Hans-Ulrich Niemitz geb. 22.11.1946 - gestorben 2.11.2010Eltern? Kindheit? Hatte er. Früher. Für Hans-Ulrich Niemitz spielte beides sehr schnell keine Rolle mehr. Er hatte es beiseite geschoben. Aus Selbstschutz vielleicht. Der klapperdürre schlaksige Typ mit dem schütteren Haar und den scharfen Gesichtszügen interessierte sich für anderes.

Für seine Tochter, die er nach dem Tod ihrer Mutter allein aufzog. So lange, bis er seine zweite Frau fand. Zehn Jahre älter, zuverlässig, klug, und bereit, neben ihren Töchtern auch diesem Mädchen eine Mutter zu sein. Tochter und Frau, deren zwei Töchter - das war Liebe. Wissen und Wissen suchen, in Frage stellen und neues gewinnen - das war seine Leidenschaft.

Immer dachte er über etwas nach. Nicht so, wie andere Menschen. Mal hier ein Gedanke, mal dort einer, ein bisschen Abschweifen, im Unterbewusstsein wirken lassen. Das konnte er nicht. Wenn er etwas hatte, das ihn interessierte, betrachtete er es von allen Seiten, sezierte es in Gedanken, spielte Varianten durch, verwarf und experimentierte, wirkte dadurch häufig wie der Klischee-Professor, der zerstreut durch die Gegend läuft. In Diskussionen legte er oft seine langen dünnen Finger an die Stirn, schloss die Augen und erläuterte konzentriert seine Gedanken. Wenn man ihm nicht nur folgen konnte, sondern auf neue Gedanken brachte, seine Ideen klug hinterfragte, möglicherweise Lücken aufzeigte, dann blitzten seine Augen.

Keiner betrieb Forschung so wortwörtlich wie Hans-Ulrich Niemitz. Als gerade Erwachsener flog er in die USA. Nur um zu sehen, ob es dieses Land wirklich gab. "Als ich es gesehen hatte, schon im Flugzeug beim Landanflug, war ich zufrieden", erzählte er einmal. "Dann hatte ich ein Problem. Ich wusste nicht, was ich die drei Wochen bis zum Rückflug dort tun sollte."

Dass Atomkraft unethisch ist, stand für ihn nach einer langen Denkphase fest. Sein Argument: Was man nicht versichern könne, könne nicht ethisch sein.

Was Geld ist, wollte er wissen. Monatelang beschäftigte er sich damit. Dann hatte er vier A4-Seiten beschrieben und das Problem gelöst. "Mehr als das, was auf diesen Seiten steht, ist darüber nicht zu sagen", meinte er achselzuckend. In seinem Studium Generale, das der Professor an der HTWK in Leipzig leitete, forderte er seine Studenten mit Themen jenseits des Mainstreams.

Was die Mehrheit für richtig hält, der "Konsensklerus", wie neulich ein Freund die Wissenschaft nannte, das langweilte ihn. Dafür verschwendete der Historiker, Ethiker und Flugtechniker keine Zeit, keine graue Zelle. Er stellte Fragen wo scheinbar alles klar war, bei näherem Hinsehen jedoch Unerklärliches existierte. So entwickelte er mit Heribert Illig zusammen eine Theorie über 300 verlorene Jahre im Mittelalter, prägte den Begriff Phantomzeit. Mit drei Freunden gründete er 1994 den Berliner Geschichtssalon. Viermal im Jahr wurden hier neue und umstrittene Thesen zur Menschheits- und Naturgeschichte vorgestellt.

Als Hans-Ulrich Niemitz wissen wollte, ob und was an der Astrologie dran ist, beschäftigte er sich monatelang intensiv damit. Er wälzte astronomische Bücher, verglich Sternbilder, untersuchte Berichte über Ereignisse, die angeblich mit den Sternen im Zusammenhang standen und kam schließlich zu dem Ergebnis, dass nichts an der Astrologie wirklich wissenschaftlich ist. Er hätte es anderen einfach glauben können. Doch das war nicht seine Art. Hans-Ulrich Niemitz glaubte nicht. Er forschte. Bis er wusste.

