Görlitz 24. Jahrgang - 2005

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Auf ein Wort...
Hartz IV hat neue Begehrlichkeiten geweckt. Nicht, dass uns das wirklich überraschen würde. Wenn Menschen jetzt für einen €uro fast jede beliebige Arbeit annehmen müssen, dann fragt sich natürlich mancher Arbeitgeber, weshalb dies nicht in seinem Betrieb gehen sollte. Und das kann man ja verstehen.

FAKTuell

Christopher Ray

Editorial

Wenn ich ein privates Alten- und Pflegeheim hätte, dann würde ich wohl auch begehrlich nach den 1-€-Jobbern Ausschau halten, die künftig die sogenannten Wohlfahrtsorganisationen (vom ASB bis DRK) rentabler machen sollen.
Und wenn erstmal die Dämme gebrochen sind, dann wird sich keine Branche diese vermeintliche Chance entgehen lassen wollen.

Frankfurter Rundschau am 10.1.2005:
DIHK-Präsident Martin Wansleben forderte in der Bild am Sonntag eine flächendeckende Einführung von Ein-Euro-Jobs auch in der Wirtschaft. Die Betriebe könnten für die Einstellung von Langzeitarbeitslosen eine "individuell vereinbarte, marktgerechte Gebühr" von drei oder vier Euro pro Stunde an die Arbeitsagentur zahlen. Die Betroffenen würden aber lediglich einen Euro pro Stunde zusätzlich zum Arbeitslosengeld (ALG) II erhalten.

Hier wird mit einer an Zynismus nicht zu überbietenden Selbstverständlichkeit ein neues System von Sklavenmarkt gefordert, dass es einem Angst und Bange werden kann. Der Staat vermietet seine Arbeitslosen für 4 €uro die Stunde, und behält davon 75% als Leihgebühr. Bei 4x40 Stunden im Monat, sind das stolze 480.-€, die an die sogenannte Arbeitsagentur abgeführt werden. Bei ALG-II Ansprüchen von 345 € (Ost: 331 €) bleiben 135 bis 149 € monatlich für die Arbeitsagentur. Das sind pro sogenanntem Fallmanager, der 75 ALG-II-Empfänger betreut, im Westen 10.125 € und im Osten 11.175 € im Monat an Überschuss.

Man könnte das natürlich auch als Steuerreform für Zwangsarbeiter sehen. Statt der üblichen Grundfreibeträge, die jeden ALG-II Empfänger steuerfrei stellen würden, werden für den Westen 39,13% und für den Osten 43,81% "ALG-II-Lohnsteuer" fällig.

Bei derzeit rund 2,8 Millionen ALG-II Bezugsberechtigten ergibt das, bei einem Mittelwert von 140 €/Monat die stolze Summe von rund 4,7 Milliarden (4.700.000.000 €)
an ALG-II-Lohnsteuer pro Jahr. Damit könnte man doch glatt die Spitzensteuersätze für Großverdiener senken, und Schröder nochmal 4 Jahre im Amt halten.

Sie dürfen jetzt weitermachen ;-)
Christopher Ray                                                    
10. Januar 2005

Ray@FAKTuell.de 

 

 

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