1RechtSoLogo Die Hauptverhandlung vor dem Löbauer Amtsgericht gegen den 30jährigen Tony F. hatte noch gar nicht recht begonnen, da bat sein Verteidiger bereits um eine erste Unterbrechung, da sein Mandant im Moment der Belastung nicht gewachsen sei und sich erst einmal wieder sammeln und beruhigen müsse.
Als der Prozess dann fortgesetzt wurde, machte der junge Beiersdorfer auch weiterhin einen eher zerstreuten, schüchternen und gehemmten Eindruck. Man konnte kaum glauben, dass er sich tatsächlich wegen vorsätzlicher Körperverletzung verantworten musste.
So etwa soll die Sache am 20. August vergangenen Jahres abgelaufen sein:

Gegen 15 Uhr habe Tony F. auf dem Parkplatz nahe der Volksbank in Löbau seine ehemalige Freundin Julia B. grundlos mehrfach ins Gesicht geschlagen, lautete der Vorwurf des Staatsanwaltes. Als sie in dem einsetzenden Gerangel zu Boden ging und laut um Hilfe schrie, hielt er ihr die Hand vor dem Mund und drohte: „Sei still, oder ich bringe Dich um!“

Erst ein herbei kommender Passant brachte ihn dazu, von der jungen Frau abzulassen, die daraufhin schleunigst das Weite suchte. Obwohl der Angeklagte zu Verstehen gab, er wolle aussagen, blieb er geraume Zeit stumm. Erst dann sagte er leise und stockend, er habe sich ja nur gewehrt, vielleicht etwas zu grob. Dem ging nach seiner Schilderung eine verbale Auseinandersetzung voraus, in deren Verlauf er sie u. a. als „Schlampe“ bezeichnete. Da griff sie ihn an.

Nach einer längeren Liebesbeziehung hatten sich die jungen Leute vor etwa einem Jahr getrennt. Treibende Kraft schien dabei die 21jährige Julia B. gewesen zu sein, die inzwischen einen neuen Partner hat. Gerade mit diesem, ihm in der Gunst offenbar überlegenen  Nebenbuhler wollte sich Tony F. aber nicht abfinden. Immer wieder suchte er den Kontakt zu seiner Ex, lauerte ihr auf und versuchte, sie zur Rede zu stellen, weil sie ihn verließ. Nachdem ein Passant die Geschädigte bei jenem Zwischenfall unterstützte, ging der Angeklagte selbst zur Polizei und erstattete dort Anzeige. Dort sagte er aus, er habe nur in Notwehr gehandelt.

Nun meldete sich der Verteidiger zu Wort. Er gab zu bedenken, dass sein Mandant aufgrund des andauernden Drogenmissbrauchs psychisch erkrankt sei. Außerdem leide er unter Diabetes mellitus. Eine mitunter auftretende Epilepsie werde er vielleicht lebenslang behalten. Er sei nicht mehr in der Lage, sein Leben selbständig in den Griff zu bekommen. Deshalb war ihm neben der Bewährungshelferin, dazu an anderer Stelle mehr, auch ein Betreuer zur Seite gestellt worden. Außerdem bezieht er eine Rente wegen andauernder Erwerbsunfähigkeit.

Bevor nun die Geschädigte ihre Aussage machte, war es der Vorsitzende, Amtsgerichtsdirektor Dr. Karl Keßelring, der an das Feingefühl der Parteien appellierte und sie zur Rücksichtnahme gegenüber der Hochschwangeren ermahnte. Julia B. hatte nämlich im Vorfeld der Hauptverhandlung darum gebeten, dem Angeklagten nicht von Angesicht zu Angesicht gegenüber sitzen zu müssen. Sie habe Angst vor ihm, war die Begründung. Doch die Bemühungen, diesem Wunsch mithilfe moderner Video-Technik entsprechen zu können, scheiterten an der Kürze der Zeit. So sagte sie nun doch aus.

Im Wesentlichen schilderte sie den Vorfall selbst ähnlich. Sie habe Tony F. aber nicht angegriffen, versicherte sie. Im Gegenteil, sie versuchte wegzulaufen und bekam dafür die Faustschläge ins Gesicht, dass sie blutete. Auch das ganze Oberteil ihrer Kleidung sei blutbefleckt gewesen. Sie ging erst am nächsten Tag zur Polizei, weil sie nach dem Zwischenfall erst einmal nur ihre Ruhe haben wollte. Einen Arzt suchte sie nicht auf.

Schon zuvor habe sie der Angeklagte immer wieder verfolgt und aufgefordert, sich für den Beziehungsbruch zu rechtfertigen. Das ließ in letzter Zeit etwas nach, räumte sie ein. Trotzdem habe sie immer noch große Angst, dass es bei einer Begegnung erneut zur Konfrontation kommen könnte.

