|
Bei Umbauarbeiten ist in den Archivräumen des Domstifts eine 334 Jahre alte Papst-Nachricht gefunden worden. Sie stammt vom 21. Januar 1676. Die auf Latein verfasste Nachricht von Papst Innozenz XI. (1611-1689) ist an das französische Erzbistum Besançon gerichtet. Darin regelt der Papst die Nachbesetzung einer Domherrenstelle.
"Das Dokument lag sorgfältig verpackt über Jahrzehnte unbemerkt in einem Karton in einer Fensternische. Bei Aufräumarbeiten nach dem Umbau unseres Archivs bin ich darauf gestoßen", berichtet Birgit Mitzscherlich, Leiterin des Diözesanarchivs des Bistums Dresden-Meißen, über den spektakulären Fund.
In dem Schreiben erteilt Innozenz XI. dem Erzbischof von Besançon - Antoine Pierre de Gramont - eine päpstliche Instruktion. Demnach war ein Domherr namens Johann Baptist Boudret unheilbar an Schwindsucht erkrankt. In einem Brief hatte Boudret den Papst gebeten, ihm - wie damals üblich - seinen Neffen Philibertus Josephus Boudret als Koadjutor an die Seite zu stellen, mit der Aussicht, dass dieser auch seine Nachfolge antreten dürfe. In seiner Bulle befürwortet der Papst das Anliegen. Zugleich beauftragt er den Erzbischof aber, vor einer Amtsübergabe an Philibertus Boudret zu prüfen, ob dieser der neuen Aufgabe gewachsen sei.
"Es ist bemerkenswert, mit welchem Aufwand die Nachfolge eines Domherrn damals in Rom geprüft wurde", so die Leiterin des Bistumsarchivs. Wie das wertvolle Schriftstück nach Bautzen gelangte, darüber kann sie nur spekulieren. "Möglich, dass das Pergament zu Kriegszeiten von deutschen Soldaten aus Frankreich mitgebracht wurde", so Mitzscherlich.
Inzwischen hat sie auch eine siebenseitige Abschrift des Schriftstücks aus dem Jahre 1943 vom damaligen Bautzener Domstiftsarchivar Otto Rudert ausfindig machen können, die belegt, dass das Dokument dem kirchlichen Archivar bereits vor über 60 Jahren aufgefallen war. In einer Notiz hatte Rudert die Bemerkung hinterlassen, den päpstlichen Bescheid nach Kriegsende wieder seinem ursprünglichen Bestimmungsort zukommen lassen zu wollen - wozu es in den Wirren der Nachkriegsjahre dann offensichtlich nicht mehr gekommen war.
"Für das Erzbistum Besançon besitzt das Dokument einen wichtigen Stellenwert in seiner Kirchengeschichte", so Birgit Mitzscherlich. Bischof Joachim Reinelt hat daher den Beschluss gefasst, die päpstliche Bulle den Katholiken in Frankreich zukommen lassen zu wollen. Ein Schreiben an Erzbischof André Lacrampe in Besançon in dieser Angelegenheit ist bereits unterwegs.
Alle historisch Interessierten haben nun erst einmal Gelegenheit, das wertvolle Schriftstück in der Domschatzkammer persönlich in Augenschein zu nehmen. In einer Vitrine unserer Bautzener Ausstellungsräume wird das päpstliche Schreiben vier Wochen lang zu sehen sein.

Das Schriftstück ist auf einem 88 Zentimeter breiten und 61 Zentimeter hohen, mehrfach gefalteten Pergament verfasst. Das Dokument ist mit brauner Tinte auf Lateinisch in gedrängter Urkundenschrift niedergeschrieben und mit aufwendigen Ornamenten prunkvoll verziert. Ein Bleisiegel bestätigt die Authentizität des Heiligen Stuhls. Diözesanarchivarin Birgit Mitzscherlich: "Für mich ist die Bulle ein wunderbares Zeitdokument, wie man es nur selten zu sehen bekommt. Wir werden das Schriftstück sicher mit einem weinenden und einem lachenden Auge nach Frankreich zurückgeben."
» Keine Kommentare
Es gibt bisher noch keine Kommentare.
» Kommentar schreiben
|