete sie täglich Reichtum und Luxus auf der einen, sowie Not und Elend auf der anderen Seite. Die Hoffnungslosigkeit der armen Wiener Bevölkerung war schließlich der Beginn ihres sozialen Wirkens. Als eine der wenigen Frauen ihrer Zeit war sie auch politisch tätig. Ihre Anfangsforderung "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" hat wohl auch noch heute kaum etwas an Aktualität eingebüßt. Übrigens brachte die Österreichische Bundespost im Jahre 1983 anlässlich ihres 50. Todestages eine Sonderbriefmarke heraus.
Natürlich dürfe man in unserem nun größer gewordenen Landkreis auch die Sorben nicht vergessen, räumt Ingrid Seltmann ein. Einer von ihnen war zweifellos Andreas Gärtner oder Handrij Zahrodnik aus dem heute zu Großdubrau gehörenden Dörfchen Quatiz. Er war der "Archimedes der Oberlausitz". Immerhin brachte es der gelernte Tischler nach vielen Stationen und Studien - vor allem in Italien - schließlich bis zum Hofmechaniker und Curfürstlich Sächsischen Modellmeister August des Starken. Für diesen schuf er im Jahre 1700 ein großes Uhrwerk, welches die Ortszeiten von 360 Punkten der Erde im Vergleich zu Dresden genau anzeigte. Diese "Weltzeituhr" ist noch heute im Mathematisch-Physikalischen Salon des Dresdener Zwingers zu bewundern.
Es würde sicher zu weit führen, wollte man an dieser Stelle auf weitere im Buch enthaltene Persönlichkeiten eingehen. Überhaupt ging es Ingrid Seltmann auch diesmal wieder nicht darum, umfassende Biografien zu verfassen, sondern den Interessenten Anstöße zu vermitteln, auf deren Grundlage sie sich mit der einen oder anderen historischen Persönlichkeit unserer Heimat näher beschäftigen könnten.
Die Fülle des von ihr gefundenen Materials zeige, dass die Oberlausitz in ihrer Geschichte über eine Unmenge von wahren Trägern der hiesigen Kulturlandschaft verfügte. Dieses Bewusstsein wieder zu stärken, sei für sie zu einer selbst gestellten Hauptaufgabe geworden. Und so ist es auch keineswegs verwunderlich, dass sie den dritten Band dieser Reihe schon längst in Angriff genommen hat.
Titel: Berühmte Persönlichkeiten der Oberlausitz (Band 2)
Autorin: Ingrid Seltmann
Herausgeber:
Oberlausitzer Verlag Frank Nürnberger Spitzkunnersdorf
ISBN: 978-3-941908-20-8
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