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Geschrieben von Christopher Ray
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Donnerstag, 25. Mai 2006 |
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Auf die Presse-Akkreditierung warte ich auch eine Stunde vor dem Wettkampf noch immer. Jean-Pierre wird seiner Aufgabe als Organisator auch hier gerecht.
Fünfzehn Minuten später hat einer der örtlichen Helfer eine Armbinde mit dem Auftrag "Presse" besorgt.
Es ist 7:20h. Muttertag 2006. Ich darf zur Arbeit in den Innenraum des Stadions, vor dem zwei deutsche Flaggen im lauen Wind flattern.
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Geschrieben von Monika Berger-Lenz
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Dienstag, 23. Mai 2006 |
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Als Robert an diesem 7. April 1994 aus Österreich seine Mutter in Ruhanga anruft, ist er begeistert. In der Nacht ist der ruandische Diktator Juvenal Habyarimana mit seinem Flugzeug abgestürzt, es wurde abgeschossen. Nun, so glaubt er, kann es in seiner Heimat Ruanda nur noch aufwärts gehen. Doch seine Mutter teilt seine Freude nicht. Die 51jährige Frau ist besorgt. Und sie spricht düstere Worte. "Freue Dich nicht, Robert, das bedeutet das Ende für uns Tutsis." Das Morden habe schon begonnen. "Wir werden das nicht überleben."
Robert mag das kaum glauben, eine Weile reden sie noch miteinander, dann sagt seine Mutter: "Ich muss aufhören. Ich bin in Gefahr." Und sie legt auf. Das sind die letzten Worte, die Robert von seiner Mutter hört.
Alle Anrufe in den folgenden Tagen laufen ins Leere. Nur einmal ist ein Mann am anderen Ende der Leitung. "Komm ruhig her", sagt er zu dem jungen Studenten. "Dann zeigen wir Dir, wohin Deine Mutter gegangen ist."
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Geschrieben von Christopher Ray
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Samstag, 20. Mai 2006 |
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"Der internationale Friedensmarathon in Kigali kann nicht ohne Deutsche Flagge stattfinden," stellen Organisator Jean-Pierre Ernzen und Bettina Scholl-Sabbatini schon während des Zehnstunden-Fluges nach Kigali fest. Das war ein Auftrag. Weniger dezent als eindeutig. An uns, das Team von FAKTuell. Nichts leichter als das, wenn man den ersten Besuch eines Landes vor sich hat...
Direkt nach der Ankunft im Hotel rufe ich den zweiten Botschafter Ruandas an, den wir schon in Berlin persönlich kennen gelernt hatten. Robert M. Masozera hält sich glücklicherweise gerade in Kigali auf. Es ist 20:15h, er befindet sich in einer Besprechung mit diversen Ministern, sagt aber sofort zu, am nächsten Morgen zum Frühstück in unsere Hotel zu kommen. Das funktioniert. Aber auch Robert findet keine Regierungsstelle, die eine Deutsche Flagge vorrätig hat...
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Geschrieben von Monika Berger-Lenz
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Freitag, 19. Mai 2006 |
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Da sind sie. Direkt vor mir, vielleicht zwei Meter entfernt, sitzt der Silberrücken.
Ein prächtiges Gorilla-Männchen und zugleich der Chef der Susa-Gruppe in den Virunga-Bergen von Ruanda. Er ist in aufgerichtetem Zustand etwa 2,20 Meter groß und 230 Kilogramm schwer. Im Moment thront er und blickt auf einen Teil seiner Gruppe hinab.
Eine kleine Lichtung haben sie sich ausgesucht, sie fällt recht steil bergab. Hier gibt es keine ebenen Flächen.
Wir sind auf dem höchsten Vulkan des Virunga-Gebirges, dem Karisimbi. Er ist 4.507 Meter hoch. Wir sind fast oben, auf Höhe 4.200 etwa.
Ich staune. Dieses perfekte Wesen lässt sich durch unsere Anwesenheit nicht stören. Zu Beginn schaut er skeptisch zu uns herüber. Unser Guide, Diogene, redet mit ihm. In Gorilla-Lauten sagt er ihm, dass alles in Ordnung ist. "Keine Gefahr." Der Silberrücken glaubt ihm. Er wendet sich seinen Leuten zu, wiederholt genau die selben Laute. Danach fressen sie beruhigt weiter.
65 Gorilla-Kommentare kennt Diogene. Für die Susa-Gruppe ist er ein alter Bekannter. Die Fremden, die er bei seinen Besuchen mitbringt, nehmen sie hin. 37 Gorillas leben in der Gruppe. Sie ist die größte hier im Gebiet. Und sie ist die einzige, die Zwillinge hat. Am 19. Mai 2004 wurden die beiden geboren, eine Sensation selbst für die Mitglieder der Gruppe. Immer wieder haben sie sich darum gerissen, wer sie einmal tragen und der Mutter abnehmen darf. Dafür haben sie sogar ihre eigenen Babys abgesetzt. Zu faszinierend waren die Zwillinge, ein Junge und ein Mädchen. Selbst die Männchen standen dafür Schlange. Wir verstehen die Faszination sofort. Die beiden ähneln Clowns. Sie kabbeln sich ununterbrochen, schaukeln an Ästen, rollen sich durch die Gegend. Als sie hören wie wir uns darüber amüsieren, geben sie eine regelrechte Vorstellung. Nur wenige Schritte von uns entfernt toben sie über die Lichtung, genießen unsere Aufmerksamkeit.

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Geschrieben von Monika Berger-Lenz
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Donnerstag, 18. Mai 2006 |
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Die Erde leuchtet rot. Terra rossa. Die Farbe bekommt man nur schlecht aus weißen Turnschuhen heraus. Kurz erinnert der Anblick an Blut. Vor zwölf Jahren müssen die Straßen von Kigali davon durchtränkt gewesen sein. Damals, als die Hutus ihre Tutsi-Nachbarn zu Tausenden hingemetzelt hatten. Frauen, Männer, Kinder. Weil die damalige Regierung es so angewiesen hatte. Weil die Tutsis von den belgischen Kolonialherren jahrzehntelang als eine Art ruandischer Adel behandelt worden waren, der über die Hutus befehlen durfte. Weil die Tutsis reicher und angeblich auch schöner waren...
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Die Erde ist fruchtbar. Sie trocknet zwar oberflächlich schnell aus, speichert aber das Regenwasser sehr gut. "Hier in Ruanda braucht man nur an Pflanzen zu denken, schon wachsen sie", meint Chris, der mich wie gewohnt zum Marathon begleitet hat. Diesmal nach Zentralafrika. Die Regenzeit neigt sich dem Ende entgegen. In den vergangenen Tagen hat es immer wieder kurze aber heftige Schauer gegeben, dazu war es warm, teilweise schwül. Kigali, die Hauptstadt des kleinen Landes, ist regelrecht von Pflanzen überwuchert. Es leuchtet überall saftig grün, Blüten, wohin man schaut. Die Ruander halten die wuchernde Vegetation in Zaum, formen sie. Die Vorgärten würden jeden deutschen Kleingärtner vor Neid erblassen lasen. Gras mähen die Ruander mit einer Machete.
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