Ganz im Widerspruch zum nun fast demütigen Auftreten von Tony F. stand der Auszug aus dem Bundeszentralregister. Fünf Einträge wies er auf. Darunter allein drei Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. Die letzte diesbezügliche Straftat brachte ihm 2011 eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten ein.

Damals hatte Oberarzt Dr. Sven Richter, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie sowie Ansprechpartner im Bereich Sucht am Sächsischen Fachkrankenhaus Großschweidnitz dem Angeklagten bescheinigt, dass keinerlei Einschränkungen der Einsicht- und Steuerfähigkeit feststellbar waren.

Grund der letzten Verurteilung war übrigens, dass er sich in sechs Fällen über eine Versandapotheke größere Mengen Arzneimittel verschafft hatte, deren Grundstoffe zur Herstellung von Crystal geeignet waren. Und genau dazu hatte er diese Medikamente in Tschechien weiterverkauft. Vom Erlös finanzierte er seinen eigenen Drogenkonsum.   

Er könne die Aussagen der Zeugin nachvollziehen, versicherte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Selbst wenn diese zuerst handgreiflich wurde, habe der Angeklagte sie vorher dazu provoziert. Es handele sich in jedem Falle um eine Beziehungstat. Der Angeklagte habe zwar ein Geständnis abgelegt, was die Faustschläge betreffe, doch man müsse eben auch berücksichtigen, dass er unter Bewährung steht. Er beantragte eine dreimonatige Freiheitsstrafe, ausnahmsweise ein letztes Mal zur Bewährung von zwei Jahren und sechs Monaten zu verhängen. Als Auflage solle Tony F. 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Der Verteidiger führte noch einmal die Krankheit seines Mandanten ins Feld und die Tatsache, dass er ja nicht einschlägig vorbestraft ist. Im Übrigen schloss er sich dem Strafmaß an. Das Gericht erkannte Tony F. schließlich der vorsätzlichen Körperverletzung in Tateinheit mit versuchter Bedrohung und Nötigung für schuldig. Es verurteilte ihn zu einer Bewährungsstrafe von drei Monaten, verbunden mit einer Arbeitsauflage von 100 Stunden. Der Angeklagte nahm das Urteil an.

           

Share Button

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

FAKTuell-Verlag
Hrsg. Momo Lenz

Faktor-L
Kein Plan B
FaktorLkeinPlanBCoverMomoLenz200px

faktor-L
Nimms Leicht!
Schlank durch...
NimmsLeicht Cover


faktor-L
Neue Medizin & HCG
faktor-L Neue Medizin & HCG * Homöopathie  * oder: Hamer trifft Hahnemann

faktor-L  * Neue Medizin 1
Die Wahrheit über Dr. Hamers Entdeckung
Krebs und andere heilbare Krankheiten
Mit einer Einführung
in die Neue Medizin von:
Professor Dr. Hans-Ulrich Niemitz

faktor-L * 1 Neue Medizin * Die Wahrheit über Dr. Hamers Entdeckung - Krebs und andere heilbare Krankheiten 

 

faktor-L * Handbuch Neue Medizin 2
Die Wahrheit über Dr. Hamers Entdeckung
Konflikte - Auslöser - Verlauf
bei Krebs und anderen heilbaren Krankheiten
Inklusive: Lexikon der Neuen Medizin

faktor-L * 2 Handbuch Neue Medizin - mit Lexikon 


 
Neue Medizin Basiswissen
eBook 2,99faktor-L * Neue Medizin * Bioblatt 1 * Basiswissen (faktor-L * Bioblatt) [Kindle Edition] Neue Medizin  07.06.2011

faktor-LNeue Medizin 8
100 Tage Herzinfarkt
Alles mein Revier

faktor-L * Neue Medizin 8 * 100 Tage Herzinfarkt - alles mein Revier 
 


HIV - AIDS
und die Virenlüge

Ein Esstisch-Gespräch mit
Dr. Stefan Lanka & Karl Krafeld

faktor-L 6 * HIV - AIDS und die Virenlüge * Interview mit Dr. Stefan Lanka & Karl Krafeld
 

faktor-L * Neue Medizin 3
Therapie und Praxis
Das Methoden-ABC

faktor L * 3 * Neue Medizin * Therapie und Praxis * Das Methoden ABC 

faktor-L * Band 5

Katzen ...was sonst

Natürlich kann man ohne Katzen leben.
Aber weshalb sollte man...
Special: Neue Medizin für Tiere

Katzen ...was sonst * Was Sie schon immer über Katzen wissen wollten


faktor-L  *
Neue Medizin 7
Das Selbst und das Ich
Spurensuche

faktor-L Neue Medizin 7 * Das Selbst und das Ich - Spurensuche * Regressionstherapie 

BGE Handbuch 07.06.2011