Görlitz 24. Jahrgang - 2005

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Stalking - Liebeswahn  
von Monika Berger-Lenz 12.05.2000

Nachtrag - Februar 2002    

Ein aktuelles Buch zum Thema Stalking, mit Fallgeschichten, Urteilen und Lösungen erscheint im März 2002 im FAKTuell-Verlag. Fast zwei Jahre Recherche und Interviews sind diesem Buch vorausgegangen. Thematisch wurde in der Edition 2IN1 das Thema Persönlichkeitsentwicklung eingegliedert - als eine der erfolgversprechendsten Möglichkeiten, sich gegen Übergriffe und Stalking nachhaltig zu schützen.   Hardcover  ISBN 3-8311-3018-3 

Stalking - kann jeden treffen...
Wenn die Liebe zum Wahn wird, zur Bedrohung und zur Manie - das wird in diesem Buch beschrieben. Hautnah und ohne Tabu. Von Betroffenen auf beiden Seiten. Stalker und deren Opfer haben wir interviewt.
Auch die wenigen wirksamen Mittel und was die deutschen Gesetze als Schutz und Abwehr bieten, sind Thema. Gerichtsurteile mit Aktenzeichen eingebunden!

Eine starke Persönlichkeit ist der beste Schutz, auch gegen Stalking. Deshalb haben wir den Crashkurs
Erfolg ist machbar in dieses Buch eingebunden. Der Persönlichkeitstrainer Eric E. deWitt hat mit Hilfe von Christopher Ray eine sofort praktizierbare Anleitung für den Schritt von der Person zur Persönlichkeit verfasst , die ohne besondere Voraussetzungen sofort von jedem/jeder einzusetzen ist. Beide Autoren haben in den letzten zwei Jahrzehnten erfolgreich Seminare nach der deWitt-Methode geleitet.

Das Buch ist in dem Stil geschrieben, der FAKTuell-Sachbücher auszeichnet: Unterhaltsam, spannend, leicht verständlich und voll auf den Punkt.
Hardcover - Fester Einband

Das Buch zum Thema

Brad Pitt trifft es. Lady Diana hat es getroffen. Sabine Christiansen ist es ebenfalls nicht fremd. Stalking, die Jagd auf einen vermeintlichen Partner. Wenn die Liebe einseitig auftritt und das Objekt der Begierde unbekannt oder unerreichbar ist. Diese Tatsache aber geleugnet und aus Liebe Liebesterror wird.

Eine Sonderform ist die "Liebe" vom Fan zum Star, bei der die Fans sich eine tiefe Beziehung (auch nichtsexueller Art) zu ihrem Star einreden. Robert de Niro hat das in "Der Fan" so bedrückend realistisch dargestellt. Das gleiche Symptom, das Ex-Beatle John Lennon das Leben kostete.

Susanne Schumacher hat Fallbeispiele, Interviews mit Betroffenen und Expertenmeinungen in ihrem Buch Liebeswahn (Verlag: vgs) zusammengestellt. Auch die rechtliche Situation wird ausführlich gewürdigt. Durchaus empfehlenswert. Insbesondere durch die Schilderung von Alltagsfällen. Denn da wird deutlich, dass es keinerlei Prominenz bedarf um ein Stalking-Opfer zu werden. Nur Menschen mit einer verwirrten Gefühlswelt, die einen zum Ziel unerwünschter Begierden werden lässt. Der Schritt vom "hartnäckigen Verehrer" zum Stalker ist ein sehr kleiner. Und es trifft Männer und Frauen aus allen Schichten.

Ein meist harmloser Typus ist der / die StalkerIn, der aller Welt erzählt, in einem festen Verhältnis mit dem Opfer zu leben. Meist handelt es sich um eine Person, mit der der Stalker befreundet oder gut bekannt ist. Manchmal geht das über Jahre, ohne dass das betroffene Opfer etwas davon erfährt. Erst durch Zufall wird publik, dass man angeblich mit dem Stalker zusammenlebt. Zur Rede gestellt leugnet er es ab. Im Beisein von Dritten flieht er aus der Situation. Erzählt diesen dann später es wäre nur ein Streit gewesen, der ja in jeder Beziehung einmal vorkommen kann.

Häufig sind Stalker unter verlassenen Partnern zu finden. Da fehlt die Akzeptanz, dass eine Beziehung beendet ist. Alte (vermeintliche) Ansprüche, Eifersucht und die Unfähigkeit sich mit der Realität abzufinden, führen zu den unterschiedlichsten Handlungen.

Beispiele:
Da handelt der verlassene Ehemann so, als wäre seine Frau nur vorübergehend abwesend. Obwohl die längst einen neuen Partner gefunden oder gar wieder geheiratet hat. Er steht plötzlich vor der Tür, ruft rund um die Uhr an, oder fordert sogar das ein, was er unter ehelichen Pflichten versteht. Oft führen diese Situationen zu Gewalttaten, die sich gegen den früheren Partner und dessen Freundes- und Bekanntenkreis richten. Der Stalker wähnt sich noch immer in einer festen Beziehung mit seinem Opfer, und glaubt sich im Recht.

