Stalking - Liebeswahn
von Monika Berger-Lenz 12.05.2000
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Nachtrag
- Februar 2002
Ein
aktuelles Buch zum Thema Stalking, mit Fallgeschichten, Urteilen und
Lösungen erscheint im März 2002 im FAKTuell-Verlag.
Fast zwei Jahre Recherche und Interviews sind diesem Buch vorausgegangen.
Thematisch wurde in der Edition 2IN1 das Thema Persönlichkeitsentwicklung
eingegliedert - als eine der erfolgversprechendsten Möglichkeiten, sich
gegen Übergriffe und Stalking nachhaltig zu schützen.
Hardcover ISBN 3-8311-3018-3
Stalking - kann jeden
treffen...
Wenn die Liebe
zum Wahn wird, zur Bedrohung und zur Manie - das wird in diesem Buch
beschrieben. Hautnah und ohne Tabu. Von Betroffenen auf beiden Seiten.
Stalker und deren Opfer haben wir interviewt.
Auch die wenigen wirksamen Mittel und was die deutschen Gesetze als Schutz
und Abwehr bieten, sind Thema. Gerichtsurteile mit Aktenzeichen eingebunden!
Eine starke Persönlichkeit ist der beste Schutz, auch gegen
Stalking. Deshalb haben wir den Crashkurs Erfolg
ist machbar in
dieses Buch eingebunden. Der Persönlichkeitstrainer Eric E. deWitt hat mit
Hilfe von Christopher Ray eine sofort praktizierbare Anleitung für den
Schritt von der Person zur Persönlichkeit verfasst , die ohne besondere
Voraussetzungen sofort von jedem/jeder einzusetzen ist. Beide Autoren haben
in den letzten zwei Jahrzehnten erfolgreich Seminare nach der deWitt-Methode
geleitet.
Das Buch ist in dem Stil geschrieben, der FAKTuell-Sachbücher auszeichnet:
Unterhaltsam, spannend, leicht verständlich und voll auf den Punkt.
Hardcover - Fester
Einband
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Brad Pitt trifft es. Lady Diana hat es getroffen. Sabine
Christiansen ist es ebenfalls nicht fremd. Stalking, die Jagd auf einen
vermeintlichen Partner. Wenn die Liebe einseitig auftritt und das Objekt der
Begierde unbekannt oder unerreichbar ist. Diese Tatsache aber geleugnet und
aus Liebe Liebesterror wird.
Eine Sonderform ist die "Liebe" vom Fan zum
Star, bei der die Fans sich eine tiefe Beziehung (auch nichtsexueller Art)
zu ihrem Star einreden. Robert de Niro hat das in "Der Fan" so
bedrückend realistisch dargestellt. Das gleiche Symptom, das Ex-Beatle John
Lennon das Leben kostete.
Susanne Schumacher hat Fallbeispiele, Interviews mit
Betroffenen und Expertenmeinungen in ihrem Buch Liebeswahn (Verlag: vgs)
zusammengestellt. Auch die rechtliche Situation wird ausführlich
gewürdigt. Durchaus empfehlenswert. Insbesondere durch die Schilderung von
Alltagsfällen. Denn da wird deutlich, dass es keinerlei Prominenz bedarf um
ein Stalking-Opfer zu werden. Nur Menschen mit einer verwirrten
Gefühlswelt, die einen zum Ziel unerwünschter Begierden werden lässt. Der
Schritt vom "hartnäckigen Verehrer" zum Stalker ist ein sehr
kleiner. Und es trifft Männer und Frauen aus allen Schichten.
Ein meist harmloser Typus ist der / die StalkerIn, der
aller Welt erzählt, in einem festen Verhältnis mit dem Opfer zu leben.
Meist handelt es sich um eine Person, mit der der Stalker befreundet oder
gut bekannt ist. Manchmal geht das über Jahre, ohne dass das betroffene
Opfer etwas davon erfährt. Erst durch Zufall wird publik, dass man
angeblich mit dem Stalker zusammenlebt. Zur Rede gestellt leugnet er es ab.
Im Beisein von Dritten flieht er aus der Situation. Erzählt diesen dann
später es wäre nur ein Streit gewesen, der ja in jeder Beziehung einmal
vorkommen kann.
Häufig sind Stalker unter verlassenen Partnern zu finden.
Da fehlt die Akzeptanz, dass eine Beziehung beendet ist. Alte
(vermeintliche) Ansprüche, Eifersucht und die Unfähigkeit sich mit der
Realität abzufinden, führen zu den unterschiedlichsten Handlungen.
Beispiele:
Da handelt der verlassene Ehemann so, als wäre seine Frau nur
vorübergehend abwesend. Obwohl die längst einen neuen Partner gefunden
oder gar wieder geheiratet hat. Er steht plötzlich vor der Tür, ruft rund
um die Uhr an, oder fordert sogar das ein, was er unter ehelichen Pflichten
versteht. Oft führen diese Situationen zu Gewalttaten, die sich gegen den
früheren Partner und dessen Freundes- und Bekanntenkreis richten. Der
Stalker wähnt sich noch immer in einer festen Beziehung mit seinem Opfer,
und glaubt sich im Recht.
Ein Psychiater berichtet: Da ist diese Frau, die nach
einem kurzen Verhältnis ein Traumbild von einer Partnerschaft aufbaut.
Obwohl das Ziel ihrer Gefühle sich in aller Deutlichkeit von ihr getrennt
hatte. Sie ruft weiterhin an, steht oft vor seiner Tür, und ignoriert auch
das genervt vorgetragene: "Zwischen uns ist nichts..."
