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Memo
* Info-Service 2005
Rubrikbetreuung:
Anna de Gouvernator
Auch Kinder im Grundschulalter können haftbar
gemacht werden, wenn sie
parkende Autos beschädigen. Das hat der
Bundesgerichtshof entschieden. Eine seit August 2002
geltende Regelung, wonach Kinder bis zum zehnten
Geburtstag nicht für Unfälle mit einem Kraftfahrzeug
verantwortlich gemacht werden können, gelte nur für
fahrende, nicht für stehende Autos. Die Eltern oder die
Haftpflichtversichtung müssen Schadenersatz leisten.
Az: VI ZR 335/03 u. 365/03
***
Das Surfen im Internet zu
privaten Zwecken am Arbeitsplatz rechtfertigt nicht
automatisch eine fristlose Kündigung. Nach einem Urteil
des Landesarbeitsgerichts Rheinland-Pfalz muss der
Arbeitgeber die private Internet-Nutzung zuvor
ausdrücklich verboten haben und arbeitsrechtliche
Konsequenzen angedroht haben.
Az: 7 Sa 1243 / 03
***
Wer wegen Überbuchung des Urlaubshotels
zu Hause bleiben muss, kann vom Reiseveranstalter neben
der Rückerstattung seiner Anzahlung die Hälfte des
Reisepreises als Entschädigung verlangen. Das hat der
Bundesgerichtshof entschieden. Der verhinderte Urlauber
müsse sich in der Regel nicht auf ein Ersatzquartier
verweisen lassen. Selbst wenn der Kunde eine andere -
nicht vom selben Reiseveranstalter angebotene -
Ersatzreise unternimmt, steht ihm laut BGH eine
Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit
zu.
Damit gab das Karlsruher Gericht zwei Klägern Recht, die
einen Tauchurlaub auf einer Malediven-Insel gebucht
hatten, aber wegen Überfüllung des Hotels nicht antreten
konnten. Ein vom Reiseveranstalter TUI angebotenes Hotel
auf einer anderen Malediven-Insel lehnten sie ab, weil
die Insel kein Hausriff hatte.
Az: X ZR 118/03
***
Die Entschädigung für den
Nutzungsausfall eines alten Autos
nach einem Unfall ist deutlich niedriger anzusetzen als
bei Neufahrzeugen. Das hat der Bundesgerichtshof
entschieden. Demnach darf der Ausgleich bei Altwagen
herabgestuft werden, weil eine volle Entschädigung zu
einer grundlosen Bereicherung des Geschädigten führen
würde.
Unfallgeschädigte, die für die Zeit der Reparatur auf
einen Mietwagen verzichten, können vom Unfallverursacher
eine - erheblich unter den Mietwagenpreisen liegende -
Entschädigung verlangen.
Az: VI ZR 357/03
***
Diebstahl in der Firma
kann auch dann eine fristlose Kündigung rechtfertigen,
wenn der Wert der gestohlenen Gegenstände gering ist.
Das hat das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz
entschieden. Das Vertrauensverhältnis mit dem
Arbeitgeber ist dadurch nachhaltig gestört, so die
Begründung.
Az.: 4 Sa 328/04
***
Ein Waschanlagenbetreiber muss Kunden auf
Risiken hinweisen. Andernfalls
hat er für Schäden aufzukommen. Das Zwickauer
Landgericht verurteilte jetzt einen Plauener Tankwart zu
1.800 Euro Schadenersatz, die er an einen Autofahrer
zahlen muss.
Diesem war der Heckscheibenwischer seines Autos
abgerissen worden. Unerheblich war für die Richter, dass
die Anlage einwandfrei arbeitet.
AZ.: 6 S 148/04
***
Wer bei Gericht aus Wut Türen knallt,
muss mit einem saftigen
Ordnungsgeld rechnen. Am Oberlandesgericht Zweibrücken
wurden 200 Euro verhängt
AZ.: 3 W 199/04
***
Justizvollzugsanstalten dürfen nicht
ohne weiteres von Häftlingen
bestellte Informationsbroschüren zum Strafvollzug
zurückhalten. Das hat das Verfassungsgericht
entschieden. Werde ein Strafgefangener in sachlicher,
vollständiger und juristisch vertretbarer Weise in einer
Broschüre über seine Rechte informiert, so stelle das
noch keine Gefahr nach dem
Strafvollzugsgesetz dar.
