Hochwasser: Komorowski war da – wo bleibt Merkel?
Nur selten schauen die Lausitzer mit Neid über die Grenze nach Polen. Doch nach dem August-Hochwasser haben sie jeden Grund dazu. Polens Präsident kam noch während der Katastrophe zu einem Blitzbesuch in das Hochwassergebiet.
Schon am 12. August beschloss der Sejm eine Soforthilfe für die polnische Seite von Niederschlesien. Jeder Betroffene kann 6.000 Zloty für sich und bis zu 100.000 Zloty für Renovierung oder Neubau der betroffenen Gebäude in Anspruch nehmen. Vier Tage hat Polens Parlament dazu gebraucht.
Erinnern wir uns daran, wie es auf „unserer Seite“ der Neiße aussieht. Die pro-Kopf-Hilfe für die betroffenen Görlitzer liegt bei 216 Euro pro Person. Das sind gerade einmal 860 Zloty.
Und das Interesse? Von Frau Merkel ist nichts zu sehen, von der Bundesregierung kein Zeichen, keine Hilfe. Obwohl dort aus 2002 noch rund 500 Millionen aus dem Fluthilfe-Pool liegen sollten. Der Bundesanteil am nicht verbrauchten Überhang von 2002.
Der Görlitzer Oberbürgermeister Joachim Paulick hat die Kanzlerin angeschrieben und sie um einen Besuch gebeten, damit sie sich selbst ein Bild macht. Gleichzeitig hinterfragt Paulick, ob Merkel die Freigabe der Bundesmittel aus 2002 für die Region überprüfen kann. Die Antwort steht aus.
Sachsens Ministerpräsident Tillich hat offenbar wichtigere Dinge zu tun, als sich mit OB Paulick an einen Tisch zu setzen, um die Situation für die Betroffenen zu klären. Bis gestern konnte der OB keine Terminzusage erhalten. Aber er versucht es weiter. Auch als Interessenvertreter seiner Kollegen, mit denen Paulick eng zusammenarbeitet.
Die Zwischenbilanz der mittlerweile bekannten Schäden im Bereich der Stadt Görlitz ist beängstigend, wenn man sie in ein Verhältnis zu der aktuellen Landes-Hochwasserhilfe setzt. Die aktuellen Schätzungen, nach bekannter Schadenslage, belaufen sich alleine für Görlitz auf rund 45 Millionen Euro.
Klare Worte finden auch die Unternehmen in der betroffenen Region. Hier Thomas Hempel von der Hirschfelder Greifer- und Stahlbau: "Nach gut einer Woche haben wir die gröbsten Aufräumarbeiten geschafft. Wir sind dabei, unsere Anlagen wieder in Betrieb zu setzen, dank der Hilfe von vielen Mitarbeitern, Partnerbetrieben und Helfern von THW und Feuerwehr. Ab nächste Woche können wir unsere Kunden wieder fast wie gewohnt beliefern."

Kooperationspartner halfen zum Beispiel übergangsweise mit Schweißgeräten aus, die FIT GmbH stellte ihre Telefonleitungen zur Verfügung. Wichtige Anlagen wie die Brennschneidanlage und Krane sind jetzt wieder in Betrieb. Die HGS GmbH ist damit wieder arbeitsfähig. Die Auftragslage ist gut und der Maschinenbau verzeichnet insgesamt ein positives Klima.
Auf den Kosten der Flut bleibt die Firma jedoch weitgehend sitzen. Der Produktionsausfall kann über Kurzarbeit abgemildert werden, aber die beschädigten Maschinen müssen aus eigener Kraft ersetzt oder repariert werden. Und Hempel erinnert: Hirschfelde wurde vor dem Neißehochwasser nicht gewarnt und eigene Schutzmaßnahmen waren für Firmen und Bewohner nicht mehr möglich. Die Produktionsanlagen, Lager und Büro der HGS GmbH wurden am 07.08.2010 überflutet.
Geschäftsführer Günter Hempel: "Leider hat sich von offizieller Seite bisher niemand zu direkten Hilfen für die Flutopfer geäußert. Eine unbürokratische und direkte Zuwendung wäre die einzige Möglichkeit, mittelständischen Betrieben wirklich zu helfen. Die meisten Betriebe verkraften keinen weiteren Kredit, das ist keine Hilfe. Nicht alle werden sich wie wir durch Selbsthilfe aufrappeln. Die vom Land beschlossenen Programme greifen viel zu kurz."
Sie dürfen jetzt weitermachen.
Ihr
Christopher Ray
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Kommentare
Man kommt aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus, wenn man sich diesen Staat betrachtet.
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