Görlitz 24. Jahrgang - 2005

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 8. Februar 2005

Verdacht: V-Männer bei Montagsdemos
Christopher Ray * 13. Januar 2005

Das NPD-Verbot ist in der Vergangenheit an dem ungeschickten Einsatz von V-Männern durch die Behörden der Bundesrepublik gescheitert. Die Angst, dass bei einem erneuten Versuch die "Rechten" zu verbieten ein ähnliches Resultat herauskäme, scheint nicht unbegründet.

Genau diese V-Leute und ihre Auftraggeber stehen nun unter Verdacht, im Osten der Republik die anhaltenden Montagsdemonstrationen gegen den Sozialabbau durch Hartz-IV zu unterwandern, um eine Ausbreitung des Protests zu verhindern.
weiter: http://www.faktuell.de/Rumors/montagsdemos.shtml


***

Pressespiegel zu Stoibers Sicht des Rechtsradikalismus


Mitteldeutsche Zeitung (Halle)
Wer das aktuelle politische Gezerre um Arbeitslosigkeit und Rechtsextremismus betrachtet, wird an das Strukturmuster des Puppenspiels erinnert. So geht es zu, wenn Kasper auf das Krokodil stößt. Da tanzt des Kaspers Klatsche, wird zurückgeschnappt und gleich noch fester zugeschlagen. Schließlich herrscht munteres Durcheinander.
Das Kasperletheater macht uns Spaß.
Die Politik so nicht. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit haben Regierung und Opposition sich in kürzester Zeit mit diesen Worten bedacht: perfide, unverantwortlich, abscheulich, den
Rechtsextremismus begünstigend, geschmacklos, hirnrissig, bösartig. So ist das, wenn die Demokraten einander beschimpfen. Es ändert sich nichts, doch die NPD lacht sich ins Fäustchen.

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Westfälischer Anzeiger (Hamm)

Edmund Stoiber darf sich ruhig einmal fragen, warum nach seiner Argumentation Wähler von den Ergebnissen der rot-grünen Bundesregierung so enttäuscht sind, dass sie plötzlich bei der NPD landen. Und nicht bei CDU und CSU...
Arbeitslosigkeit muss nicht bekämpft werden, weil sie der NPD nützt sondern weil viele Menschen, denen Parteitaktik völlig egal ist, darunter leiden.

***
Bild-Zeitung (Hamburg)

Kein Mensch der Neuzeit hat so viel von Frieden für alle und Brot für jeden gesprochen wie Adolf Hitler. Gebracht hat er Millionen den Tod. Sehr schwer zu verstehen, wenn es nun - mehr als 70 Jahre später - Deutsche gibt, die sich im Schatten des Todes wohlfühlen. Die Logik mit Phrasen verstopft, entschuldigen und verherrlichen sie die größten Politbetrüger und Politkriminellen deutscher Geschichte. Was macht man mit so viel Dummheit? Verbieten? Dummheit kann man nicht verbieten. Aber man kann sie, ihre Realitätsferne, ihre
Geschichtslosigkeit und Scharlatanerie ihrer Argumente verachten. Demokraten müssen Extremisten links und rechts liegen lassen. Wer sich stattdessen ihretwegen in die Wolle kriegt, ebnet ihnen den Weg. Diese Erkenntnis stammt von Hitlers treuestem Helfer, Joseph Goebbels.

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Pforzheimer Zeitung
Es gibt keine gesicherten Erkenntnisse darüber, dass Arbeitslosefür braune Parolen empfänglicher sind als Arbeitnehmer. Die Rechten legen ganz andere Köder aus: In einer immer komplexer werdenden Lebensrealität unterscheiden sie klar und einfach zwischen aus ihrer Sicht - Gut und Böse. Sie ermöglichen eine radikale Form des  Protests gegen ein System, in dem es immer weniger Gewinner gibt. Und sie machen sich den ständig wachsenden Leistungsdruck zu Nutze: Wer rechts denkt, kann sich nach ihrer Philosophie ganz leicht erheben über Ausländer, Homosexuelle oder sozial Schwache. Und ist plötzlich
wieder wer, wenigstens im Kopf. Hier liegt denn auch der einzige Funke Wahrheit in der Stoiberschen Dialektik: Dafür kann ein arbeitsloser Mensch ohne wirtschaftliche und soziale Perspektive empfänglich sein. Muss er aber nicht.


