Recht so: Sparen im Knast...
Petr S. ist nicht nur Koch, sondern er ist auch ein Dieb, ein notorischer noch dazu. Bevorzugt führten den 28jährigen Varnsdorfer seine bisherigen Beutezüge über die Mandau hinweg. Da man aber hierzulande inzwischen längst recht aufmerksam ist, was absolut nichts mit Misstrauen gegenüber Ausländern zu tun hat, landete er inzwischen schon vier Mal vor deutschen Gerichten und sitzt im Moment zum zweiten Mal hinter Schloss und Riegel.
So musste er nun in Handschellen vorgeführt werden, um sich erneut wegen Diebstahls am Amtsgericht Löbau zu verantworten. Fünf Straftaten, begangen im Juni und Juli vergangenen Jahres, legte ihm Staatsanwalt Jürgen Ebert zur Last. Tatorte waren, auch das nicht zum ersten Mal, die beiden Zittauer Kaufland-Filialen an der Äußeren Weberstraße und der Christian-Keimann-Straße sowie Edeka an der Sachsenstraße in Löbau. Der Gesamtwert der gestohlenen Waren betrug etwa 280 Euro. Wie immer handelte es sich dabei um hochprozentige Getränke.
Dazu muss man wissen, dass der Vater von Petr S. in der nordböhmischen Grenzstadt eine sogenannte „Černá hospůdka“, eine „Schwarze Kneipe“, betreibt. Er selbst kümmert sich in diesem sommerlichen Freiluftlokal um die Gastronomie. Es braucht also nicht viel Fantasie, um zu erraten, wohin die geklauten Spirituosen flossen. Das räumte Petr auch ein.
Er habe wohl während der 13 Monate in Bautzen nicht viel gelernt, bemerkte der Staatsanwalt, wenn er keine drei Monate nach der Entlassung seine Diebstähle schon wieder fortsetzte. Immerhin war er erst seit Ende März wieder auf freiem Fuße. 10.000 Kronen Lohn im Monat als Koch seien eben etwas wenig für ein vernünftiges Leben, entgegnete der Angeklagte. Die 1.000 Euro, die er durch seine Arbeit im Knast verdiente, wären eben schnell wieder ausgegeben worden, fügte er mit verschmitztem Lächeln hinzu. Aber er spare ja jetzt in Görlitz schon wieder.
Den neuerlichen Aufenthalt in der JVA verdankt er übrigens einem Eilverfahren. Erst am 14. Januar im Kaufland mit Diebesgut im Werte von 700 Euro geschnappt, wurde er bereits fünf Tage später in Zittau zu sieben Monaten verurteilt. Weil aber dabei die Taten vom Juni/Juli 2011 nicht eingezogen wurden, kam es zum neuen Prozess.
Eine große Beweisaufnahme erübrigte sich. Zudem waren alle Prozessparteien – einschließlich der Verteidigerin – davon überzeugt, dass es sich bei den vier vorliegenden Einträgen im Bundeszentralregister wohl nur um die Spitze des Eisberges handelte.
Staatsanwalt Ebert belehrte den Angeklagten in seinem Schlussplädoyer auch darüber, dass er in der Haft keineswegs unbedingt arbeiten und so Geld verdienen müsse. Man könne sogar mit seinen Landsleuten in Verbindung treten und ihm die Haft zu Hause unter dortigen Bedingungen verbüßen lassen. Offensichtlich habe er sich dazu entschlossen, sein weiteres Leben als Krimineller zu verbringen und den Knast zu seinem wahren Lebensziel zu machen.
All das nahm Petr S. nicht nur gelassen, sondern anscheinend sogar amüsiert zur Kenntnis. Der Antrag des Staatsanwalts, eine Haftstrafe von einem Jahr zu verhängen, erschien auch der Verteidigerin Tat und Schuld angemessen. Auch sie stellte fest, dass die Lebensplanung ihres Mandanten keinen vernünftigen Überlegungen entspricht.
Wie erwartet schloss sich das Gericht unter Vorsitz von Dr. Holger Maaß ebenfalls diesem Strafmaß an. Er prophezeite dem jungen Tschechen, dass dessen Traum dereinst, vielleicht sogar schon in nicht allzu langer Zeit, wie eine Seifenblase zerplatzen wird. Der Angeklagte blieb fröhlich und ungerührt. Offensichtlich immer noch in der Hoffnung, ein weiteres Jahr sicher entlohnt zu werden, nahm er das Urteil an, sodass es nun bereits rechtskräftig ist.
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