Ein Psychiater berichtet: Da ist diese Frau, die nach einem kurzen Verhältnis ein Traumbild von einer Partnerschaft aufbaut. Obwohl das Ziel ihrer Gefühle sich in aller Deutlichkeit von ihr getrennt hatte. Sie ruft weiterhin an, steht oft vor seiner Tür, und ignoriert auch das genervt vorgetragene: "Zwischen uns ist nichts..." 
In ihrem Bekanntenkreis erzählt sie von Zukunftsplänen, sogar von einer bevorstehenden Heirat. Sie erscheint unaufgefordert mit Bergen von Medikamenten und Lebensmitteln bei ihrem vereinnahmten Opfer, wenn dieses mit einem harmlosen Schnupfen das Bett hütet. Sie schaut sich größere Wohnungen oder Häuser an. Angeblich im Auftrag ihres künftigen Lebenspartners. Das macht sie für sich und ihre Umwelt sehr glaubhaft. Ist sie doch ansonsten als nüchterner, sachlicher Mensch mit hohem intellektuellen Potential bekannt.

Dieser Stalkertyp ist durch eine tiefe seelische Störung zu keiner normalen Beziehung fähig. Das krankhafte Verhalten bleibt ihr selbst verborgen. Sie fühlt sich im Recht und immer vom Leben betrogen. Alle Beziehungen enden nach dem gleichen Muster. Schon nach der Lehre fällt sie auf den Hauscasanova herein. Obwohl der eine andere schwängert und heiratet, hält sie ihn für die Liebe ihres Lebens. Sie steht während der Schwangerschaft seiner Partnerin fast täglich stundenlang vor dem Haus ihres Geliebten. Noch Jahre später schläft sie mit ihm und glaubt sich in der einzig echten Beziehung mit diesem Mann, der nach ihrer Meinung nur aus Anstand bei der Mutter seines Kindes bleibt. Er schläft nur noch mit ihr, weil er selbst schwach ist und Angst davor hat, dass sie seiner Frau von dem ehemaligen Verhältnis erzählt. Sie sieht ihre eigene Erpressung nicht, und ist ihm treu, bis sie den nächsten Mann ihres Lebens findet. 

Ihr nächstes Opfer ist ihr Chef. Von dem bekommt sie ein Kind, wird aber dennoch auf die Straße gesetzt. Er ist verheiratet, hat ihrem aufdringlichen Werben in einem Moment der Schwäche nachgegeben, sich aber allen Erpressungsversuchen verweigert. Statt der verlangten Scheidung erhielt Sie die Papiere - von seiner Ehefrau. Daraufhin versucht sie die Firma zu ruinieren. In ihrer Welt hat die Ehefrau sich zwischen sie und ihren Partner gestellt. Natürlich aus finanziellen Erwägungen. Wenn es ihr gelingt das Unternehmen in die Pleite zu schicken, dann wird sie den Mann für sich haben - glaubt sie. Funktioniert aber nicht. Und für das Kind erhält sie keine Mark.

Danach kommen ein paar Studienräte und Professoren, die sie durch ihre volle Vereinnahmung auch nicht halten kann. Briefe und Telefonterror sind wieder an der Tagesordnung. In Hausfluren, an zugigen Straßenecken und vor den Stammlokalen ihrer Ex-Liebhaber verbringt sie den größten Teil ihrer freien Zeit. Einen der Männer überwacht sie über Jahre. Fährt dabei bei Wind und Wetter rund 70 Kilometer zu dessen Haus. Dort beobachtet sie von einem nahen Waldstück aus was dort vor sich geht. Sie will mit ihm leben, oder sein Leben zerstören. Dabei stellt sie sich allerdings recht ungeschickt an. Zum Glück für die potentiellen Opfer.

Eine spätere Beziehung eskaliert. Das liegt wohl an ihrem Alter, wie ein Psychologe bei der Fallstudie meint: "Das war für diese Frau der finale Partner. Der soll jetzt mit aller Gewalt zurückgeholt oder zerstört werden." Da wird lange nach Abschluss der Beziehung die Wohnung des Mannes ausgeräumt. "In seinem Interesse sichergestellt", nennt sie das. Während eines geschäftlichen Aufenthalts im Ausland bereitet sie seine Rückkehr in eine gemeinsame Wohnung vor. Natürlich ohne seine Kenntnis. Als er sie davon informiert, dass er im Ausland bleibt und heiraten wird, bricht ihre Welt wieder einmal zusammen.

Die seit Jahrzehnten bekannte Tour beginnt, diesmal allerdings noch extremer. Wieder versucht sie eine Existenz zu zerstören, weil sie dann mit der reuevollen Rückkehr rechnet. Sie besticht Zeugen, stiehlt persönliche Unterlagen, begeht Urkundenfälschungen. Wenn sie in der Nacht total betrunken bei ihm anruft, will sie ihn "nur zurück". Am Tag darauf, wenn sie nüchtern ist, droht sie damit ihn zu zerstören. Mehrmals kündigt sie an, sie werde: "...mit einer Truppe vor deiner Tür auftauchen..."! Eine Strafanzeige gibt darüber Aufschluss, dass sie ihren krankhaften Gefühlen gegenüber hilflos ist und all ihre erfundenen Vorwürfe und Darstellungen für die Wahrheit hält. Durch ihr seriöses Auftreten außerhalb ihrer Wahnbeziehungen findet sie immer wieder Verbündete, die ihren Fantasien Glauben schenken. "Erst eine Einweisung in eine Heilanstalt kann ihr und ihren Opfern aus dem Dilemma helfen", resigniert der Leiter eines psychiatrischen Krankenhauses.

In Susanne Schumachers Buch finden sich weitere Beispiele. Insbesondere die Briefwechsel, die sie sehr ausführlich dokumentiert, sind sehr beeindruckend. Das Phänomen Stalking tritt weit häufiger auf, als bekannt wird, und trifft immer mehr Menschen. Morgen können auch Sie zum Opfer werden. Ohne ihr Zutun.

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