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Telekom und DM: Von überflüssigen
Arbeitsplätzen zu überfälligen Lösungen
Anne Schlesinger *
Kommentar und Interview 3.11.2005
Helle Empörung weckte die Ankündigung der
Telekom, mehr als 32.000 Arbeitsplätze abbauen
zu wollen. Der designierte Wirtschaftsminister
Glos, sah es allerdings laut Spiegel
realistischer:
Glos zeigt Verständnis für
Telekom-Kahlschlag
Bei der Deutschen Telekom sollen
32.000 Mitarbeiter gehen. Während
die Gewerkschaft Ver.di gegen den
Kahlschlag wettert, bekommt der
Bonner Konzern Rückendeckung vom
Wirtschaftsminister in spe, Michael
Glos.
Bonn/Berlin - Der designierte
Wirtschaftsminister Michael Glos
(CSU) bedauerte den Stellenabbau bei
dem einstigen Staatskonzern.
"Wir können
nicht künstlich Arbeitplätze halten,
die nicht mehr gebraucht werden",
schränkte Glos jedoch ein. In
Deutschland müssten neue
Arbeitsplätze gerade auch im
Hochtechnologiebereich global
wettbewerbsfähig sein. Dafür müsse
die Politik die Rahmenbedingungen
setzen, fügte er hinzu...
Quelle:
Spiegel-Online |
Wie diese Rahmenbedingungen aussehen könnten,
erklärt uns Götz Werner, Inhaber und Gründer der
dm Drogeriemärkte. Hier eine aktuelle Nachricht
aus FAKTuell:
Grundlohn
gefordert -
DM-Gründer Götz Werner hat eine
Anzeigenkampagne für ein
Grundeinkommen in Deutschland
gestartet. Es gebe keine
Wirtschafts- sondern eine
Verteilungskrise. Jetzt müsse man
völlig umdenken. Werner plädiert für
1.300 bis 1.500 Euro pro Kopf und
Monat. Der Autor Christopher Ray hat
bereits vor Jahren ausgerechnet,
dass ein Bürgergehalt nicht nur
finanzierbar sondern auch billiger
ist, als sämtliche Subventionen und
Stützen heute zusammen.
Lesetipp:
Das Buch zum Thema |
Götz
Werner ist nicht nur Drogist und erfolgreicher
Unternehmer, wie der Spiegel suggeriert, sondern
ein gestandener Betriebswirt mit einem eigenen
Forschungsteam. Ein Mann, der weiß wovon er
spricht, wenn er ein
Bürgergehalt fordert.
Wir haben über das Bürgergehalt mit dem Autor
des gleichnamigen Buches gesprochen:
Christopher Ray,
was sagen Sie zu Glos und Werner?
Glos
hat offensichtlich nichts verstanden, Werner
alles.
Wie
meinen Sie das?
Herrn
Glos würde ich empfehlen sich die Aussage seines
CDU-Parteifreundes Heinz Eggert durch den Kopf
gehen zu lassen, statt von Arbeitsplätzen zu
träumen. Ich zitiere:
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Heinz Eggert
(CDU) Mitglied des
Sächsischen Landtags und
Ex-Innenminister:
"Wer das VW-Werk
besichtigt hat, in einer
Riesenhalle nur fünf
Arbeitern begegnet ist,
wo früher 800
arbeiteten, der kann
nicht an
Vollbeschäftigung
glauben. Wir erleben den
Abschied vom
Industriezeitalter. Das
muss endlich realisiert
werden. Neue Konzepte,
die der Realität gerecht
werden, müssen auf den
Tisch." |
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Vielleicht weckt diese Aussage Herrn Glos auf,
wenn es die aktuellen Tagesmeldungen von Daimler
bis Telekom nicht tun. Aber ich vermute eher,
dass er sich von den sogenannten
Erfolgsmeldungen bei der Entwicklung der
Arbeitslosenzahlen inspirieren lassen wird.
Dort werden uns die heftig anwachsenden
1-Euro-Jobs ja manipulativ als Anstieg der
Lohn-Arbeitsplätze verkauft.
Ich befürchte, dass Glos mit den zu verändernden
Rahmenbedingungen meint, Vollbeschäftigung
mittels 1-Euro-Jobs herstellen zu können. Immer
nach dem Motto:
"Hauptsache Arbeit!"
Zurück
zum Bürgergehalt: Wie stehen Sie zu dem
"Werner-Modell",
das ja noch ein Stück über Ihr Konzept von 2000
hinausgeht?
Positiv. Wie Sie ja schon sagen, meine
Berechnungen stammen aus dem Jahr 2000, Werner
hat die aktuellen Gegebenheiten genommen und
gleich den nächsten Schritt getan: Ein
vernünftiges Steuerkonzept, das
Steuerehrlichkeit erzwingt, ohne einen
Wasserkopf an Verwaltung zu benötigen.
Werner fordert die Abschaffung aller Steuern,
außer der Mehrwertsteuer. Diese will er auf ein
Niveau von 45 bis 48% anheben. Eine kluge
Entscheidung. Denn wer immer etwas in der
Bundesrepublik kauft oder verkauft, wird so zur
Finanzierung des Staates beitragen. Die
Wettbewerbsfähigkeit für inländische
Produktionen wächst dadurch erheblich.
Aber
45% und mehr - führt das nicht zu
Wahnsinnspreisen?
Nein!
Das ist ja das Geniale an diesem Steuermodell.
Vergessen Sie nicht, Götz Werner ist ein
ausgebuffter Betriebswirtschaftler und
erfolgreicher Unternehmer. Im Klartext: Wenn
sämtliche Steuern und Abgaben zugunsten dieser
"Einheitssteuer" abgeschafft werden, bleiben die
Verbraucherpreise ziemlich konstant.
Abschlussfrage: Haben Herr
Werner und Sie Kontakt?
Mittelbar. Vor ein paar Monaten haben wir über
sein Institut korrespondiert. Er lässt dort
offensichtlich die Machbarkeit des
Bürgergehaltes überprüfen. Offensichtlich
erfolgreich, wenn er jetzt mit einer
Anzeigenkampagne damit an die Öffentlichkeit
geht.
© 2005
FAKTuell ®
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