Mit einem Gutachten zur Neuen Medizin, in dem er nachwies, dass diese im Gegensatz zur Schulmedizin wissenschaftlich ist, machte er sich viele Feinde. Von einem Journalisten auf die angebliche antisemitische Haltung der Neuen Medizin angesprochen, antwortete er mit einer erstaunten Gegenfrage: "Wie kann Wissenschaft antisemitisch sein?"

Das war keine Schlagfertigkeit. Für ihn - den Wissenschaftler mit Leib und Seele - war diese Art des Denkens, die hinter der Frage stand, nicht nachvollziehbar. Dass nicht alle seine Kollegen das so sahen, musste er auch in Sachsen erleben. Dort wurde er nach diesem Gutachten in die Landesregierung einbestellt. Gegen Hans-Ulrich Niemitz' tiefe Überzeugung, dass es die Freiheit der Forschung und Lehre gebe, kamen die Funktionäre in den Ministerien allerdings nicht an. Er blieb fortan von derartigen Nachfragen unbehelligt.

Als ihn sein Lieblingsstudent, dessen begeisterter Mentor er war, verriet - "So empfand ich das, auch wenn man es ihm nicht zum Vorwurf machen kann", sagte Hans-Ulrich Niemitz einmal - brach es ihm regelrecht das Herz. Er bekam einige Herzinfarkte, über die er akribisch Buch führte. Und er bekam weitere gesundheitliche Probleme. Konfliktlösungen, wie er sie im Wissen um die Neue Medizin bezeichnete. Er ordnete sie genau zu. "Er sagte, da liefen sieben Stück parallel ab", erinnert sich seine Frau.

Zum Schluss waren es zu viele. Sein Körper konnte dem Stress nichts mehr entgegen setzen. Hans-Ulrich Niemitz starb mit 64 Jahren am 2. November. Tochter und Stieftochter waren bei ihm. Sagen konnte er nichts mehr. Sonst hätte er vielleicht mit den Augen gezwinkert. Sein typischer Abschied, wenn er Freunden eine Mail geschickt hatte:

Euer HU ;-)

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Kommentare   

 
+1 #3 Klaus 2010-11-09 12:39
Ja, er hat immer wieder "Amerika" entdeckt, oder den Fake, der hinter den vermeintlichen Amerikas steckt. Seine Einführung in die Neue Medizin und das Gutachten zur Wissenschaftlic hkeit sind solche Entdeckungen, die so wertvoll für uns sind. Pfofessor Niemitz hat tiefe Spuren hinterlassen. Das kann man ihm und uns nicht nehmen.
@mpr Prof. Niemitz war immer "öffentlich". Das war sein Anspruch. Kein Verstecken und keine Geheimnistuerei.
Klaus
Zitieren
 
 
+1 #2 mpr 2010-11-08 20:12
zitiere Freund:
Hans-Ulrich ist am 2. November gestorben, er wäre am 22. November 64 Jahre alt geworden.
Die Beerdigung findet am 17. November um 14:00h statt:

Südwetskirchhof Stahnsdorf
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Beisetzung ist nicht öffentlich!
---
Anmerkung der Redaktion:
Der Platz in der Trauerhalle wird wohl nicht ausreichen.
Nach Rücksprache mit der Familie können wir dennoch bestätigen, dass es jedem unbenommen bleibt, Hans-Ulrich Niemitz die letzte Ehre zu erweisen.
Christopher Ray
Zitieren
 
 
+2 #1 Freund 2010-11-08 12:53
Hans-Ulrich ist am 2. November gestorben, er wäre am 22. November 64 Jahre alt geworden.
Die Beerdigung findet am 17. November um 14:00h statt:

Südwetskirchhof Stahnsdorf
Bahnhofstr. 2
14532 Stahnsdorf
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