Auch handle es sich dabei nicht um verbotene
Rechtsberatung.
Selbst wenn Informationsbroschüren die Einlegung von
Eingaben oder Beschwerden durch die Gefangenen
wahrscheinlicher machten und für die Anstalt Mehrarbeit
bedeuteten, sei dies hinnehmbar, erklärte die 2. Kammer
des Zweiten Senats. Im behandelten Fall gaben die
Karlsruher Richter der Verfassungsbeschwerde eines
Bremer Hochschullehrers und Leiters des
Strafvollzugsarchivs der Uni statt.
Er hatte im Zurückhalten der von einem Häftling der JVA
Straubing/Bayern bei ihm bestellten Info-Broschüre
Positiv in Haft eine Verletzung seiner Meinungsfreiheit
beanstandet. Die Broschüre enthalte Informationen, die
die Gefangenen zu einem vollzugsablehnenden Verhalten
und einer missbräuchlichen Handhabung des
Beschwerderechts veranlassen könnten, begründete die
Gefängnisleitung ihre Maßnahme.
Dagegen gerichtete Beschwerden des Hochschullehrers
blieben vor dem Landgericht Regensburg und dem OLG
Nürnberg erfolglos. Das Verfassungsgericht hob den
Beschluss des Landgerichts auf und wies die Sache zur
erneuten Verhandlung zurück.
AZ: 2 BvR 221/01
***
Mütter haben auch von Erben
von Menschen, die schuld am Tod
ihrer Kinder sind, Anspruch auf Schmerzensgeld. Das hat
das Landgericht Paderborn entschieden und 30.000 Euro
Schmerzensgeld zugesprochen. Ihr eigener Ehemann hatte
2001 in Paderborn seine beiden acht und elf Jahre alten
Kinder umgebracht. Die hinterbliebene Ehefrau nahm nun
erfolgreich ihren Schwager als Erben in Regress.
Az.: 3 O 20/04 ER
***
Ausländer in Deutschland,
die nur über eine Aufenthaltsbefugnis verfügen, dürfen
nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts
nicht generell vom Bezug von Erziehungsgeldes
ausgeschlossen werden. Einen entsprechenden Passus im
Bundeserziehungsgeldgesetz (Paragraf 1 Abs. 1a BErzGG
vom 23. Juni 1993) erklärte der Erste Senat nachträglich
für verfassungswidrig. Die Karlsruher Richter sahen
einen Verstoß gegen das Gebot der Gleichbehandlung.
Der Senat gab damit der Verfassungsbeschwerde einer in
Deutschland lebenden Türkin statt. Sie war vor den
Sozialgerichten mit ihrer Klage gescheitert. Die von ihr
angegriffene Regelung galt bis zum 31. Dezember 2000.
Danach hatte der Gesetzgeber den Kreis der Berechtigten
wieder weiter gefasst.
AZ: 1 BvR 2515/95
***
Ein Rechtsanwalt ist grundsätzlich für
Fehler seiner Büroangestellten
haftbar. Dazu zählen insbesondere Fehler bei der
Überwachung laufender Fristen. Das hat das
Oberlandesgericht Frankfurt entschieden. Der Anwalt des
Klägers hatte es versäumt, die für seinen Mandanten
eingelegte Berufung rechtzeitig zu begründen. Er
entschuldigte dies mit der Erklärung,
seine Bürokraft habe offenbar weisungswidrig die Frist
nicht notiert und ihm die Akten des Mandanten nicht
rechtzeitig vorgelegt. Das Verschulden des Anwalts
wiederum, so die Richter, müsse der Kläger tragen.
Az.: 9 U 44/04
***
Die Versetzung einer Realschulleiterin
wegen Sekten-Vorwürfen ist
rechtmäßig. Das hat das Verwaltungsgericht Mainz
entschieden. Entscheidend sei letztlich der im Zuge der
öffentlichen Debatte eingetretene Vertrauensverlust.
Az: 7 L 982/04.MZ
***
Vor einem Hochwasser müssen die
Behörden frühzeitig warnen,
nicht erst kurz vor einem Dammbruch. Das hat der
Bundesgerichtshof klargestellt. Demnach besteht
spätestens dann eine Amtspflicht zur Warnung der
Bevölkerung, wenn ein Damm stark gefährdet ist, aber
noch gerettet werden kann.
