
„Was ist denn das für ein Monster?“, staunte jemand am Sonnabendnachmittag, als da ein Gefährt der Superlative auf den Niedercunnersdorfer Festplatz gerollt kam. Zum ersten Mal bei einem Trucker- & Countrytreffen in der kleinen Gemeinde des Altkreises Löbau-Zittau dabei war nun das Team des Cottbuser Lackierermeisters Peter Niedergesäß und seines Sohnes Markus. Längst sind beide mit ihrem Scania 4x4, Hubraum 16 Liter und satten 710 PS, für Insider der Trail- und Rallye-Szene ein Begriff geworden.

Man stelle sich einmal bildlich vor, dass dieser extrem geländegängige und mit kompletter Offroad-Ausrüstung versehene Riese, dazu in der Lage ist, seine 9,6 Tonnen Eigengewicht mit 153 Stundenkilometern durch die Gegend zu bewegen. Wahnsinn! Natürlich hatten beide sofort unzählige Gesprächspartner. Kein Wunder, denn sie hatten ja auch viel zu erzählen. Von ihren Erfolgen vor allem – 1. Platz bei der Rallye Dresden-Breslau 2008, 2. Platz bei der Baja Saxonia im gleichen Jahr und 2009, 2. Platz bei der Afrika-Ralley El-Chott 2006 und vieles mehr.

Weniger aufregend, aber durch den täglichen harten Arbeitskampf geprägt waren die Gespräche der etwas 50 angereisten Berufs-Trucker, die ihre stolzen blitzblank geputzten Fahrzeuge sauber in Reihe und Glied auf der Wiese abgestellt hatten. „Ich glaube so viele waren es noch nie“, vermutete Gerd Seidel. Der 59jährige gehört zu den Gründungsmitgliedern des seit 1995 bestehenden Niedercunnersdorfer Trucker- & und Countryclubs und übernahm vor vier Jahren das „Lenkrad“ als dessen Vorsitzender. Immer an seiner Seite die ein Jahr jüngere Ehefrau Carola.
Unter den 21 Clubmitgliedern im Alter von 18 bis 59 Jahren sind übrigens inzwischen nur noch fünf beruflich „On the road“. Beide Seidels gehören dazu. Während Gerd seit 40 Jahren mit seinem MAN auf Deutschlands Straßen unterwegs ist, machte Carola 1997 ihren Abschluss als Berufskraftfahrer und fährt nun einen Mercedes.

Natürlich wird während eines solchen Wochenendes nicht nur über Trucker- und Countrymentalität philosophiert. Man trifft sich hier in der Oberlausitz auch, um einmal abschalten zu können. So hatten auch diesmal wieder einige Teilnehmer nicht nur ihren Truck mitgebracht, sondern waren gleich mit Kind und Kegel angereist. Für Unterhaltung und Gaudi par excellence sorgte natürlich einmal mehr das dereinst auf Initiative von Gisela Wanie gegründete clubeigene Laienkabarett „Die Stoßstange“.
Diesmal wurde zum größtem Vergnügen des Publikums das Märchen für Erwachsene „Von einem, der (sich) auszog, um (die anderen) das Gruseln zu lehren“ aufgeführt. Begonnen hatte alles während des fünften Treffens mit Giselas Idee, zur Auflockerung mal was ganz anderes zu machen. So wurde auch die Gruppe ABBA parodiert. Das Publikum tobte, das gab Mut zum Weitermachen und zum Ausbau.
Dem Märchen vom „Rotkäppchen“ – natürlich ebenfalls eine einer nur für Erwachsene geeigneten Variante – folgten eigene mit Musik unterlegte Geschichten. Heute stehen Gisela Wanie je nach Bedarf stets etwa zehn Clubmitglieder zur Verfügung. Das jüngste davon ist die sechs Monate alte Charlotta.

Aber nicht nur vom Programm her mit Live-Musik und Konserve, Kinderbelustigung, der tollen Abendveranstaltung, Truckergottesdienst am Morgen im Zelt und natürlich der großen Ausfahrt, die diesmal auch an der Landesgartenschau in Löbau vorüber führte, war für jeden was dabei, das bezog sich auch auf das leibliche Wohl. Schwein am Spieß, Deftiges vom Grill und aus der Gulaschkanone Limo, Fruchtsäfte und Bier, Eis vom Bauernhof – allesamt von Herstellern aus der Region – keine Wünsche blieben offen.
„Natürlich geht es da mitunter auch mal etwas lauter zu“, räumte Gerd Seidel ein. Deshalb habe man sich von Anfang an die Toleranz und Unterstützung der Niedercunnersdorfer gewünscht. Sein Fazit: „Wir wurden in den 18 Jahren noch nie enttäuscht.“
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