
Zu den traditionellen Höhepunkten im Sommerangebot auf der unweit der Grenzstadt Hrádek nad Nisou (Grottau) gelegenen Burg Grabštejn (Grafenstein) gehören seit vielen Jahren die Benefizkonzerte zur Rettung dieses Nationalen Kulturdenkmals. Die größten Verdienste erwarb sich dabei der Solist der Oper des Prager Nationaltheaters Ludek Vele. Dieser trotz seiner vielen Berufsjahre in der Hauptstadt noch immer eingefleischte Lokalpatriot bringt nun bereits zum 20. Mal seine Kolleginnen und Kollegen dazu, auf dem unteren Burghof völlig uneigennützig hier hervorragendes Können in den Dienst dieser guten Sache zu stellen.
Herr Vele, nach den szenischen Ausführungen der Opern „Don Giovanni“, „Der Jakobiner“, „Katharina und der Teufel“, „Das schlaue Füchslein“, „Die verkauften Braut“ und „Figaros Hochzeit“ steht diesmal Smetanas „Libuše“ auf dem Programm. Was ist das Besondere daran?
Wie immer waren meine Freunde von Anfang an zur Mitwirkung bereit. Das gilt umso mehr, da es sich ja um eine sogenannte „Festoper“ handelt, die zum Beispiel bei uns am Nationaltheater traditionell immer am 8. Mai, also unserem Nationalfeiertag, aufgeführt wird. Es ist aber für Nichttschechen nicht ganz einfach, sich in die Handlung hinein zu versetzen, zumal unsere szenische Aufführung natürlich auch in Originalsprache ist. Man sollte sich deshalb vielleicht schon im Vorfeld mit der Handlung vertraut machen. Unter den Mitgliedern des Ensembles möchte ich besonders die weltbekannte Sopranistin Eva Urbanová hervorheben. Sie hat die Titelrolle übernommen. Neu ist, dass die Klavierbegleitung diesmal nicht nur allen vom langjährigen Dirigenten der Oper des Nationaltheaters übernommen wird, sondern ihm zur Seite steht noch der Pianist der Tschechischen Philharmonie Jaroslav Šaron.
Wie beurteilen Sie die Resonanz Ihrer Bemühungen um Grabštejn (Grafenstein), die ja mit der Rettung der Kapelle der Heiligen St.Barbara begann, in der Öffentlichkeit?
Zuerst einmal möchte ich in diesem Zusammenhang den tschechischen und regionalen deutschen Medien dafür danken, dass sie maßgeblich zur öffentlichen Verbreitung unserer Bemühungen beigetragen haben. So ist es eine ganz erfreuliche Tatsache für uns, dass sich unter den jeweils etwa 800 bis 1.000 Besuchern unserer bisherigen 19. Konzerte von Jahr zu Jahr mehr Opernfreunde aus der Oberlausitz befanden. Aber natürlich gibt es auch immer schon vorher gute Wünsche und Grußworte der Künstler aus unserem Land. Dazu gehörten in der Vergangenheit Präsident Vaclav Havel, Filmregisseur Miloš Forman, Kulturminister Pavel Dostál und nun sogar Karel Gott, dessen Grußwort am Anfang unseres Programmheftes zu finden ist.

Die Veranstaltung selbst beginnt am 18. August, 17 Uhr, aber bereits eine Stunde zuvor öffnet in der Galerie der Heiligen Barbara im Nordflügel des Schlosses die repräsentative Ausstellung mit Werken des Prager Malers Jaroslav Šerých. Es ist zur schönen Tradition geworden, dass der jeweilige Künstler immer eines der ausgestellten Werke als Dauerleihgabe auf Grabštejn zurücklässt. Diesmal ist es das Bild „Smavá vize“ (Mehr lachen).
Welche Ergebnisse brachten die bisherigen 19 Konzerte?
Insgesamt wurden bisher etwa 14.000 Besucher gezählt. Die Konzerte brachten einen Reinerlös von rund vier Millionen Kronen. Diese wurden zu hundert Prozent in die Restaurierung der Gebäude investiert. So gelang es erst im vergangenen Jahr, die Beleuchtung in der Kapelle der Heiligen Barbara zu installieren. Nun folgte die Galerie. Diese Perle der alten Burg war der eigentliche Ausgangspunkt unserer Rettungsmaßnahmen. Man hat mich inzwischen gefragt, ob wir nach 20 Jahren nicht aufhören wollen, aber die Resonanz ist so groß, dass wir wohl weiter machen werden. Außerdem sind wir alle nach wie vor mit Liebe dabei.
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