Az: III ZR 200/03
***
Top-Manager dürfen nicht vorzeitig
zu einem Konkurrenzunternehmen gehen. Das hat das
Arbeitsgericht Frankfurt entschieden. und einer
Managerin verboten, vor Ablauf ihres Vertrages Ende Juni
2005 zur Konkurrenz zu wechseln. Die als Managing
Director Anfang 2004 eingestellte Frau hatte ein
Jahresgehalt von rund 1,7 Millionen Euro bezogen. Sie
kündigte das Arbeitsverhältnis von sich aus fristlos,
weil sie der Meinung war, nicht vertragsgemäß
beschäftigt zu werden. Gleichzeitig trat sie bereits mit
einem Konkurrenzunternehmen in Kontakt. Die Managerin
hätte das Arbeitsverhältnis nicht wegen derart pauschal
vorgetragener Kritik fristlos kündigen dürfen, so das
Gericht. Schon weil ihr im Arbeitsvertrag eine
Konkurrenztätigkeit für den Zeitraum der ordentlichen
Kündigungsfrist verboten worden sei, müsse sie sich nun
auch daran halten.
Az: 6 Ga 313/04
***
Die Verurteilung eines Arbeitnehmers
zu einer langjährigen Haftstrafe rechtfertigt noch nicht
automatisch die Kündigung des Arbeitsverhältnisses. Das
hat das Hessische Landesarbeitsgericht in Frankfurt
entschieden. Laut Urteil reicht der von der Firma
lediglich befürchtete Prestigeverlust bei den Kunden
nicht aus, um eine Kündigung wegen der Verurteilung zu
rechtfertigen. Darüber hinaus seien die Straftaten nicht
im Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis verübt worden.
Die Firma sei vielmehr verpflichtet, dem Mitarbeiter mit
der Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses den Freigang zu
ermöglichen.
Az: 11 Sa 704/03
***
Die Arbeitsagentur trägt bei
Arbeitslosen nur die Kosten
für schriftliche Bewerbungen, nicht aber die für
telefonische Anfragen. Das hat das Bundessozialgerichts
entschieden.
AZ: B 7 Al 62/03R
***
Teilen sich mehrere Personen ein
Arbeitszimmer, kann dieses ab
2005 nur noch von einem steuerlich geltend gemacht
werden. Das hat das Bundesfinanzministerium entschieden.
Konnten bisher beispielsweise bei Ehepaaren beide
Partner das Zimmer berechnen, müssen sie sich dann den
Betrag teilen.
AZ: IV B 2-S 2145-7/04
***
Bei einer Auto-Werbung müssen auch die
Überführungskosten konkret
ausgewiesen sein. Das hat das Oberlandesgericht Hamm
entschieden. Bei gewerbsmäßigen Angeboten an den
Endverbraucher reiche nicht der Hinweis zuzügl.
Überführung.
Az: 4 U 137/04
***
Unverheiratete Mütter dürfen beim
Unterhalt für die Betreuung
eines Kindes nicht besser gestellt werden als
Geschiedene. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden.
Danach können Mütter ohne Trauschein vom Vater höchstens
so viel Unterhalt fordern, wie ihm nach Begleichung des
Anspruchs selbst zur Verfügung steht. Weil dieser
Halbteilungsgrundsatz für den nachehelichen Unterhalt
gelte, müsse er erst recht für die - schwächer
ausgestalteten - Ansprüche zwischen Unverheirateten
gelten, argumentierte der Familiensenat.
Az: XII ZR 121/03
***
Von Sozialhilfe lebende Mütter müssen
Gutscheine für gebrauchte
Babykleidung akzeptieren. Das hat das Düsseldorfer
Verwaltungsgerichts entschieden. Das Tragen gebrauchter
Kinderkleidung sei in allen Schichten der Bevölkerung
weit verbreitet, so die Richter.
Az.: 21 L 3089/02
***
Die Unabhängige Flugbegleiter
Organisation (UFO) ist eine
Gewerkschaft und zu Tarifabschlüssen berechtigt. Das hat
das Bundesarbeitsgericht entschieden.
Az.: 1ABR 51/03
***
Die Stadt Jever
muss einem Bürger für die Abnutzung seiner Schuhe durch
gestreutes Granulat keinen Schadenersatz zahlen. Eine
entsprechende Klage wies das Landgericht Oldenburg als
unbegründet zurück. Nach Ansicht des Gerichts stellt das
gegen Schnee- und Eisglätte gestreute
Granulat-Salz-Gemisch keine Amtspflichtverletzung der
beklagten Kommune dar.
