Rick Yancey - Der Monstrumologe
Will Henry ist 131 Jahre alt, als er in einem Altersheim stirbt. Und er hinterlässt Tagebücher, in denen er die Erlebnisse seiner Kindheit - und den Grund für sein langes Leben - schildert. Er schreibt, wie seine Eltern bei einem Brand ums Leben gekommen sind und er selbst Assistent des Monstrumologen Dr. Warthrop wird. Praktisch als Ersatz für seinen Vater, der diesen Job zuvor gemacht hatte.
Ein Job, der nicht ganz unschuldig am Tod der Eltern ist. Will Henry ist zwar erst elf Jahre alt. Das hindert den Doktor aber nicht daran, ihn überallhin mitzunehmen. Egal wie gefährlich der Einsatz gerade ist. Will Henry erlebt die Obduktion der seltsamsten Monster mit, bleibt nächtelang wach, um dem Monstrumologen zur Hand zu gehen, kocht zwischendurch noch ein bisschen was zum Essen, damit sie beide nicht völlig vom Fleisch fallen, kommt so gut wie nie zum Schlafen und hat vor allem immer einen Ruf im Ohr: "Will Henry, mach fix."
Dass er sich nach Liebe und Zuwendung, etwas Fürsorge und Nähe sehnt, erfährt man so ganz nebenbei. Warum ihm der fast fanatische Doktor das kaum geben kann auch. Und drumherum entspinnt sich eine Geschichte, in der das Blut und der Eiter nur so spritzen, die Maden aus den merkwürdigsten Dingen quellen, Menschen bei lebendigem Leibe zerrissen oder gleich im Ganzen gefressen werden und Will Henry irgendwie immer überlebt.
Autor Rick Yancey erzählt scheinbar eine Horror- oder Fantasygeschichte. Doch seine Phantasie muss man angesichts der deutlichen Beschreibungen von Eiter und Schleim kaum bemühen. Und der Horror beschränkt sich auf das Buch an sich. Der Schreibstil ist geradezu lähmend öde.
Da versucht jemand, den altmodischen Stil eines Jonathan Swift nachzuahmen, ohne ihn zu treffen und ohne auch nur ansatzweise eine Geschichte zu erzählen zu haben. Da geht ein Satz schon mal über mehrere Zeilen, ersetzt häufig das Semikolon den Punkt.
Und bei alldem bleiben die Akteure des Buches blass. Man entwickelt kaum eine Beziehung zu ihnen. Der fanatische und von seinem Vater ungeliebte Monstrumologe, der für dessen Sünden büßen muss bleibt fremd, fast unsympathisch. Will Henry ist sein perfekter Sidekick. Sein Gejammer über sein Los lässt unberührt. Sein Schicksal ebenso.
Die einzige Gefühlsregung, die beim Lesen dieses Buches regelmäßig wiederkehrt, ist der Ekel. Die teilweise widerlichen Beschreibungen sind ein Härtetest für jeden Magen.
Rick Yancey - Der Monstrumologe
Verlag: Lübbe
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