In ihrem Bekanntenkreis erzählt sie von Zukunftsplänen, sogar von einer
bevorstehenden Heirat. Sie erscheint unaufgefordert mit Bergen von
Medikamenten und Lebensmitteln bei ihrem vereinnahmten Opfer, wenn dieses
mit einem harmlosen Schnupfen das Bett hütet. Sie schaut sich größere
Wohnungen oder Häuser an. Angeblich im Auftrag ihres künftigen
Lebenspartners. Das macht sie für sich und ihre Umwelt sehr glaubhaft. Ist
sie doch ansonsten als nüchterner, sachlicher Mensch mit hohem
intellektuellen Potential bekannt.
Dieser Stalkertyp ist durch eine tiefe seelische Störung
zu keiner normalen Beziehung fähig. Das krankhafte Verhalten bleibt ihr
selbst verborgen. Sie fühlt sich im Recht und immer vom Leben betrogen.
Alle Beziehungen enden nach dem gleichen Muster. Schon nach der Lehre fällt
sie auf den Hauscasanova herein. Obwohl der eine andere schwängert und
heiratet, hält sie ihn für die Liebe ihres Lebens. Sie steht während der
Schwangerschaft seiner Partnerin fast täglich stundenlang vor dem Haus
ihres Geliebten. Noch Jahre später schläft sie mit ihm und glaubt sich in
der einzig echten Beziehung mit diesem Mann, der nach ihrer Meinung nur aus
Anstand bei der Mutter seines Kindes bleibt. Er schläft nur noch mit
ihr, weil er selbst schwach ist und Angst davor hat, dass sie seiner Frau
von dem ehemaligen Verhältnis erzählt. Sie sieht ihre eigene Erpressung
nicht, und ist ihm treu, bis sie den nächsten Mann ihres Lebens findet.
Ihr nächstes Opfer ist ihr Chef. Von dem bekommt sie ein
Kind, wird aber dennoch auf die Straße gesetzt. Er ist verheiratet, hat
ihrem aufdringlichen Werben in einem Moment der Schwäche nachgegeben, sich
aber allen Erpressungsversuchen verweigert. Statt der verlangten Scheidung
erhielt Sie die Papiere - von seiner Ehefrau. Daraufhin versucht sie die
Firma zu ruinieren. In ihrer Welt hat die Ehefrau sich zwischen sie und
ihren Partner gestellt. Natürlich aus finanziellen Erwägungen. Wenn es ihr
gelingt das Unternehmen in die Pleite zu schicken, dann wird sie den Mann
für sich haben - glaubt sie. Funktioniert aber nicht. Und für das Kind
erhält sie keine Mark.
Danach kommen ein paar Studienräte und Professoren, die
sie durch ihre volle Vereinnahmung auch nicht halten kann. Briefe und
Telefonterror sind wieder an der Tagesordnung. In Hausfluren, an zugigen
Straßenecken und vor den Stammlokalen ihrer Ex-Liebhaber verbringt sie den
größten Teil ihrer freien Zeit. Einen der Männer überwacht sie über
Jahre. Fährt dabei bei Wind und Wetter rund 70 Kilometer zu dessen Haus.
Dort beobachtet sie von einem nahen Waldstück aus was dort vor sich geht.
Sie will mit ihm leben, oder sein Leben zerstören. Dabei stellt sie sich
allerdings recht ungeschickt an. Zum Glück für die potentiellen Opfer.
Eine spätere Beziehung eskaliert. Das liegt wohl an ihrem
Alter, wie ein Psychologe bei der Fallstudie meint: "Das war für diese
Frau der finale Partner. Der soll jetzt mit aller Gewalt zurückgeholt oder
zerstört werden." Da wird lange nach Abschluss der Beziehung die
Wohnung des Mannes ausgeräumt. "In seinem Interesse
sichergestellt", nennt sie das. Während eines geschäftlichen
Aufenthalts im Ausland bereitet sie seine Rückkehr in eine gemeinsame
Wohnung vor. Natürlich ohne seine Kenntnis. Als er sie davon informiert,
dass er im Ausland bleibt und heiraten wird, bricht ihre Welt wieder einmal
zusammen.
Die seit Jahrzehnten bekannte Tour beginnt, diesmal
allerdings noch extremer. Wieder versucht sie eine Existenz zu zerstören,
weil sie dann mit der reuevollen Rückkehr rechnet. Sie besticht Zeugen,
stiehlt persönliche Unterlagen, begeht Urkundenfälschungen. Wenn sie in
der Nacht total betrunken bei ihm anruft, will sie ihn "nur
zurück". Am Tag darauf, wenn sie nüchtern ist, droht sie damit ihn zu
zerstören. Mehrmals kündigt sie an, sie werde: "...mit einer Truppe
vor deiner Tür auftauchen..."! Eine Strafanzeige gibt darüber
Aufschluss, dass sie ihren krankhaften Gefühlen gegenüber hilflos ist und
all ihre erfundenen Vorwürfe und Darstellungen für die Wahrheit hält.
Durch ihr seriöses Auftreten außerhalb ihrer Wahnbeziehungen findet sie
immer wieder Verbündete, die ihren Fantasien Glauben schenken. "Erst
eine Einweisung in eine Heilanstalt kann ihr und ihren Opfern aus dem
Dilemma helfen", resigniert der Leiter eines psychiatrischen
Krankenhauses.
In Susanne Schumachers Buch finden sich weitere Beispiele.
Insbesondere die Briefwechsel, die sie sehr ausführlich dokumentiert, sind
sehr beeindruckend. Das Phänomen Stalking tritt weit häufiger auf, als
bekannt wird, und trifft immer mehr Menschen. Morgen können auch Sie zum
Opfer werden. Ohne ihr Zutun.
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