Az.: 5 O 3480/04
***
Piloten dürfen mit 60 Jahren in den
Ruhestand geschickt werden.
Eine entsprechende Regelung im Tarifvertrag verletzt
nicht die im Grundgesetz geschützte Berufsfreiheit. Das
hat Bundesverfassungsgericht entschieden. Die
Altersgrenze diene einem besonders wichtigen
Gemeinschaftsgut, nämlich dem Schutz von Leben und
Gesundheit der Passagiere. Es entspreche der
Lebenserfahrung, dass die Gefahr einer Beeinträchtigung
der Leistungsfähigkeit mit zunehmendem Alter steige.
Az: 1 BvR 2459/04
***
Hat ein Arbeitgeber Prämien wie zum
Beispiel Weihnachtsgeld überwiesen,
so kann er diesen Betrag nicht mehr zurückfordern. Das
hat das Arbeitsgericht Frankfurt entschieden. Im
konkreten Fall hatte ein Arbeitnehmer eine
Leistungsprämie erhalten, diese wurde allerdings später
wieder vom Lohn abgezogen. Zu unrecht entschieden die
Richter.
AZ: 9 Ca 2801/04
***
Resturlaub muss bis zum 31. März des
Folgejahres aufgebraucht
werden. Das hat das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz
entschieden. In jedem Fall sollte das Vorgehen mit dem
Chef abgestimmt sein. Solche Vereinbarungen können auch
schriftlich festgehalten werden.
Az: 5 Sa 209/04
***
Die Idee, für eine typische
Spielsituation Puppen mit dem
entsprechenden Zubehör herzustellen und zu vertreiben,
genießt grundsätzlich keinen wettbewerbsrechtlichen
Schutz. Barbie-Hersteller Mattel hatte versucht, für die
Produktlinie des Fürther Spielwarenherstellers Simba
Toys Steffi Love ein Verbot von Spielthemen wie
Tierärztin oder Bäckerin zu erreichen. Der BGH wies die
Klage des US-Konzerns mit Hinweis auf die Freiheit des
Wettbewerbs ab.
Az.: I ZR 326/01
***
Vereinbarungen über das Nehmen von
Resturlaub erst im nächsten
Jahr sollten Beschäftigte mit ihrem Arbeitgeber
möglichst schriftlich treffen. Das hat das
Landesarbeitsgericht Mainz entschieden. Nach dem
Richterspruch muss der Arbeitnehmer auf jeden Fall
beweisen, dass sein Resturlaub aus dem vorangegangenen
Jahr auf die Zeit nach dem 31. März des darauf folgenden
Jahres übertragen wurde
Az.5 Sa 209/04
***
Wer seinen Anspruch auf Krankentagegeld
voreilig einklagt, muss die
Prozesskosten tragen. Das hat das Saarländische
Oberlandesgericht entschieden. Der Leistungsanspruch
gegen die Versicherung werde erst fällig, wenn diese
ihre Zahlungspflicht ausreichend habe prüfen können, so
die Richter.
Az.: 5 W 85/04-31
***
Die Bundesagentur für Arbeit hat
etlichen Arbeitslosen wegen
einer fehlenden Härtefallregelung seit 2002 zu Unrecht
Arbeitslosenhilfe verweigert. Wie das
Bundessozialgericht in Kassel entschied, hätten bei der
Prüfung der Bedürftigkeit von Arbeitslosen ohne
Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung
Versicherungen zur privaten Altersvorsorge nicht als
Vermögen berücksichtigt werden dürfen.
AZ.: B 7 AL 30/04 R
***
Ein freiwilliges soziales Jahr
kann in der Steuererklärung nicht
als Berufsausbildung geltend gemacht werden. Das geht
aus einem Urteil des Bundesfinanzhofes hervor.
Az.: III R 3/03
***
Richter können sich nicht vor dem
Bundesgerichtshof, wohl aber
vor dem Bundesverfassungsgericht gegen drastische
Sparmaßnahmen in der Justiz wehren. Das hat der BGH
entschieden. Das Karlsruher Gericht wies die Revision
eines Berliner Familienrichters ab, der seine
richterliche Unabhängigkeit durch unzureichende
Ausstattung mit Personal und Fachliteratur gefährdet
sah.
