Görlitzer Aufbruch: Eine Initiative bricht auf... um zu bleiben
Maximilian hat die Nase voll. Der Grund: Zu wenige bezahlbare Angebote oder auch einfach nur Begegnungsstätten für Jugendliche in der Stadt, vor allem unter der Woche. Einfach Angebote für Jugendliche. „Früher habe ich mich nur aufgeregt über die fehlenden Angebote und den fehlenden Gestaltungswillen der Stadt, etwas für junge Leute zu tun“, erzählt er. „Später habe ich dann begriffen, dass man nicht auf jemanden warten kann, damit sich hier in Görlitz etwas entwickelt. Man muss sich selbst engagieren.“
Initiator für ein jugendfreundlicheres Görlitz: Maximilian Tenschert, 20
Von seinen Freunden wird der 20-Jährige kurz Max genannt. Der junge Görlitzer hat schon ein wenig über den Tellerrand gelugt, mehr gesehen als viele Gleichaltrige. In Görlitz ging er zur Schule, wuchs hier auf. Dann verschlug es ihn nach Dresden. Seine Ausbildung führte ihn wieder nach Görlitz. „Und“, so meint Max, „es war ein Glücksfall“. Denn Maximilian Tenschert ist gerne in seiner Heimat.
Und er hat die Sache in die Hände genommen. Zuerst mit einem Gespräch. Damals, im Februar 2011, mit Ingo Kramer, Vorsitzender des Holzwurm e.V.. Ein Gespräch, in dem es darum ging, was genau der Jugend in Görlitz fehlt. Im August schlug Ingo Kramer Max dann vor, die Gedanken und Kritikpunkte zu sammeln und in einem Gespräch bei Kulturbürgermeister Michael Wieler vorzubringen.
Im Oktober war es schließlich so weit. In einem Gespräch – am Tisch saßen Kulturbürgermeister Wieler, Ingo Kramer, Maximilian Tenschert, Steffen Kasperski und „Panne“ - wurden die Kritikpunkte vorgebracht. Grundtenor: Das Hauptproblem ist das fehlende Angebot für Jugendliche, insbesondere unter der Woche. Selbst im Basta, das sonst einer der wenigen Anlaufpunkte für Jugendliche ist, gebe es zum Beispiel keine Außenanlagen zum Skaten oder Slacklinen.
Um herauszufinden, was Jugendliche an einem Kulturzentrum für wichtig halten, legte Max bei Facebook die Gruppe „Aufbruch der Görlitzer Jugend“ an. Schon nach wenigen Tagen hatte sie mehr als 500 Mitglieder und damit die Mitgliederzahl der Gruppe „Görlitzer Politik im Diskurs“ weit übertroffen. Parallel machte Max Tenschert Mundpropaganda und hängte Flugblätter an prominenten Orten auf.
Der große Zuspruch, den er dabei erhielt, bestärkte ihn. „Es gibt ein großes Bedürfnis nach einem neuen Kulturzentrum in Görlitz“, sagt er. Anfang November übermittelte er dem Kulturbürgermeister die über Facebook zusammengetragenen Vorschläge und Ansprüche an ein Haus, das der Jugend offen stehen und durch sie gestaltet und entwickelt werden soll.
Noch im November kam es dann im Basta zu einem Vereinstreffen mit den acht bisher beteiligten Vereinen: Schall und Rauch e.V., CVJM Görlitz e.V., Holzwurm e.V., Stille Post e.V., Adrenalin e.V., Freizeit-Sport-Kollektiv Görlitz e.V. , Second Attempt e.V., Studentenclub Maus - Die Türmer e.V. Inzwischen treffen sich die Vereinschefs regelmäßig, jeden ersten Donnerstag im Quartal.
Nicht lange danach kamen erste Vorschläge. Michael Wieler hatte vor allem ein Objekt in petto, das den Jugendlichen gefiel: Das Werk I des Waggonbaus. Es kristallisierte sich nach der Begehung kurz vor Weihnachten zum Favoriten für ein neues Jugendkulturzentrum heraus.
Die Vorteile liegen auf der Hand: Es liegt zentral, bietet genug Platz, ist erst in den 90er Jahren saniert worden und erweiterbar um einen Nachbarbau, bei dem lediglich das Dach instand gesetzt werden müsste. Zudem liegen mit dem für die Landesausstellung 2011 neu gebauten Parkplatz große asphaltierte Freiflächen um das zukünftige Zentrum herum.
Ziel müsse es nun sein, sowohl ein Bewusstsein in der Öffentlichkeit zu schaffen, als auch ein Konzept für das Kulturzentrum zu erarbeiten. Doch auch hier, so betont Max, steht „die Einbindung aller interessierten Jugendlichen ganz oben auf der Prioritätenliste“. Man wolle keinen Knochen hingeworfen bekommen sondern sich, ähnlich wie es beim Basta der Fall war, etwas Eigenes schaffen, das Anlauf- und Treffpunkt werde. Max Tenschert: „Natürlich auch für die umliegenden Gemeinden.“
Die To-do-Liste von Max Tenschert ist lang: Da ist der Gang an die Görlitzer Gymnasien, wo er den Zehnt- bis Zwölftklässlern das Projekt vorstellen will. Sie sollen sich zugleich beteiligen, dabei sein, wenn das Jugendzentrum entwickelt wird. Und da steht vor allem auch noch die Entscheidung für einen Verein an, mit Max und seine Mitstreiter zusammenarbeiten wollen.
In Frage kommen dafür vor allem der Second Attempt e.V. und der Görlitz 21 e.V. „Einen persönlichen Favoriten habe ich schon“, verrät Max. Mehr aber nicht. Dieser Prozess soll demokratisch entschieden werden, wie sich auch „das ganze Projekt dynamisch entwickeln soll“. Wichtig dabei: Eine flache Hierarchie, bei der alle Beteiligten lernen, Verantwortung zu übernehmen. Auch die Ausgestaltung des zukünftigen Zentrums sollen die Jugendlichen selbst übernehmen. Ob es am Ende zum Beispiel einen Basketballkorb geben wird oder nicht, das wird vom Interesse und Einsatz der Nutzer abhängen.
„Leider“, so meint Max zum Schluss, „habe ich nicht so die Kontakte zu den Mittelschulen“. Ausschließen wolle er aber niemanden. Jeder Jugendliche solle sich eingeladen fühlen, mitzuwirken.
Wer den Kontakt sucht kann sich der Facebookgruppe „Aufbruch der Görlitzer Jugend“ anschließen. Wer Facebook nicht nutzt, aber seine Ideen unbedingt loswerden möchte, kann auch an die Adresse Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. mailen.
Auch in den nächsten Wochen sind noch Aktionen geplant, um auf die Initiative aufmerksam zu machen, bei den Görlitzern Bewusstsein zu schaffen und für die eigenen Ideen noch Mitstreiter zu finden und für sie zu werben. „Was genau, das bleibt aber noch geheim“, sagt Max. Über die Facebookgruppe erfahre man aber alles rechtzeitig, sobald es soweit sei.
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Kommentare
Und danke an Faktuell.de für die veröffentlichun g des Beitrages
MFG
Max Tenschert
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