Ein bleibendes, für Zittau bisher einmaliges Erlebnis versprach Brandinspektor Jörg Finger, der stellvertretende Leiters der Feuerwehr Zittau, am Sonnabendmittag. Die Rede war vom Großen Sächsischen Zapfenstreich, der am Abend auf dem Markt das Festwochenende anlässlich des 150jährigen Jubiläums feierlich beenden würde. Er sollte am Ende Recht behalten. Doch dazu später mehr. Bereits seit dem Morgen hatten die Kameradinnen und Kameraden Tür und Tor weit geöffnet, damit sich jedermann im Depot und den anderen Räumen der Feuermeldealarmzentrale umsehen konnte. So trafen dann auch wenig später die ersten Neugierigen ein. 
Bestaunt wurde natürlich zuerst einmal die entlang der Franz-Könitzer-Straße abgestellte Einsatztechnik. Aber auch die Ausstellung zur Zittauer Feuerwehr-Geschichte unter dem Motto: "Gott zur Ehr´ - dem nächsten zur Wehr" sowie die Sammlung internationaler Feuerwehrhelme des Kameraden Augustin fanden reges Interesse. Überall fand sich jemand, der den großen und kleinen Besuchern geduldig Rede und Antwort auf alle Fragen stand.

Nach dem Mittag ging es dann laut Protokoll weiter. Brandinspektor Lothar Reichbodt, der Leiter der Zittauer Wehr, sowie sein Stellvertreter Jörg Finger, gleichzeitig Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes Löbau-Zittau, Oberbrandmeister Hagen Klausch, Leiter der Abteilung 1 - Innenstadt - sowie Oberbürgermeister Arnd Voigt nahmen die offiziellen Glückwünsche der Partner aus Villingen-Schwenningen, Hrádek nad Nisou (Grottau), Hodkovice nad Mohelkou (Liebenau) und Kopaczów (Oberullersdorf) sowie der befreundeten Wehren des Landkreises entgegen. Dabei präsentierten Lothar Reichbodt und seine engsten Mitstreiter natürlich auch, nicht ohne Stolz, die erst am Abend zuvor während Festsitzung im Bürgersaal des Rathauses durch das Stadtoberhaupt erstmalig verliehene Traditionsfahne mit der Aufschrift: "Helfen in Not ist unser Gebot". 
Inzwischen hatten sich bereits zahlreiche Schaulustige zwischen Salzhaus und Ludwigstraße eingefunden. Unter ihnen auch der 73jährige Olbersdorfer Friedrich Hänisch. 1958 war er als "junger Spund" Mitglied der Freiwillige Feuerwehr seiner Heimatgemeinde geworden, hatte viele Jahre an deren Spitze gestanden, sich stets dem Nachwuchs gewidmet und über die ganze Zeit unzählige Dinge gesammelt, die irgendwie etwas mit der Feuerwehr zu tun hatten. Er blieb dem Heiligen St. Florian bis heute als Leiter der Alters- und Ehrenabteilung treu.
Dort, wo dereinst das Albertkino stand und sich irgendwann das innerstädtische Einkaufscenter präsentieren soll, demonstrierten die Kameraden an sechs Stationen in der Praxis das "Feuerlöschwesen im Wandel der Zeiten". Da kamen sowohl, wie um 1600 üblich, der Ledereimer und Holzbottig zum Einsatz, als auch die zur Gründung der Zittauer Wehr gebräuchliche Handdruckspritze.

Es folgten die Gäste aus Jablonec nad Nisou (Gablonz) mit dem ersten echten Feuerwehrauto, einem Praga L, Baujahr 1918, die Niederoderwitzer mit ihrem um 1950 in Zittau gebauten Garant K 30 als damaliges Standartlöschfahrzeug, das in der DDR seit den 80er Jahren dominierende Löschfahrzeug W 50 TLF 16 bis hin zur heutigen Zeit, eindrucksvoll verdeutlicht durch einen Schnellangriff mit dem Löschfahrzeug LF 10/6 und dem Tanklöschfahrzeug TLF 20/40 - beide auf Mercedes-Basis. Während für die Akteure hier Action angesagt war, nutzte Lothar Reichbodt die willkommene Gelegenheit, um ganz in Familie mit Schwiegersohn Mike und Enkel Felix das Geschehen in Ruhe zu verfolgen. Der dreijährige sei ein ganz gewieftes Kerlchen, schmunzelte er. Der werde bestimmt später mal ein tüchtiger Feuerwehrmann.
"Die erste große gemeinsame Aktion war eigentlich die Einsatzübung 1990 an der Bitumenmischanlage in Hartau", erinnerte sich Helmut ?ehá?ek. "Bis dahin hatten wir zwar schon Kontakte nach Zittau, aber die Grenzen waren ja noch zu." Eigentlich galt das auch damals noch. Trotzdem war er als Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Hrádek nad Nisou (Grottau), die übrigens am 15. Mai 1870 gegründet wurde, von der Idee der deutschen Kameraden um Lothar Reichbodt und Jörg Finger begeistert. Man sprach mit den jeweiligen Grenzorganen, und so war es tatsächlich möglich, dass an jenem Spätnachmittag nur wenige Minuten nach der Alarmierung der schwere Tatra-Löschzug über den Fußgängerübergang in Richtung Hartau brauste. Ausnahmsweise, denn noch immer fehlte dazu jegliche gesetzliche Grundlage. Die folgte ein Jahr später in Form eines Löschhilfevertrages. Auch das ein Novum, zumindest was die Partnerschaft über die Grenzen der EU hinweg anging. Seit seinem 60. Geburtstag im Jahre 2004 ist Helmut nicht mehr "erster Mann an der Spritze", steht aber seinem Nachfolger Jaromir Mottl, dem 19. Kommandanten in Hrádek nad Nisou (Grottau), als Stellvertreter auch weiter mit Rat und Tat zur Seite.
Einen Traditionswimpel gab es übrigens auch für die 40-köpfige Jugendfeuerwehr. Standesgemäß wie bei den "Großen" wurde er nach den Löschvorführungen einer Abordnung durch Wehrleiter und Oberbürgermeister übergeben.
Über 600 Zuschauer hatten sich am Abend rechtzeitig auf dem Marktplatz eingefunden, um den als Höhepunkt avisierten Großen Zapfenstreich miterleben zu können. Das Zeremoniell begann, als Lothar Reichbodt das Kommando zum Einmarsch der Fackelträger und des Fahnenkommandos gab. In einem Sternmarsch folgten die Musikzüge der Abteilung Eichgraben sowie der Freiwilligen Feuerwehren Berthelsdorf und Obercunnersdorf.

Mit dem Landjägermarsch von Joseph Rixner eröffnete das vereinigte Feuerwehrblasorchester Wilsdruff und Blasorchester der Feuerwehr Dresden BO 112 die abendliche Serenade bekannter sächsischer Märsche. Dann ertönte der das glasklare Trompetensignal des eigentlichen Zapfenstreichs gefolgt vom Abendlied des Komponisten Oberst Dr. Michael Schramm. Beendet wurde der feierliche Akt mit dem Intonieren der Nationalhymne. Während Fackelträger und Musikzüge unter den Klängen des "Oberlausitzliedes" abmarschierten, bedankten sich die Zittauer und alle Gäste des Abends für dieses imposante Schauspiel.
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