Az: RiZ(R) 2/03
***
Arbeitslose haben auch dann Anspruch
auf Krankengeld, wenn sie
statt Vollzeit wegen einer Erkrankung nur noch Teilzeit
arbeiten können. Das hat das Bundessozialgericht
entschieden. Wenn ein Arbeitsloser eine Vollzeitstelle
suche, aber aus gesundheitlichen Gründen nur noch
halbtags arbeiten könne, sei er arbeitsunfähig.
AZ.: B 1 KR 5/03 R
***
Prostituierte aus Rumänien haben
in der Regel keinen Anspruch auf ein Einreise-Visum. Die
Behauptung, sich in Deutschland als selbstständige
Prostituierte niederlassen zu wollen, reiche nicht, so
das Berliner Verwaltungsgericht. Die angestrebte
Selbstständigkeit müsse nachgewiesen werden.
Az.: VG 11 V 51.04, VG 11 V 54.04 und VG 11
V55.04
***
Gesundheitsstörungen, die sich leicht
und risikolos beheben oder
mildern lassen, bewirken keine echte Berufsunfähigkeit.
Das hat das Saarländische Oberlandesgericht entschieden.
Insbesondere komplikationsfreie Therapiemaßnahmen seien
jedem Betroffenen zumutbar.
Az.: 5 U 683/03-64
***
Ein Reisender hat Anspruch auf
Rückerstattung der
Reisekosten, wenn er seine Reise wegen kurzfristiger
Änderungen der Einreisebestimmungen nicht antreten kann.
Es handele sich um höhere Gewalt, die der Reisende nicht
zu vertreten habe, entschied das Oberlandesgericht
Frankfurt.
Az.: 16 U 49/04).
***
Der Einsatz des umstrittenen Roboters
Robodoc bei
Hüftgelenkoperationen ist bei entsprechender Aufklärung
des Patienten kein ärztlicher Behandlungsfehler. Der 8.
Zivilsenat des Oberlandesgerichts Frankfurt wies die
Klage einer Frau ab, die 1995 nach dem damals neuen
Verfahren operiert worden war. Nach der Operation waren
ein Nervenschaden sowie eine Thrombose am Bein
aufgetreten.
Az: 8 U 194/03
***
Wer einen Diebstahl nicht umgehend bei
der Versicherung meldet,
bleibt möglicherweise auf dem Schaden sitzen. Das geht
aus einem Urteil des Landgerichts München hervor. Im
konkreten Fall hatte ein Mieter den Diebstahl zwar
sofort bei der Polizei, aber erst drei Wochen später bei
der Versicherung angezeigt.
Az.: 20 S 7631/03
***
Miet-Erhöhungen müssen eine genaue
Aufstellung der Einzelposten
beinhalten und ausführlich begründet sein. Nur so können
Mieter objektiv entscheiden, ob sie der Erhöhung
zustimmen. Das geht aus einem Urteil des
Bundesgerichtshofs hervor.
Az. VIII ZR 234/03
***
Eine Ehefrau, die ihren Mann in der
gemeinsamen Wohnung weiter versorgt,
kann nicht auf eigenen Wunsch vorzeitig geschieden
werden. Sie muss vielmehr eine Frist von mindestens
einem Jahr Trennung abwarten. das hat das
Oberlandesgericht Koblenz entschieden. In dem konkreten
Fall lebten die Eheleute nicht getrennt, so dass die
gesetzliche Vermutung, die Ehe sei gescheitert, nicht
gelte.
Az.: 11 UF 567/01
***
Ein Fahrtenbuch, ob aus Steuergründen
geführt oder von einer
Bußgeldstelle angeordnet, muss grundsätzlich
handschriftlich geführt werden. Das hat das
Kammergericht Berlin entschieden.
2 Ss 114/94-3
***
Die Kosten für einen Sprachkurs an der
Volkshochschule können unter
Umständen beim Finanzamt geltend gemacht werden. Das hat
das Finanzgericht München entschieden. Dient die
Fortbildung zur Qualifikation im Job und wird vom Chef
auch anerkannt, können die Kursgebühren als
Werbungskosten geltend gemacht werden.
Az.: 13 K 15/00
***
Eine private Krankenversicherung muss
die künstliche Befruchtung
einer Frau grundsätzlich nur einmal finanzieren. Das
haben das Landgericht Coburg und das Oberlandesgericht
Bamberg entschieden.
