Mittelherwigsdorf700jahrfeierA29052012FAKTuellFoto Rolf Hill
Der kreischende Gesang einer Kettensäge war das erste, was man am Sonntagmittag nahe des Mittelherwigsdorfer Festplatzes hörte. Wie passte dieser Lärm zum Festgeschehen des 700jährigen Ortsjubiläums? Des Rätsels Lösung war schnell gefunden, wenn man sich das Ganze mal aus der Nähe betrachtete. Die Aufmerksamkeit derer, die sich bereits hier am Endpunkt des schon lange erwarteten großen Festumzuges eingefunden hatten, erregte ein Mann in Schutzkleidung, der verbissen mit der Kettensäge das bearbeitete, was noch tags zuvor der Stamm einer stattlichen Esche gewesen war – „Holzwurm“ Mario Hennig. „Wird das der Bürgermeister“, fragten manche scherzhaft?

Der 38jährige Eibauer klärte sie auf. Er schuf im Auftrag des Bürgermeisters das mannshohe Abbild der Figur, die sich auf dem Dach des Gemeindeamtes befindet. Seit er 2004 beim Urlaub in den polnischen Masuren zum ersten Mal derartigen, teilweise wirklich gewaltigen Holzfiguren begegnete, ließ auch ihn dieses aus den USA und Canada kommende Hobby des „Chainsaw Carving“ nicht mehr los. Näheres darüber dürfte garantiert vom 8. bis 10. Juni beim Schausägen mit internationaler Beteiligung im Garten des Zittauer Wirtshauses „Zur Weinau“ zu sehen sein.

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Petrus meinte es indessen gut mit den Mittelherwigsdorfern und ihren Gästen an diesem Wochenende. Das passte so recht zu ihrem nicht alltäglichen Jubiläum. Was hätte also bei diesem herrlichen Wetter besser gepasst, als die Pfingsttage? Es war sicher das Jahre 1312, in dem das 7,3 Kilometer lange ursprüngliche Waldhufendorf entlang der Mandau zum ersten Mal urkundlich Erwähnung fand. Doch dürfte die erste wirkliche menschliche Ansiedlung hier im Oderwitzer Becken vermutlich weitaus länger zurück liegen.

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Es gab von Freitag bis Montag eine Fülle von einzelnen Höhepunkten für Jung und Alt, doch der besondere Knaller war wohl für alle eben dieser große Festumzug am Sonntagnachmittag. Nahezu alle Vereine und Verbände des Ortes hatten sich intensiv und liebevoll darauf vorbereitet. Von der Abzweigung Richtung Sandbüschel über die Straße der Pioniere, vorbei an Feuerwehrdepot und Gemeindeamt bis hierher zur Festwiese sollte er sich bewegen. Und inzwischen kündigten tatsächlich die Kontrollfahrten des ABV-ers (Abschnittsbevollmächtigten der Deutschen Volkspolizei) auf seiner grünen MZ RT 125 das Nahen des Festzuges an. Begleitet von den flotten Klängen der „Löbauer Bergmusikaten“ rollte an der Spitze standesgemäß die Kutsche der Mittelherwigsdorfer Bürgermeister seit der Wende. Roland Möller, Gerd Kamionka, der erst kürzlich verabschiedete langjährige Amtsinhaber Bernd Rößner und sein Nachfolger Markus Hallmann strahlten mit der Sonne um die Wette und winkten der begeisterten Masse am Straßenrand fröhlich zu. Dann ging es Schlag auf Schlag.

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In etwa 30 Bildern ließen die Akteure noch einmal wichtige Szenen aus der Historie der Gemeinde für kurze Zeit aufleben. Egal ob die erste Besiedlung, die vermutlich weit länger als 700 Jahre zurückliegt, die Pest in den Jahren 1591 bis 1609, das Schulwesen im Laufe der Jahrhunderte, die Entwicklung von Landwirtschaft, Gartenbau, Handel und Gewerbe – alles bekam verdienten Beifall zur Zuschauer. Natürlich galt das auch noch einmal für das Abschlussbild. Hier wurde nach einmal in etwas größerem Rahmen der Werdegang der Freiwilligen Feuerwehr von der Handdruckspritze bis hin zur heutigen, aus den verschiedenen Ortswehren  bestehenden und aufgrund der neuen Technik durchaus schlagkräftigen Einsatztruppe dargestellt.

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Dann fand sich alles hungrig und vor allem durstig auf der schnell mit fröhlichen Menschen überfüllten Festwiese ein. Egal ob Apua-Zorbing, Karussellfahrten, Bierkastenklettern und weitere Belustigungen, Losbude, Würstelstand, Kaffee und Kuchen oder lieber ein „kühles Blondes“ – es war für jeden etwas dabei, wenn es auch aufgrund der hohen Besucherzahlen manchmal etwas länger dauerte, bis man zum Zuge kam. Die Akteure und Organisatoren des großen Festes konnten am Ende durchaus zufrieden sein. Na dann, auf ein Neues!

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