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Stuttgarter Nachrichten
Reden wir die NPD nicht groß, nur weil einige National-Chaoten in Sachsen mit einer plumpen Provokation auf sich aufmerksam machen konnten. Lassen wir aber auch nicht zu, dass der Streit um ihre Bekämpfung das demokratische Lager spaltet. Stoibers Hinweis auf die
Massenarbeitslosigkeit als eine wichtige Ursache für den NPD-Zulauf mag durchaus richtig sein. Sein Versuch, die Verantwortung allein der Bundesregierung zuzuschieben, aber ist es nicht. Da macht er es sich zu einfach.

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Südwest Presse (Ulm)
Auch im eigenen Lager steht Edmund Stoiber mit seiner Behauptung, das Versagen der rot-grünen Koalition im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit sei Schuld am Erstarken der NPD, ziemlich allein. Tatsächlich geht die monokausale Erklärung des CSU-Vorsitzenden für
die jüngsten Wahlerfolge der Rechten nicht nur in die Irre, sie ist auch gefährlich. Sie liefert nämlich allen, die eine in jeder Hinsicht unvernünftige Wahl getroffen haben, eine nachvollziehbare Rechtfertigung für ihre Entscheidung. So aber wird man diese radikalen Geister nicht wieder los. Der Kampf gegen Rechts ist ebenso eine gemeinsame Aufgabe aller demokratischen Parteien wie die Herausforderung, die fünf Millionen Arbeitslose an Wirtschaft und Politik stellen. Aus dieser Verantwortung kann sich keiner stehlen, auch nicht Edmund Stoiber. Fehler und Versäumnisse gehen nicht bloß auf das Konto von Gerhard Schröder, sondern auch auf das seines Vorgängers Helmut Kohl.


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Stuttgarter Nachrichten
Reden wir die NPD nicht groß, nur weil einige National-Chaoten in Sachsen mit einer plumpen Provokation auf sich aufmerksam machen konnten. Lassen wir aber auch nicht zu, dass der
Streit um ihre Bekämpfung das demokratische Lager spaltet. Stoibers Hinweis auf die Massenarbeitslosigkeit als eine wichtige Ursache für den NPD-Zulauf mag durchaus richtig sein. Sein Versuch, die Verantwortung allein der Bundesregierung zuzuschieben, aber ist es
nicht. Da macht er es sich zu einfach.

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Frankfurter Neue Presse
Wer von Hitler redet, muss von Stalin schweigen? Wer das Hakenkreuz verbietet, darf Hammer und Sichel nicht gleichzeitig untersagen? Das ist schon moralisch anfechtbar und juristisch als Maxime überhaupt nicht zu rechtfertigen. Man kann die NPD verbieten lassen, aber nur zu den strengen Bedingungen, die schon für die Kommunisten gegolten haben; und man kann die Aufmärsche der Neonazis untersagen lassen, aber nach den strikten Maßgaben, die auch für alle anderen gelten. Ein Sonderrecht gegen Rechts gibt das Grundgesetz nicht her; und wer es anstrebt, landet rasch im rechtsstaatlichen Zwielicht.

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Die Tagespost (Würzburg)
Es bleibt das ungute Gefühl, dass etliche Bürger irgendwann mit der aktuellen politischen Klasse brechen könnten. Im linken Spektrum hat sich vor kurzem die Wahlalternative gegründet. Und auf dem rechten politischen Flügel kann sich die NPD über die aktuelle
"Hilfe" aus Berlin und München nur freuen, ohne dafür selbst den Nachweis ihrer Wählbarkeit erbringen zu müssen. Es ist das Erscheinungsbild vor allem der Großparteien, das die NPD und andere rechtsradikale Parteien für manche unkritische Zeitgenossen zu einer vermeintlichen Alternative werden lässt. Mit diesem ihrem eigenen Erscheinungsbild sollten sich SPD und Union befassen, statt sich gegenseitig wegen der NPD zu zerfleischen.

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