Az: 1 U 98/04; rechtskräftig
***
Wenn beim Zusammenschluss zweier
Krankenkassen der Beitragssatz
steigt, haben die Versicherten das Recht zu kündigen und
zu einer preiswerteren Kasse zu wechseln. Das entschied
hat Bundessozialgericht in Kassel. Das
Sonderkündigungsrecht von Kassenmitgliedern bei einer
Beitragserhöhung gelte auch dann, wenn die Anhebung im
Zuge einer Kassenfusion vorgenommen werde, urteilten die
Richter.
AZ.: B 12 KR 16/04 R
***
Irakische Kurden, die sich für PKK-nahe
Kulturvereine engagieren,
müssen nicht eingebürgert werden. Ein Anspruch auf
Einbürgerung bestehe nicht, wenn der Bewerber
verfassungsfeindliche Bestrebungen unterstützt habe.
Az.: 5 K 3/04.NW
***
Schwerhörige können von ihrem Arzt eine
schriftliche Diagnose verlangen.
Das hat das
Bundesverfassungsgericht entschieden. Eine 88jährige
Patientin hatte die mündlichen Erläuterungen des Arztes
wegen ihrer Hörschwäche nicht verstanden - ebenso wenig
wie ihre ebenfalls schwerhörige Tochter, die sie in die
Praxis begleitet hatte. Trotz wiederholter Nachfragen
lehnte der Mediziner eine genauere Auskunft ab.
Az: 1 BvR 2315/04
***
Ein Bürger trägt grundsätzlich die
Beweislast dafür, dass die ihm
von seiner Gemeinde ausgestellte Wasserrechnung
fehlerhaft ist. Das hat das Verwaltungsgericht Frankfurt
entschieden. Das gilt jedenfalls, wenn Untersuchungen
ergeben haben, dass der beim Verbraucher installierte
Wasserzähler einwandfrei funktioniert.
Az.: 6 E 714/04
***
Ein Arbeitgeber muss bei nicht
fristgerechter Kündigung der
Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband eine Tariferhöhung
an Mitarbeiter weitergeben. Das entschied das
Bundesarbeitsgericht.
Az.: 4 AZR 55/04
***
Ein Arbeitnehmer hat auch im
Krankheitsfall einen Anspruch
auf Feiertagszuschlag, selbst wenn dies in einer
Betriebsvereinbarung und nicht im Tarifvertrag geregelt
ist. Das hat das Bundesarbeitsgericht entschieden.
Az.: 5 AZR 68/04
***
Ledige Mütter dürfen beim Unterhalt
für die Betreuung eines Kindes nicht wesentlich
schlechter behandelt werden als geschiedene Ehepartner.
Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) vom
Mittwoch gebietet das Wohl des Kindes zumindest eine
annähernde Gleichbehandlung. Das Karlsruher Gericht
urteilte, dass der zahlungspflichtige Kindesvater nicht
- wie bisher üblich - 1.000 Euro pro Monat für den
eigenen Lebensunterhalt behalten darf, wenn sein
Einkommen für die Zahlung des vollen Unterhalts nicht
ausreicht. Laut BGH können die Gerichte einen
Selbstbehalt zwischen 840 und 1.000 Euro festsetzen.
Az: XII ZR 3/03
***
Das Verschweigen von Vermögen beim
Antrag auf Bundesausbildungsförderung (Bafög)
ist nicht nur eine Ordnungswidrigkeit, sondern erfüllt
den Tatbestand des Betrugs. Das hat das Bayerische
Oberste Landesgericht in München entschieden.
AZ.: 1St RR 129/04
***
Die Betreiber von Waschanlagen können
die Haftung für Schäden an den
gereinigten Autos nicht ausschließen. Der
Bundesgerichtshof (BGH) hat zwei entsprechende Klauseln
für unwirksam erklärt. Eine solche Bestimmung in den
Geschäftsbedingungen benachteilige die Autobesitzer
unangemessen, weil sie auf eine schadlose Reinigung
ihres Wagens vertrauen dürften.
Az: X 133/03
***
Banken können bei der Berechnung einer
so genannten Vorfälligkeitsentschädigung,
die bei vorzeitiger Ablösung eines Immobilienkredits
anfällt, nur einen Ausgleich für ihre tatsächlichen
Einbußen verlangen. Das hat der Bundesgerichtshof
klargestellt. Das Karlsruher Gericht sprach sich gegen
die Anwendung des so genannten PEX-Index als
Berechnungsgrundlage aus.
Az: XI ZR 285/03
***
***
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