Görlitz 24. Jahrgang - 2005

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A
MD - und Milbradts Freude           
4.2.2004   Kommentar von Christopher Ray

Pressemitteilungen sind ein täglicher Quell der Freude in allen Redaktionen.
Wir haben bei der Redaktionssitzung am Mittwoch wieder Tränen gelacht, als wir die Freude von Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt auf den Tisch bekamen:

Milbradt erfreut über schnelle Zusage für AMD-Beihilfen aus BrüsselMilbradt: Hellwach...
SSK - SÄCHSISCHE STAATSKANZLEI 03.02.2004 16:40

Grünes Licht aus Brüssel: Die EU-Kommission hat heute die Beihilfen für das neue Halbleiter-Werk von AMD in Dresden genehmigt. „Wir freuen uns über die schnelle Zusage der EU-Kommission. Das ist eine klare Bestätigung für den Mikroelektronik-Standort Sachsen“, sagte Ministerpräsident Georg Milbradt heute in Dresden. Damit erlauben die EU-Wettbewerbshüter nur drei Monate nach Einreichung des Antrags, dass staatliche Beihilfen in Höhe von mehr als einer halben Million Euro fließen dürfen.

Für den Bau der neuen Fabrik Fab 36 plant AMD insgesamt Investitionen von 2,4 Milliarden Euro, die bis Ende 2007 ausgegeben werden. Die staatliche Beihilfe macht damit einen Anteil von 22,7 Prozent aus. Im Rahmen des Vorhabens sollen 1.035 Dauerarbeitsplätze und indirekt weitere 1170 Arbeitsplätze entstehen.

Unsere Wirtschaftsexperten haben sich die Mühe gemacht, diese Zahlen einmal aufzuschlüsseln,  damit sie auch von Laien wie unseren Praktikanten, Wirtschaftsminister Gillo und Ministerpräsident Milbradt richtig interpretiert werden können:

AMD plant ein Investitionsvolumen von 2,4 Milliarden € (2.400.000.000.- )
Sachsen leistet eine Beihilfe von 22,7% = 544,8 Mio € (   544.800.000.- )
Anmerkung: 544.800.000.- € sind mehr als eine Milliarde Mark!

Gehofft wird:  "(Es) sollen 1.035 Dauerarbeitsplätze entstehen."
                        Die indirekten lassen wir außen vor.
Hinweis: "Sollen" = Keine Garantie - keine Verpflichtung!
Resultat: Es handelt sich folglich um einen verlorenen Zuschuss!!!
Steuereinnahmen sind auch nicht zu erwarten, weil AMD die eigenen Investitionen und die daraus resultierenden Kosten steuerlich geltend machen (abschreiben) wird.

Passen wir uns der Bejubelung von Milbradts Milchmädchenrechnung an, und stellen die Gegenrechnung an, um das einmal auf die (eventuell möglichen) Dauerarbeitsplätze umzurechnen. Das geht auch ohne Mathematik- oder BWL-Studium ganz einfach:
544.800.000 (€) : 1035 (Vielleicht-Jobs) = 526.376,81 € pro Vielleicht-Job!

Und jetzt der etwas schwierigere Schritt, für den man die Prozentrechnung begriffen haben sollte. Was wahrscheinlich eine zu hohe Hürde für die Staatsregierung ist, die ja schon durch Unkenntnis der Grundrechenarten (siehe Presseerklärung) in einen Jubeltaumel gefallen ist.
Bei Summen in dieser Größenordnung kann man am Tagesgeld-Markt momentan je nach Geschick zwischen 4,8 und 6,5% Zinsen erhalten. (Anmerkung: Sachsens kränkelnde Kommunen würden sicher gerne zu solchen Konditionen zugreifen! Sie zahlen aktuell deutlich höhere Zinsen.)
Rechnen wir mit moderaten 5%, dann könnte Milbradt alleine aus den Zinsen jedem dieser potentiellen 1.035 künftigen Arbeitnehmern stolze
  26.318,84€ jährlich (!!!) 
zahlen, ohne das Stammkapital anzugreifen.

Jetzt können Sie, liebe Leser, entweder mitjubeln,
oder sich eigene Gedanken über die Fördermittel-Politik machen.
Fragen Sie sich einfach: Wem nutzt das - wer macht sich da die Taschen voll!?
Fragen, die sich auch schon Milbradts Vorgänger Kurt Biedenkopf gestellt hatte...
...siehe Hintergrund Paunsdorf
 

Lesetipp: Mit weniger mehr erreichen

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