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Im Test: E-Zigarette

Tag des Bergmanns  FAKTuellFoto Rolf Hill
Darauf hab ich schon eine ganze Weile gewartet“, erklärt Hans Müller. Gerade erklimmt der 61jährige Zittauer mit seiner Frau Helga den Führerstand der E-Lok Nr. 4-98 vom Typ EL-3. Oben angekommen, zeigt sich das „Kind im Manne“, denn als erstes betätigt er das Signalhorn. „Ich fühle mich hier oben noch immer wie zu Hause“, bekennt er. Kein Wunder, hat er doch nach seiner Umschulung zum Stellwerksarbeiter und späteren Triebfahrzeugführer seit 1986 genau so ein Monstrum durch die Olberdorfer Grube kutschiert. Vier Jahre später verschlug es ihn dann allerdings in den Bereich Vorkippe des Tagebaus Hagenwerder.

Tag des Bergmanns  FAKTuellFoto Rolf Hill
Müllers sind hier am Sonntagvormittag auf der Ausstellungsfläche gegenüber dem Hotel „Haus am See“ in guter Gesellschaft. Denn die Anzahl derer, welche der Einladung der Arbeitsgruppe Grubenbahn in der Interessengemeinschaft Zittauer Schmalspurbahn zum alljährlichen „Tag des Bergmanns“ gefolgt sind ist groß. Natürlich ist naheliegend, dass es sich sowohl bei den Besuchern als auch bei den Vereinsmitgliedern vorwiegend um Leute handelt, deren eigenes Leben oder das eines Verwandten eng mit dem Bergbau im Olbersdorfer Revier verknüpft ist. Das trifft auch auf Matthias Klose zu.

„Ich habe 1971 auf dem Bagger angefangen“, erzählt der 60jährige aus Zittau. „Wir waren drei Mann Besatzung, da musste man sich natürlich erst hocharbeiten.“ Das tat er konsequent, besuchte Lehrgänge, legte Prüfungen ab, die ihm im Nachhinein gar nicht allzu schwer erschienen, und schaute sich überall wissbegierig um. Als er von der „Fahne“ zurückkam, durfte er dann schließlich selbst so ein stählernes Ungetüm steuern. Bis auf den Absetzer und zwei, drei andere Typen hat er alles gefahren, was es in der Olbersdorfer Grube an Baggern gab.

Natürlich seien das im Vergleich zu Tagebauen wie im benachbarten Turów (Türchau) jenseits der Neiße oder denen in der Niederlausitz recht kleine Geräte gewesen, räumt er ein. Wie für alle anderen war es auch für ihn erst einmal ein harter Schlag, als 1996 das „Aus“ kam. Doch noch heute denkt er immer wieder gern zurück. „Einmal Bergmann – immer Bergmann!“ – das gelte natürlich auch für ihn. Weil er unter Gleichgesinnten sein wollte, schloss er sich vor etwa zwölf Jahren der AG Grubenbahn an. Im Interessenverband der Zittauer Schmalspurbahnen war er bereits vorher aktiv gewesen.

Tag des Bergmanns  FAKTuellFoto Rolf Hill
Zur großen Freude der jüngsten Besucher ist inzwischen die eigentlich unter Tage eingesetzte Akkulok vom Typ B 360 mit ihrer durch die Mitglieder der AG 2004 in Eigenleistung gebauten Personenlore startklar, um die Knirpse gemeinsam mit Mutti und Vati ein paar Runden durch das gepflegte Ausstellungsgelände zu kutschieren.

Denen würde es bestimmt noch mehr Spaß machen, wenn man auf der Wiese in der Mitte der weiträumigen Schleife, die jetzt befahren wird, einen der kleineren Bagger aufstellen könnte. Aber da sei eben leider mit der Schließung der Grube zu vieles verloren gegangen. Keine rechnete wohl damals damit, dass heute ein Verein wieder Interesse an den alten Maschinen, Fahrzeugen und sonstigen Geräten haben könnte. „Wir hatten insgesamt zwölf solcher E-Loks, die von 1975 bis 1995 hier im Einsatz waren“, führt er als Beispiel an. „Alle wurden zur Verschrottung abgegeben.“ Das heute hier zu besichtigende Exemplar der gleichen Baureihe stammt aus dem Senftenberger Revier und wurde 2000 hergeholt. Vorher standen hier während der Gartenschau eine Dampflok und ein Personenwagen.

Während am Werkstattwagen, zwischen E-Lok EL 3, der aus dem Jahre 1973 stammenden Diesellok vom Typ V 10 C und im Bierzelt noch gefachsimpelt wird, hat für interessierte Besucher eine Führung begonnen. Viele nicht jedem bekannte Details sind dabei zu erfahren – sicher nur ein Bruchteil dessen, was man hier an Ort und Stelle über die Geschichte des Bergbaus in der Region hätte sagen können. In mühevoller Kleinarbeit haben die Mitglieder der AG wichtige Zeitzeugen retten und an den einzelnen Stationen des Rundgangs wieder aufstellen können. Dabei wollen sie neben der reinen Information auch das weitverbreitete negative Image des Oberlausitzer Bergbaus, auch hier im Olbersdorfer Revier, etwas aufhellen.

Tag des Bergmanns  FAKTuellFoto Rolf Hill
Entscheidender Anlass für das Entstehen des heutigen Ausstellungsgeländes war wohl die zweite Sächsische Landesgartenschau 1999, die ja bekanntlich unter dem Motto „Landschaft nach dem Bergbau“ stand. Unmittelbar nach deren Ende gründeten zwei ehemalige Bergleute die damalige AG „Grubenbahn EL 3“.

Die seinen damals wohl ein bisschen verrückt gewesen, mit ihren vielen guten Ideen, aber ohne Geld, sagt man heute. Doch hier bewahrheitete sich ein weiteres Mal, dass fester Wille und unerschütterlicher Glaube Berge versetzen können. Gegenwärtig schwankt die Anzahl der Mitglieder zwischen zehn und 15. Sie vertreten die unterschiedlichsten Bereiche des ehemaligen Tagebaus – vom Heizer, Schlossermeister, Dispatcher, Baggerfahrer, Lokführer, Bergbauingenieur bis hin zum letzten Tagebauleiter. Sie verbindet der Spaß an der Sache, der Bergmannsberuf und der Wille, etwas für die Nachwelt sowie den Tourismus in der Region geleistet zu haben. Immer wieder finden sie sich zu Einsätzen zusammen, die man aber nur sehr schwer über einen längeren Zeitraum planen könne, da diese meist sehr witterungsabhängig sind. Und noch etwas macht ihnen zunehmend Sorgen – der Vandalismus. Fahrzeuge werden mit unschönen Graffiti besprüht, an der Diesellok wurden Fensterscheiben beschädigt, und Kabeldiebe waren auch schon mehrfach aktiv.

Trotz allem geben die Mitglieder der AG Grubenbahn nicht auf. Und die Besucher am Sonntag bestätigen ihnen erneut: Was sie bis heute erreichten, kann sich durchaus schon sehen lassen. Doch sie haben sich noch viel vorgenommen. Na dann, „Glück auf!“

 

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