1RechtSoLogoWegen gefährlicher Körperverletzung hatte sich der 36jährigen Löbauer Jens S. vor dem Strafrichter an der zuständigen Zweigstelle des Amtsgerichts zu verantworten. Dazu sinngemäß Staatsanwalt Uwe Schärich:
Am Abend des 5. Juli vergangenen Jahres soll der Angeklagte auf dem Gelände des EDEKA-Marktes an der Löbauer Sachsenstraße einem anderen Mann unbegründet eine volle Bierflasche in die Kniekehle geworfen und ihn danach auch noch ins Gesicht geschlagen haben, wobei dessen teure Brille entzwei ging.

Der Geschädigte erlitt Nasenbluten, verbunden mit einer Verletzung der Nasennebenhöhlen und war eine Woche lang arbeitsunfähig.

Diesen Zwischenfall habe es wirklich gegeben, räumte der Angeklagte ein. Allerdings müsse man die näheren Umstände in Betracht ziehen. Er war mit seiner Freundin dort im EDEKA einkaufen, erklärte er. Da es regnete, habe er den Kinderwagen, in dem sich das gemeinsame Kleinkind befand, unter das Dach gestellt, wo auch die Einkaufswagen abgestellt werden. Da sei plötzlich der Geschädigte vom Einkauf zurück gekommen, habe sich offensichtlich behindert gefühlt und – anstatt irgendetwas zu sagen – Schwung geholt und seinen Einkaufswagen heftig gegen den Kinderwagen gefahren. Das habe ihn derart auf die Palme gebracht, dass er zu der Bierflasche griff und diese warf.

Ja, er habe zwar zuvor etwas getrunken, räumte Jens S. ein. Aber so toll sei das nicht gewesen. Nun, es waren wohl etwa 1,4 Promille, wie der später als Zeuge gehörte Polizeibeamte bestätigte. Natürlich ist die Wirkung einer solchen Blutalkoholkonzentration auch immer von der Konstitution und vor allem vom Gewöhnungsprozess des Konsumenten abhängig. Wie dem auch sei.

Man könne das Verhalten des Angeklagten zwar rein menschlich verstehen, sagte Richter Dr. Holger Maaß, der den Vorsitz der Hauptverhandlung führte. Tolerieren dürfe man es allerdings nicht, da es strafrechtlich selbstverständlich nicht gerechtfertigt sei.

Leider glänzte der ordnungsgemäß als Zeuge geladene Geschädigte unentschuldigt durch Abwesenheit. Offensichtlich habe er also gar kein echtes Interesse an der Strafverfolgung des Angeklagten, schlussfolgerte der Vorsitzende. Und da dieses Fernbleiben bereits zum zweiten Mal erfolgte, kam er mit dem Staatsanwalt überein, gegen den Geschädigten ein Ordnungsgeld in Höhe von 150 Euro zu verhängen.

Aufschlussreich war auch die Tatsache, dass es sich bei dem Angeklagten keineswegs um ein „unbeschriebenes Blatt“ handelte. Im Gegenteil – immerhin 17 Eintragungen, zumeist aus der Jugendzeit, standen im Bundeszentralregister zu Buche. Allerdings stammte die letzte Verurteilung aus dem Jahr 2005 und betraf eine gefährliche Körperverletzung, die ihm ein Jahr auf Bewährung einbrachte. Seither war er nicht wieder strafrechtlich in Erscheinung getreten.

Für den Staatsanwalt war der Sachverhalt, nicht zuletzt aufgrund des Geständnisses, klar. Auch er verwies aber darauf, dass der Angeklagte trotz der offensichtlichen Provokation durch den Geschädigten besonnener hätte reagieren müssen. Eine Bierflasche sei außerdem im strafrechtlichen Sinne als Waffe oder gefährliches Werkzeug zu betrachten. Das Ganze hätte durchaus für den Geschädigten auch noch schwerere gesundheitliche Folgen haben können. Im Hinblick auf die vielen Vorstrafen, aber auch unter Berücksichtigung der langen Straffreiheit beantragte er eine Geldstrafe in Höhe von 100 Tagessätzen zu je zehn Euro. Dem schloss sich das Gericht an.

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