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Kettenreaktion: Freiheit für Dr.
Hamer
Philipp Berger *
Bericht und Photos 16.10.2005
Es ist frisch an diesem Morgen des 15. Oktober 2005.
Die Sonne erkämpft sich allmählich ihren Platz und sendet erste
Strahlen auf die Erde. Selbst für einen Samstagmorgen ist es
ungewöhnlich ruhig in der Stadt. Ein dunkelgrauer Renault 19
verlässt Frankfurt am Main. Er fährt mit 120 kmh in Richtung
Heidelberg. Die Autobahn ist ziemlich leer. Kein Stau, kein
zähfließender Verkehr wie sonst.
Der Renault kommt gut voran und erreicht sein Ziel noch weit vor der
eigentlich geplanten Zeit kurz nach Zehn. Die Insassen, eine
Fahrerin und zwei Beifahrer, sind erstaunt. So gut sind sie noch nie
durchgekommen.
Nachdem die Drei den Weg gefunden haben, suchen sie sich einen
Parkplatz,
stellen ihr Auto ab und machen sich auf den Weg zum Versammlungsort
der Neuen Mediziner. Der liegt halb linksseitig neben dem Bauhaus,
ein viel besuchter Heidelberger Baumarkt.

Noch bevor sie sich an bekannte Gesichter wenden können, flattern
ihnen die ersten Luftballons um die Nasen. Darauf ist zu lesen:
"Germanische Neue Medizin".
Es dauert nicht lange und es werden bald immer mehr Teilnehmer, die
am Demonstrationszug für die Anerkennung der Germanischen Neuen
Medizin teilnehmen wollen und sich unter anderem per Luftballon dazu
bekennen. Vor allem die Zahl der Italiener wächst. Gleich in
mehreren Bussen sind sie angereist. Kaum angekommen, bereiten sie
ihren "Roten Faden" vor. So könnte man ihn nennen, auch wenn er
überwiegend blau ist.

Der Rote Faden ist praktisch das Herzstück des italienischen
Konzeptes. An einer 2000 Meter langen Schnur sind in Folie
eingeschweißte Bekenntnisse und Unterschriften zur Neuen Medizin
befestigt. Wie an einer Kette sollen sie durch die Straßen
Heidelbergs getragen werden, als äußere Begrenzung des
Demonstrationszuges. Die Unterschriften stammen von Menschen aus
aller Herren Länder.

Die Italiener verbinden die Teilstücke des Roten Fadens miteinander
und kümmern sich um die Organisierung einiger Träger für die Kette.
Daran mangelt es von deutscher Seite her etwas. Es geht auf zwölf
Uhr zu.
Eine kleine Gruppe von Gegendemonstranten steht bereit.
Die fünf Studenten stellen sich vor der Kreuzung auf, über die der
Demonstrationszug führen soll. Sie verstecken sich hinter ihrem
Transparent: "Gegen jeden Antisemitismus und Irrationalismus! Der
Germanischen//Neuen Medizin vorbeugen!" ist darauf zu lesen.
Vermutlich Medizinstudenten. Heidelberg hat eine uralte Universität,
in der vor allem das Medizinstudium eine alte Tradition hat. Auch
das Deutsches Krebsforschungszentrum hat hier seinen Sitz.

Inzwischen ist auch der Polizeitrupp aufgetaucht, der unseren Zug
begleiten soll und es wird auch langsam Zeit: Der geplante Beginn
der Demonstration ist bereits seit einer Viertelstunde verstrichen.
Der Startschuss fällt. Die Polizei riegelt die Straße ab und die
Demonstranten setzen sich in Bewegung. Was den fünf Studenten
überhaupt nicht gefällt ist die Tatsache, dass die Demonstranten sie
einfach links liegen lassen.
Ich mache mich inzwischen bereit, die Menschenschlange für die
Nachwelt im Bild festzuhalten und beginne, eifrig auf den Auslöser
meiner Digitalkamera zu drücken.
Die Autos haben heute mal nicht Vorfahrt, heute heißt es:
"Vorfahrt für die neue Medizin!"

Die Schlange wird länger und länger und ich kämpfe mich nun Stück
für Stück an den Kopf derselben vor, um ein paar Impressionen zu
erhaschen, die das Ausmaß der Demo erahnen lassen. In diesem Moment
vermisse ich die Erfindung dieses Japaners, mit der man praktisch
durch die Luft fliegen kann, indem man sich einen Propeller am
Rücken festschnallt.

Einige Zeit später und ein paar Hundert Meter weiter stoppt der
Demonstrationszug an einer stark befahrenen Kreuzung, an einem
Verkehrsknotenpunkt, neben einer Straßenbahnlinie. Jeder, der
möchte, bekommt Infomaterial zur Neuen Medizin. Während sich der Zug
nach ca. einer Viertelstunde wieder in Bewegung setzt und gerade den
ganzen Verkehrsknotenpunkt durchzieht, entspinnen sich Diskussionen
mit Passanten. Warum denn Doktor Hamer im Gefängnis sitze, wenn
unsere Medizin so toll sei, wollen einige wissen. Andere zeigen sich
interessiert an Inhalten.
Ein paar Angestellte der Bismarck-Apotheke beklagen, dass sie
"natürlich Handlanger der Pharmaindustrie" seien. "Aber von
irgendwas muss man schließlich leben", meint eine Apothekerin
achselzuckend. Einige Autofahrer hupen wie wild. Wir halten den
ganzen Verkehr auf. Das stört uns überhaupt nicht.

Der Zug strömt nun durch eine große Einkaufsmeile und findet auch
den einen oder anderen Neugierigen, der stehen bleibt, fragt, liest.
Jetzt kommen wir auf dem Universitätsplatz an. Hier versammeln sich
die Teilnehmer der Demonstration um das Rednerpult. Helmut Pilhar
wird eine Ansprache halten und einen Brief Doktor Hamers aus dem
Pariser Gefängnis vorlesen.

Es dauert eine Weile, bis der Rote Faden vollständig den Platz
erreicht hat. Beifall brandet auf, immer wieder. Vor allem Touristen
aus Asien schauen neugierig dem Treiben zu und fotografieren
fleißig.

Der italienische Tourleiter übersetzt die Rede Pilhars ins
Italienische. Immerhin 200 Italiener nehmen an der Demo teil.
Weitere Teilnehmer kommen aus Österreich, allen Teilen Deutschlands,
Luxemburg, den Niederlanden, Frankreich, Belgien, der Schweiz,
Spanien und Portugal.
Eine gewisse Euphorie macht sich unter den Demonstranten breit.

Der fast schon kitschige Sonnenuntergang am Schloss bildet wie
bestellt den Abschluss des Tages. Jetzt wird es wieder frisch,
leichter Nebel zieht auf.
Der graue Renault verlässt Heidelberg.
Weitere Demos sind geplant am 13. Mai 2006 in Tübingen und am
7. 12. 2006, dem Todestag Dirk Hamers, erneut in Heidelberg.
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Themenseite: Dr. Hamer - Neue Medizin
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