„Das ist für uns ein historischer Tag“, verkündete Ortswehrleiter Norbert Riehle am Sonnabendnachmittag seinen Kameraden und den zahlreich erschienenen Gästen, nachdem die Berthelsdorfer Feuerwehrkapelle allen einen ersten musikalischen Gruß dargebracht hatte. „Zum ersten Mal in ihrer 89jährigen Geschichte erhält unserer Wehr heute ein fabrikneues Einsatzfahrzeug.“ Feuerwehr  Foto Rolf Hill
Natürlich war das für alle ein echter Grund zur Freude, zumal dem ein harter Kampf voraus gegangen war. Zum einen war da der Wunsch der Rennersdorfer Feuerwehrleute nach einer endlich spürbaren Verbesserung ihrer Einsatzbedingungen. Auf der anderen Seite aber standen, trotz allen Verständnisses der Berthelsdorfer Gemeinderäte die Sparzwänge im dortigen Finanzhaushalt. Hinzu kamen auch noch die Festlegungen des Brandschutzbedarfsplanes seitens des Landkreises. All das unter einen Hut zu bekommen und schließlich erfolgreich zu beenden, das war schon eine tolle Leistung aller Beteiligten.

Nun stand er also gewissermaßen für jeden sichtbar blitzblank geputzt vor der Front – der neue Einsatzwagen TSF-W. Das Basisfahrzug stammt von VW mit einer Motorleistung von 160 PS. Es bietet Platz für eine Staffel von sechs Feuerwehrleuten, hat aber die komplette Ausrüstung für neun, also eine Gruppe, an Bord. Bis zu 600 Liter Wasser werden zum Einsatzort mitgeführt. Zur weiteren Ausrüstung gehören, Notstromaggregat, Beleuchtungssätze und ein Lüftungssystem zum Absaugen von Rauch aus Räumen. Den gesamten Aus- und Aufbau erledigte in bewährter Manier die Firma Ziegler in ihrem Werk in Rendsburg. Es ist übrigens erst das fünfte motorisierte Gefährt der Ortswehr Rennersdorf.
Feuerwehr  Foto Rolf Hill
Brandmeister Riehle, seit rund zehn Jahren erster Mann an der Spritze,   erinnerte daran, dass man sich zuvor 14 Jahre lang mit Pferdefuhrwerken behalf. Erst 1937 kaufte  die Gemeinde einen privaten Horch, der zum Einsatzfahrzeug umgebaut wurde. Letzter Vorgänger des „Neuen“ war ein kampferprobter LO, den man vor 24 Jahren aus Ebersbach bekam. Da hatte er aber den dortigen Kameraden bereits 18 Jahre treue Dienste geleistet. Einen detaillierten Einblick über diese Entwicklung gab Rihles Vater und Amtsvorgänger, der 84jährige Brandinspektor Werner Riehle, der noch heute der Alters- und Ehrenabteilung angehört. Nachdem die Berthelsdorfer Bürgermeisterin Janet Jähne sowie Oberbrandinspektor Christian Kümpfel als Stellvertreter des Kreisbrandmeisters ihre Grußworte dargebracht hatten, erteilte auch Pfarrer Alexander Wieckowski dem neuen Fahrzeug Gottes Segen.

Feuerwehr   Foto Rolf Hill
Ein ganz besonderes gern gesehener Gast bei solchen Anlässen ist Dipl.-Ing. Hans-Peter Kahlert. Seit 18 Jahren ist er als Fachberater der Firma Ziegler im Außendienst tätig. Obwohl sein Betreuungsgebiet den gesamten ehemaligen Regierungsbezirk Dresden umfasst, fühlt er sich seit jeher der Oberlausitz und den dort ansässigen Jüngern des Heiligen St. Florian besonders verbunden. Viele persönliche Freundschaften wurden seither geschlossen.
„Ich habe große Achtung vor der Leistung dieser Männer“, betonte er. Wenn er da z. B. an den Gemeindewehrleiter, Oberbrandmeister André Henschel denke, der die ganze Woche über als Busfahrer große Verantwortung für andere Menschen trage. Der nehme eben dann zusätzlich noch das schwere Ehrenamt mit seiner ständigen Einsatzbereitschaft, den Führungsaufgaben und der eigenen Weiterbildung in Kauf. Das sei mehr als nur bewundernswert. Er erachte es einfach als seine Pflicht, auch nach der Übergabe eines Fahrzeuges und der obligatorischen Einweisung in der Eingewöhnungsphase für die Kameraden da zu sein, um ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen zu können.
Und so weiß er natürlich auch schon, wann er das nächste Mal in Rennersdorf bzw. Berthelsdorf aufkreuzen wird. Dann nämlich, wenn das nagelneue Depotgebäude eingeweiht wird. „Vielleicht sollte ich da meine Frau als Fahrerin mitbringen“, schmunzelte er, „denn so ein Anlass muss ja auch begossen werden, damit nicht am Ende gar hier ein Brand ausbricht.“

Wie dem auch sei. Alle zusammen hatten es sich auch an diesem Sonnabendnachmittag verdient, stolz und zufrieden zu sein. Für Norbert Riehle und seine Kameraden gilt nun ihr oberster Wahlspruch erst recht: „Gott zur Ehr´, dem Nächsten zur Wehr“. 

    

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