Die einen träumen vom Baden im Sommer am Berzdorfer See, die anderen versuchen den See als Erholungsgebiet zu vermarkten. Doch noch immer birgt das Gelände Risiken. Wie groß die sind, zeigen aktuelle Rutschungen an der Westseite des Sees.

BerzdorferSee  * FAKTuellFoto 21-03-2011
Sand und Lehm - daraus bestehen die Hänge an der Jauernicker Seite des Berzdorfer Sees. Und tonnenweise ist der gerade ins Rutschen gekommen, hat kleine und mittelgroße Bäume mitgerissen, große Spalten geschaffen. Am Fuße dieser Rutschungen haben sich riesige Pfützen gesammelt, die allmählich kleine Sümpfe bilden. "Hier greifen wir allerdings nicht ein", sagt Manfred Kolba von der LMBV. "Das ist Naturschutzgebiet, und soll sich ohne Eingriffe entwickeln. Wie der Name schon sagt: Naturbelassen."

BerzdorferSeeFAKTuellFoto21032011HangRutschungLMBV
Nicht die Flut im August 2010 ist schuld daran, dass die Böschungen abgerutscht sind. Mit Wasser hat es allerdings schon zu tun.

"Auslöser sind die Oberflächenwasser durch die stark erhöhten Niederschläge im letzten Jahr", sagt LMBV-Pressesprecher Uwe Steinhuber. Das Erdreich hat sich wie ein Schwamm voll Wasser gesogen. "Der Boden ist locker und sandig, neigt zum Fließen", sagt Uwe Steinhuber.


Das Gebiet sei grundsätzlich noch nicht sicher. Darauf weise man nicht grundlos immer wieder hin. "Das Gelände wird regelmäßig beobachtet, kontrolliert und saniert", fügt er hinzu. In der Regel in Abständen von einer Woche bis 14 Tagen. "Deutsch-Ossig ist das sicherste Gebiet am See", meint Uwe Steinhuber. Der Boden sei gewachsen und nach menschlichem Ermessen zu 99 Prozent sicher. Auf der gegenüberliegenden Seite stehen allerdings nicht umsonst die Gefahrenschilder. Die letzte Rutschung auf dieser Seite heißt Rutschung P. "Daran sieht man wie oft es dort Fließungen gegeben hat", erklärt Steinhuber bereits nach früheren Rutschungen. Vergeben werden nämlich die Buchstaben des Alphabets. Von 1981 bis 1987 war die Rutschung aktiv.

Auch in jüngerer Vergangenheit kam es zu solchen Rutschungen. 2004 brach bei einem Setzungsfließen in Knappenrode eine Straße weg. In Hosena wurde im April 1999 ein Rutschen beinah einem Lkw-Fahrer zum Verhängnis. Er konnte aus dem Radlader springen und sein Leben dadurch retten. 1998 gab es einen Erdrutsch zwischen den heutigen Partwitzer und Geierswalder Seen. Dabei gerieten rund 4,5 Millionen Kubikmeter Boden ins Fließen. Das ist viermal mehr als in Nachterstedt.

Gefährdet sind vor allem Tagebaue, die schon zu DDR-Zeiten stillgelegt wurden und sich anschließend mit Wasser füllten, so wie der Knappensee und der Silbersee im Kreis Bautzen. Durch "Verflüssigungen des Untergrundes" drohen dort noch immer regelmäßig Gefahren.

BerzdorferSee FAKTuell-Foto 21-03-2011 Hang-Rutschung
Nicht nur am Berzdorfer See bereitet die Nässe Probleme. Gerade eben ist der erste LKW bei Neuwiese nach dem Spreetaler Grundbruch geborgen worden. Am 12. Oktober war dort die Erde ins Rutschen gekommen, hatte mehrere Lkw mit sich gerissen und eine Schafherde von der Außenwelt abgeschnitten.
Für die Bergung waren umfangreiche Vorarbeiten notwendig. Mittels Drucksondierungen wurden die genauen Verhältnisse im Kippenbereich erkundet. Auf der Grundlage der Ergebnisse wurde eine spezielle Technologie erarbeitet. Dafür musste eine Schneise geschlagen werden, es wurde gerodet und planiert. Dieser Weg wurde mit Schotter befestigt und abschnittweise aufgehöht. Eine Raupe zog schließlich den Lkw aus der Erde. Nach 20 Metern konnte der Lasterfahrer selbst Gas geben und die Bergung unterstützen.

Der Anstieg des Grundwassers hat auch an der Eisenbahnstrecke zwischen Hoyerswerda und Horka für Probleme gesorgt. Bei Lohsa ist die Strecke nur noch eingeschränkt nutzbar. Ab April soll der Damm am Silbersee nun mit Rüttelstopfverdichtung gesichert werden. Dabei werden in einem Raster von drei mal drei Metern insgesamt 12.000 Löcher gebohrt, in die anschließend rund 300.000 Tonnen Material gestopft und gerüttelt werden. Dabei wird auch das angrenzende Erdreich mit verdichtet.
So entstehen bis zu 37 Meter tief reichende Schottersäulen, die den geschütteten Damm quasi mit dem gewachsenen Boden in dieser Tiefe verzahnen. Während der Arbeiten kommen drei Rüttelstopfmaschinen versetzt zum Einsatz. Auf einem relativ kleinen Abschnitt der Innenkippe wird auch mit Fallgewichten verdichtet. 2012 will man fertig sein. Oberstes Ziel: Gefahrenabwehr vor dem aufsteigenden Grundwasser am Bahndamm.
 
Die Deutsche Bahn AG will künftig auch die Bahnstrecke Knappenrode-Horka, die sogenannte Niederschlesische Magistrale, auf diesem Damm zweigleisig ausbauen und elektrifizieren. Es ist der erste Abschnitt von mehreren Sanierungsbereichen, mit denen der gesamte Silbersee, ehemals Tagebau Werminghoff, später Lohsa I, in den nächsten Jahren bergtechnisch saniert werden soll. In den vergangenen Tagen wurde damit begonnen, die Arbeitsfläche vorzubereiten. Der rund zwei Kilometer lange und bis zu 60 Meter breite Streifen zwischen dem Lohsaer Motodrom im Norden und der Kreisstraße 9219 im Süden wurde bereits oberirdisch komplett abgeräumt.

 

 

 

 

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Kommentare   

 
0 #1 RE: Lausitz: Rutschungen - Die Hänge brechen wegW.Christoph 2011-05-20 10:26
Habe Jahrzehnte im Braunkohlebergb au gearbeitet. Rutschungen waren immer ein Thema. Fachleute haben das schon zu DDR-Zeiten untersucht. Auch Neuerervorschlä ge wurden unterbreitet und - abgelehnt. Entweder hieß es "Aufgabengebiet " oder war "vergütungspfli chtig". Realisiert wurde es meistens erst, wenn etwas passiert ist (Beispiel: Restloch „F“ an der Straße Koblenz - Knappenrode).
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